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Herbert Melzig

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Herbert Melzig (* 10. Mai 1909 in Stuttgart; † 1990) war ein deutscher Orientalist, Historiker und Literaturübersetzer.

Melzig heiratete 1933 in Berlin Hildegard Graband (1910–), dabei gab er als Beruf „Journalist“ an.[1] Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. 1958 wurde die Ehe geschieden.[1]

Während des Dritten Reiches arbeitete Melzig für das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda, nach eigenen Angaben als Presseberater in der Abteilung für den Nahen Osten. Melzig verfasste 1937 eine populäre Biographie des türkischen Staatsgründers Mustafa Atatürk. Es ist nicht geklärt, ob dies im Rahmen seiner Tätigkeit für das Propaganda-Ministerium geschah oder als privates Projekt. Jedenfalls las Goebbels das Buch im Sommer 1937 und äußerte sich in seinem Tagebuch positiv darüber. Neben der Atatürk-Biographie verfasste er noch weitere Geschichtsbücher, darunter Biographien von Reza Shah und Tamerlan. Diese waren jedoch im Vergleich zum Atatürk-Buch wenig erfolgreich.[2]

1938 wanderte Melzig in die Türkei aus, wo er sich in Ankara niederließ und an der Universität Ankara lehrte. Der Grund für seine Ausreise lag wohl in einem Konflikt mit seinen Vorgesetzten im Propaganda-Ministerium, in den Akten des Auswärtigen Amtes finden sich Vorwürfe des Fremdwährungs-Betrugs. Jedenfalls fürchtete Melzig um sein Leben und erhielt mit Hilfe des türkischen Botschafters in Berlin ein Visum für die Türkei.[2]

Zwischen Weihnachten und Neujahr 1939 fand Karl Steuerwald, ein deutscher Kollege Melzigs an der Universität Ankara, in ihrem gemeinsamen Büro Durchschläge von Briefen Melzigs an die Britische Botschaft in Ankara. Melzig bot darin die Publikation eines Aufsatzes oder Buches an, mit dem die deutsche Politik im Nahen Osten und gegen die Sowjetunion bloßgestellt werden würde. Im Gegenzug suchte er Publikationsmöglichkeiten in Großbritannien, da sein Buch in der Schweiz wegen Rücksichtnahme auf das Deutsche Reich nicht erscheinen könne. Steuerwald meldete seinen Fund sofort dem NSDAP-Ortsgruppenleiter Dr. Friede, zusammen informierten sie dann den deutschen Botschafter Franz von Papen. So begann die Melzig-Affäre, die es zu einem eigenen Dossier im Auswärtigen Amt brachte. Von Papen startete eine Kampagne gegen Melzig, um diesen „unschädlich zu machen“. Dies gipfelte in dem Plan, Melzig unter Vorspiegelung eines lukrativen Arbeitsangebots nach Deutschland zu locken und ihn dort in einem Konzentrationslager zu inhaftieren. Nachdem dieser Plan misslang, veröffentlichte Melzig seinen Text in einer türkischen Zeitung. Von Papen intensivierte daraufhin die Diskreditierung Melzigs und die Zerstörung seiner beruflichen Existenz. Dazu wurde behauptet, Melzig würde seinen Doktortitel von der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität zu Unrecht führen, wozu es zwar gewisse Indizien, aber keinen Beweis gab. 1940 wurde Melzig und seine Familie vom Deutschen Reich ausgebürgert, sein befristeter Vertrag an der Universität Ankara wurde nicht verlängert. Melzig gelang es jedoch, an der Universität Istanbul eine neue Anstellung zu finden.[2]

Nach Kriegsende kehrte er nach Westdeutschland zurück, zog aber 1957 in die DDR um. 1976 verließ er die DDR wieder.[3]

Veröffentlichungen (Auswahl)

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Als Autor:

  • Die Niederlage des Papstes vor dem Drachenthron. Ein erstmals veröffentlichtes Dokument aus der Geschichte der römischen Kirche. Verlag Theodor Fritsch, Leipzig 1935.
  • Resa Schah, der Aufstieg Irans und die Großmächte. Union, Stuttgart 1936.
  • Kamâl Atatürk – Untergang und Aufstieg der Türkei. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1937.
  • Timur – Verhängnis eines Erdteils. Europa-Verlag, Zürich 1940.

Als Übersetzer aus dem Türkischen, Arabischen und Persischen:

  • Fattahi Nishapuri: Schönheit und Herz. Verlag für orientalische Literatur, Stuttgart 1928. (Allegorie in elf Kapiteln von Alfetta von Nischapur, aus dem Persischen übertragen)[4]
  • Harsha: Retnavali. Verlag für orientalische Literatur, Stuttgart 1928. (Romantisches Schauspiel)
  • Der Berg von Amasia. Verlag für orientalische Literatur, Stuttgart 1929. (Trauerspiel, aus dem Arabischen übertragen)
  • Sabahattin Ali: Anatolische Geschichten. Verlag Volk und Welt, Berlin 1953. (Aus dem Türkischen übertragen.)
  • Bozorg Alavi: Ihre Augen. Berlin : Henschelverlag, Berlin 1959. (Roman, aus dem Persischen übertragen)
  • Aziz Nesin: Die skandalösen Geschichten vom türkischen Erzgauner Zübük. Rütten & Loening, Berlin 1968. (Aus dem Türkischen übertragen.)
  • Aziz Nesin: Der Fussballkönig. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1968. (Aus dem Türkischen übertragen.)
  • Hodscha Nasreddin: Wer den Duft des Essens verkauft. Rütten & Loening, Berlin 1987. (1988 auch bei Rowohlt Jahrhundert, Band 46. Aus dem Türkischen übertragen.)
  • Stefan Ihrig: Nazi Leaks and Intrigues in Second World War Ankara: The Plot to send Herbert Melzig to a Concentration Camp. In: The International History Review, Vol. 38, Nr. 1 (2016), S. 109–125, doi:10.1080/07075332.2015.1023213.
  • Ömer Frank Demirel: Ünlü Atatürk Biyografi Herbert Melzig Kimdir? In: Elektronik Siyaset Bilimi Arastirmalari Dergisi, Vol. 13, Nr. 1 (2022), S. 47–57.
  • Faruk Şen, Dirk Halm: Exil unter Halbmond und Stern: Herbert Scurlas Bericht über die Tätigkeit deutscher Hochschullehrer in der Türkei während der Zeit des Nationalsozialismus. Klartext, Essen 2007, ISBN 3-89861-768-8. (Laut einem Review von Stefan Ihrig ist die Betrachtung des „kontroversen Melzig“ in diesem Werk „teils voreingenommen“.[5])

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Eheurkunde Nr. 481, Aufgebotsverzeichnis Nr. 561. In: Berlin, Heiraten, 1874–1944, Verzeichnis Berlin X A, 1933 (Erstregister), Standesamt Berlin-Lichterfelde.
  2. 1 2 3 Stefan Ihrig: Nazi Leaks and Intrigues in Second World War Ankara: The Plot to send Herbert Melzig to a Concentration Camp. In: The International History Review, Vol. 38, Nr. 1 (2016), S. 109–125.
  3. ↑ Johanna Pink: Eine Koranübersetzung im Kalten Krieg: Reclam, Max Henning und das Bild Muḥammads im geteilten Deutschland. In Die Welt des Islams, 31. März 2025, doi:10.1163/15700607-20250001
  4. ↑ Eingegangene Bücher. In: Zeitschrift Für Vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der Indogermanischen Sprachen, Vol. 58, Nr. 3/4 (1931), S. 291–95, JSTOR:40847426.
  5. ↑ Stefan Ihrig: Exil Unter Halbmond Und Stern - review. In: Insight Turkey, Vol. 12, No. 1 (2010), S. 245–47. JSTOR:26331161