Hirsch-Q
Koordinaten: 51° 31′ 1,8″ N, 7° 27′ 49,5″ O Die Hirsch-Q ist eine linke Szenekneipe und antifaschistischer Treffpunkt in Dortmund.
Geschichte
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Von 2003 bis 2023 war die Hirsch-Q, die anfangs auch als Platzhirsch und Hirsch’n bekannt war, in der Brückstraße angesiedelt. Sie definierte sich als linke Szenekneipe unter dem Motto „Asozial aus Tradition“ und wurde zu einer Anlaufstelle der autonomen Linken und Sammelpunkt von Punks. Die stark alkoholisierten Straßenpunks, die sich hauptsächlich aus umliegenden Kiosken versorgten, sorgten vielfach für Probleme, so dass die Schließung der Hirsch-Q gefordert wurde.[1]
Nachdem die Hirsch-Q Mitte 2023 aufgrund wirtschaftlicher Probleme vorübergehend geschlossen worden war, zog sie im Juli 2024 in die Räume der ehemaligen Diskothek Spirit in der Helle 9, zwischen Brückstraße und Burgwall. Am neuen Standort boten sich auch wieder Möglichkeiten, Konzerte und Veranstaltungen durchzuführen, was im alten Lokal am Ende nicht mehr möglich war.[2] Seit der Wiedereröffnung traten dort deutsche und internationale Rock- und Punk-Bands wie Days of Sorrow, pogendroblem, Supersuckers, Total Chaos, Yawning Man oder The Movement auf.[3]
Ziel rechtsextremer Gewalt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als bekanntester linker Szenetreff Dortmunds wurde die Hirsch-Q immer wieder Ziel gewalttätiger Angriffe durch Rechtsextremisten und Neonazis, wodurch sie überregional bekannt wurde. Im Mai 2006 überfielen Rechtsradikale die Kneipe, zerstörten Scheiben, schlugen Gäste und warfen Gasgranaten. 18 Personen wurden in Gewahrsam genommen.[4][5] Zwischen 2006 und 2010 kam es zu sechs Angriffen auf das Lokal und/oder seine Gäste.[6] Andrea Röpke berichtete 2013, die Glasfront des Lokals sei insgesamt 18 Mal zerstört worden.[7] Laut dem Journalisten Olaf Sundermeyer wurde die Hirsch-Q innerhalb von vier Jahren dreizehn Mal Ziel rechtsextremer Gewalt.[8]
Der schwerste dieser Zwischenfälle ereignete sich im Dezember 2010, als Mitglieder der Skinhead-Front Dortmund-Dorstfeld das Lokal und Gäste angriffen. Zwei Personen wurden verletzt, eine durch mehrere Messerstiche.[9][6] Unter den Angreifern befand sich der Neonazi Sven K., der 2005 den Punker Thomas Schulz erstochen hatte und vorzeitig aus der Haft entlassen worden war.[10][11] Bereits im August 2010 hatten Rechtsradikale die Hirsch-Q attackiert. Obwohl eine Polizeiwache nur 400 Meter vom Lokal entfernt liegt, trafen die ersten Streifenwagen erst nach zehn Minuten ein, insgesamt wurden 35 Streifenwagen aus dem gesamten Stadtgebiet angefordert. Dies führte zu Fragen bezüglich der Reaktionszeiten und Einsatzplanung der Dortmunder Polizei.[12]
Im Dezember 2012 überfielen zehn polizeibekannte Personen aus dem rechten Spektrum die Gaststätte. Ein Angreifer wurde verletzt, sechs festgenommen und der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.[13] Bei einem erneuten Angriff im Juni 2014 durch drei Neonazis wurden mehrere Gäste und ein Polizist verletzt.[14]
Auch am neuen Standort wurde die Hirsch-Q 2025 das Ziel rechtsextremer Angriffe. Ende Mai 2025 griffen 10 bis 15 Rechtsradikale das Lokal an und zertrümmerten mit Bierbänken und einem Teleskopschlagstock die Fenster, nachdem sich die Gäste im Lokal verbarrikadiert hatten. Vier Angreifer wurden festgenommen.[15][16]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Gaby Kolle: Punks auf der Brückstrasse. Ruhr Nachrichten, 23. April 2007
- ↑ Dortmund: Kult-Kneipe kehrt zurück – und öffnet ausgerechnet HIER. Westfälische Rundschau, 17. Juli 2024
- ↑ Hirsch-Q Dortmund. Veranstaltungskalender bei de.concerts-metal.com (abgerufen am 19. August 2026)
- ↑ David Schraven: "Das ist wie Guerillakrieg". Die Welt, 28. Mai 2006
- ↑ Nazis überfallen linke Kneipe. taz, 2. Mai 2006
- 1 2 Kerstin Wiedemann (Hrsg.): Dortmunder Zustände. Strukturen, AkteurInnen und Entwicklungen im Jahr 2010., Dossier über die extreme Rechte in Dortmund, 2011 (pdf)
- ↑ Andrea Röpke: Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland., Ch. Links Verlag, 2013, S. 227
- ↑ Olaf Sundermeyer: Rechter Terror in Deutschland. Eine Geschichte der Gewalt. C. H. Beck, 2012, S. 220ff
- ↑ Naziterror in Dortmund – Rechte greifen mit Messer an. Störungsmelder, Die Zeit, 12. Dezember 2010
- ↑ Mascha Lewandowska: Dortmunder Neonazis vor Gericht. In: der rechte rand. 2012, Nr. 137, S. 11, ISSN 1619-1404
- ↑ Hirsch-Q-Überfall: Anklage ist ungewöhnlich detailliert. Westfälische Rundschau, 20. Juni 2013
- ↑ Monika Eichenauer: Marx und Nietzsche mischen sich ein - Die heillose Kultur - Band 1.1. epubli, 2012
- ↑ Rechte überfallen linke Szenekneipe "Hirsch-Q". Westfälische Rundschau, 29. Dezember 2012
- ↑ Neonazis verletzen Gäste in Dortmunder Szenekneipe Hirsch Q. Westfälische Rundschau, 14. Juni 2014
- ↑ Festnahmen nach Angriff auf linke Szenekneipe. Der Spiegel, 1. Juni 2025
- ↑ Rechtsextreme greifen Dortmunder Kneipe "Hirsch-Q" an. Westdeutscher Rundfunk, 2. Juni 2025