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Bistum Chur

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(Weitergeleitet von Hochstift Chur)
Wappen des Bistums Chur

Das römisch-katholische Bistum Chur (lat.: Dioecesis Curiensis) liegt im Osten der Schweiz und umfasst die Kantone Graubünden und Schwyz, sowie provisorisch seit 1819 Uri,[1] Glarus, Obwalden, Nidwalden und Zürich.[2] Patron des Bistums Chur ist der heilige Luzius und die Bischofskirche ist die Churer Kathedrale St. Maria Himmelfahrt.

Die historische kirchliche Einteilung der Schweiz
Die Kathedrale St. Maria Himmelfahrt von Norden
Links: Der Bischöfliche Hof in Chur

Das Bistum Chur entstand vermutlich im 4. Jahrhundert im Territorium von Churrätien. Mit Asinio wurde im Jahre 451/52 erstmals ein Bischof der Diözese Chur urkundlich erwähnt. Bekannt durch sein Testament wurde Bischof Tello im 8. Jahrhundert.

Sitz des Bischofs von Chur ist der Bischöfliche Hof in der Stadt Chur. Die gegenwärtige barocke Anlage, das Bischöfliche Schloss, stammt aus den Jahren 1732/33. Oberhalb des Hofs lag die Stephanskapelle, eine der ersten Friedhofskirchen Nordbündens.

Der Legende nach war Luzius von Chur, der im 5. oder 6. Jahrhundert in Chur als Märtyrer hingerichtet worden sein soll, der erste Bischof. Seine Gebeine werden in der Kathedrale in Chur aufbewahrt und er gilt als Patron des Bistums.[3]

Der Bischof von Chur kontrollierte im Mittelalter als weltlicher Herrscher, als Fürstbischof des Heiligen Römischen Reiches, grosse Teile des heutigen Graubündens, Chiavenna, Bormio und den Vinschgau. Dabei stand er in ständigen Fehden, Kriegen und Rechtskonflikten mit seinen Ministerialen einerseits (Freiherren von Vaz, den Matsch, Sax-Misox, Werdenberg-Sargans u. a.) und konkurrierenden Landesherrschaften andererseits (Herzogtum Mailand, Grafschaft Tirol, Habsburger).

Bereits im 14. Jahrhundert gingen die Talschaften Chiavenna und Bormio an das Herzogtum Mailand verloren. Auch der Vinschgau und das Unterengadin (ab 1239 die Herrschaft Tarasp) waren faktisch bereits in der Hand der Grafen von Tirol. Darauf schlossen sich die Untertanen des Bischofs, die so genannten „Gotteshausleute“, 1367 zum Gotteshausbund zusammen, um ihre Entfremdung vom zerfallenden Fürstbistum zu verhindern. Der Gotteshausbund war bis 1798 Teil des Freistaats der Drei Bünde, die ab 1512 Bormio, Chiavenna und das Veltlin wieder als Untertanengebiete verwalteten. Der Freistaat war seit 1497 ein Zugewandter Ort der Alten Eidgenossenschaft und erhielt mit dem Westfälischen Frieden 1648 die formelle Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich, ebenso wie die Eidgenossenschaft selbst. Die Drei Bünde verblieben allerdings bis 1798 mit dem Haus Habsburg in vertraglicher Erbeinung. Sie verfolgten unter der Führung ihrer alten Adelsgeschlechter eine eigenständig taktierende Außenpolitik in den Auseinandersetzungen zwischen Habsburgern, Venedig und Frankreich, während der Bischof von Chur, dessen Hochstift seine meisten weltlichen Hoheitsrechte im Bündnerland an die Drei Bünde und an Österreich verloren hatte, für seine verbliebenen Territorien als Reichsfürst dem Österreichischen Reichskreis angehörte.

Das Bistum, also die Diözese (der geistliche Zuständigkeitsbereich), erstreckte sich auch auf österreichisches Gebiet (um Montafon und im Vinschgau). Das vom Fürstbischof weltlich regierte Territorium, das Hochstift Chur, umfasste in der frühen Neuzeit jedoch nur noch den Hofbezirk in der Stadt Chur (die Gegend um das Bischöfliche Schloss) und daneben kleinere Reste im Bündnerland (u. a. Teile des Fürstenwaldes und Gebiete bis zur Landquart sowie verschiedene Rechte und Hochgerichte, z. B. in Churwalden) sowie Streubesitz in Schwaben (die Herrschaft Großengstingen von ca. 900 bis 1717) und im heutigen Südtirol (im oberen Etschtal und im Val Müstair, mit Verwaltungssitz auf der Fürstenburg bis 1806).[4]

Kirchlich unterstand das Bistum Chur zuerst als Suffragandiözese dem Erzbistum Mailand. Nach der Teilung des Fränkischen Reiches im Jahre 843 unterstand es dem Erzbistum Mainz und seiner Kirchenprovinz, seit 1803 in Exemtion direkt dem Papst.

König Otto I. verlieh den Bischöfen von Chur im Jahr 958 das Münzrecht, das diese aber bis in das 15. Jahrhundert hinein kaum genutzt haben. Später wurde es dafür intensiv ausgeübt.[5]

Einseitige 2-Pfennig-Münze des Bistums Chur, 17. Jahrhundert

Reorganisation im 19. Jahrhundert

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Im Jahre 1819 erhielt das Bistum Chur mit Ob- und Nidwalden, Teile von Uri, Schwyz, Glarus und Zürich Teile des erloschenen Bistums Konstanz zur provisorischen Administratur,[6] nachdem es zuvor allerdings den Vinschgau und Teile Vorarlbergs verloren hatte. Mit der päpstlichen Bulle Ecclesias quae antiquitate vom 2. Juli 1823 wurde das neu geschaffene Bistum Chur-St. Gallen gegründet: St. Gallen war aber damit nicht einverstanden. Um den jahrelangen Streit zu beenden, teilte Papst Gregor XVI. deswegen 1836 das Doppelbistum Chur-St. Gallen und errichtete ein apostolisches Vikariat für St. Gallen, das 1847 in dem Bistum St. Gallen aufging.

20. und 21. Jahrhundert

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Der Gebrauch des Titels Fürstbischof sowie die Verwendung der damit verbundenen weltlichen Würdezeichen (wie Fürstenhut und -mantel) wurde 1951 durch Papst Pius XII. auch formell abgeschafft.[7]

In den 1990er Jahren war das Bistum Chur geprägt durch den Streit um den damaligen Bischof Wolfgang Haas. Während des Streites kam vielfach der Ruf nach Neuordnung des Bistums Chur auf, da insbesondere der zum Kanton Zürich gehörende Teil des Bistums und Teile der staatskirchenrechtlich verfassten katholischen Landeskirche Graubündens in scharfer Ablehnung zur Churer Bistumsführung stand. Der Heilige Stuhl löste das Problem jedoch 1997 nicht durch eine Neuordnung des Bistums und damit der Gründung eines Bistums Zürich, sondern durch die (kirchliche) Abtrennung des Fürstentums Liechtenstein vom Bistum Chur. Das Gebiet des Fürstentums Liechtenstein wurde zum Erzbistum Vaduz erhoben, und Wolfgang Haas wurde der erste Erzbischof.

Auf Haas folgte 1998–2007 Amédée Grab als Bischof; er galt als «Schlichter» und es sei ihm «gelungen, das gespannte Verhältnis zwischen dem Bischofssitz in Chur und der Kantonalkirche Zürich ‹in erstaunlich kurzer Zeit› zu entkrampfen.»[8]

Mit dem Amtsantritt Vitus Huonder im September 2007 traten die Konflikte wieder hervor. Im Februar 2011 traten innerhalb weniger Tage zunächst der Regens des Priesterseminars St. Luzi in Chur, Ernst Fuchs, sowie der Generalvikar für den Kanton Graubünden, Andreas Rellstab, von ihren Ämtern zurück. Als Grund gaben sie jeweils nicht näher erläuterte Differenzen mit Bischof Vitus Huonder an.[9] Zum Nachfolger von Fuchs wurde der Weihbischof des Bistums, Marian Eleganti, ernannt.

In einer am 24. Februar 2011 veröffentlichten Erklärung wandten sich 11 der 17 Dekane des Bistums gegen die Amtsführung des Bischofs, welche nach Ansicht der Unterzeichner „immer mehr Seelsorgende in die innere Emigration treibe“.[10] Nachdem sich Huonder Ende März 2011 zu Konsultationen in Rom aufgehalten hatte, teilte er in einem Brief an die Katholiken des Bistums vom 7. April 2011 mit, dass er das volle Vertrauen von Papst Benedikt XVI. genieße und sein Amt als Bischof weiterführen wolle.[11] Am 14. April 2011 gab Huonder die Ernennung von Andreas Fuchs zum neuen Generalvikar für den Kanton Graubünden bekannt, wobei Fuchs sein Amt erst im Sommer 2011 antreten sollte.[12]

Angesichts des 2017 anstehenden Rücktrittsgesuchs von Huonder forderte der Generalvikar für die Urschweiz Martin Kopp eine Verschiebung der Bischofswahl in Chur und die Einsetzung eines auswärtigen Apostolischen Administrators.[13][14] Seit dem 20. Mai 2019 war Pierre Bürcher Apostolischer Administrator des Bistums Chur.[14] Eine am 23. November 2020 angesetzte Bischofswahl endete erfolglos. Das aus 22 Domherren bestehende Wahlgremium lehnte die Terna mit drei vom Heiligen Stuhl vorgeschlagenen Kandidaten ab.[15] Am 15. Februar 2021 ernannte Papst Franziskus nach fast zweijähriger Sedisvakanz Joseph Maria Bonnemain zum Bischof von Chur.[16] Bonnemain wurde am 19. März 2021 zum Bischof geweiht.

Liste der Bischöfe des Bistums Chur

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Bistum Chur
Karte Bistum Chur
Basisdaten
Staat Schweiz
Kirchenprovinz Immediat
Diözesanbischof Joseph Maria Bonnemain
Emeritierter Weihbischof Marian Eleganti OSB
Fläche 12.270 km²
Pfarreien 310 (31. Dezember 2023 / AP 2024)
Einwohner 2.074.902 (31. Dezember 2023 / AP 2024)
Katholiken 652.361 (31. Dezember 2023 / AP 2024)
Anteil 31,4 %
Diözesanpriester 338 (31. Dezember 2023 / AP 2024)
Ordenspriester 215 (31. Dezember 2023 / AP 2024)
Katholiken je Priester 1180
Ständige Diakone 59 (31. Dezember 2023 / AP 2024)
Ordensbrüder 314 (31. Dezember 2023 / AP 2024)
Ordensschwestern 798 (31. Dezember 2023 / AP 2024)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Deutsch
Italienisch
Rätoromanisch
Kathedrale St. Maria Himmelfahrt
Anschrift Hof 19
Postfach 133
7002 Chur
Website www.bistum-chur.ch
vonbisJahreBischof
1941196222Christian Caminada† 1962 in Chur
1962199028Johannes Vonderach
1988199810Wolfgang HaasKonflikte, Zürich will sich von Chur lösen. Liechtenstein wird abgetrennt und Haas nach Liechtenstein geschickt.
199820079Amédée Grabals Schlichter
2007201912Vitus HuonderKonflikte und Rücktritte
201920212- Vakanzdrei Kandidaten wurden 2020 abgelehnt
2021Joseph Maria Bonnemain

Das Wappen des Bistums Chur ist seit dem 13. Jahrhundert der aufrechte schwarze Steinbock auf silbernem Grund. Das Wappen wurde später auch vom Gotteshausbund übernommen und fand im 19. Jahrhundert so Eingang in das Wappen des Kantons Graubünden.[17]

Diözesankalender

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Im Bistum Chur wird der Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet um die folgenden Eigenfeiern ergänzt (dahinter jeweils der Rang und die liturgische Farbe).

Abkürzungen: H = Hochfest, F = Fest, G = Gebotener Gedenktag, g = Nichtgebotener Gedenktag, GK = Generalkalender, RK = Regionalkalender

Commons: Bistum Chur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Das Urserental gehörte nicht zum Bistum Konstanz und hat deshalb einen definitiven Zugehörigkeitsstatus zum Bistum Chur.
  2. Lothar Deplazes, Pierre Surchat: Chur (Diözese, Fürstbistum). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  3. Vollständiges Heiligen-Lexikon. In: zeno.org. 1869, S. 904–908, abgerufen am 8. Dezember 2024.
  4. Chur (Bistum), historisches-lexikon.li
  5. Jürg Richter und Ruedi Kunzmann, Neuer HMZ-Katalog, Band 2: die Münzen der Schweiz und Lichtensteins, 15./16. Jahrhundert bis Gegenwart, S. 199
  6. Wobei nur der Kanton Schwyz inzwischen dem Bistum definitiv zugeschlagen worden ist, während die übrigen ehemaligen Konstanzer Bistumsteile weiterhin – wenn auch seit bald 200 Jahren – provisorisch durchs Bistum verwaltet werden.
  7. Franz Gall: Österreichische Wappenkunde. Handbuch der Wappenwissenschaft. 2. Aufl. Böhlau Verlag, Wien 1992, ISBN 3-205-05352-4, S. 219.
  8. Georges Scherrer: Bischof Amédée Grab war ein grosser Schlichter. In: kath.ch. 20. Mai 2019, abgerufen am 17. Juli 2019.
  9. Stefan Reis Schweizer: Zweiter hochrangiger Geistlicher im Bistum Chur geht. In: NZZ.ch. 24. Februar 2011, archiviert vom Original am 9. März 2018; abgerufen am 28. November 2021.
  10. Mehrheit der Dekane sorgt sich um Zukunft des Bistums Chur. In: kipa-apic.ch. 26. Februar 2011, archiviert vom Original am 4. September 2014; abgerufen am 28. November 2021.
  11. Bistum Chur – Churer Bischof Huonder hat das Vertrauen des Papstes. In: Solothurner Zeitung. 8. April 2011, abgerufen am 28. November 2021.
  12. Chur: Andreas Fuchs neuer regionaler Generalvikar für Graubünden. In: kath.net. 14. April 2011, abgerufen am 28. November 2021.
  13. Generalvikar Kopp fordert Verschiebung der Bischofswahl in Chur. In: srf.ch. 24. Oktober 2016, abgerufen am 28. November 2021.
  14. 1 2 Vitus Huonder ist nicht mehr Bischof von Chur. In: tagesanzeiger.ch. 20. Mai 2019, abgerufen am 20. Mai 2019.
  15. Erich Aschwanden, Simon Hehli: Churer Wahlmänner widersetzen sich dem Papst. In: NZZ.ch. 25. November 2020, abgerufen am 25. November 2020.
  16. Nomina del Vescovo di Chur (Svizzera). In: Tägliches Bulletin. 15. Februar 2021, abgerufen am 15. Februar 2021 (italienisch).
  17. Louis Mühlemann: Wappen und Fahnen der Schweiz. Buchclub Ex Libris, Zürich 1980, S. 114.