Zum Inhalt springen

Helmut Ostermeyer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Helmut Ostermeyer (* 19. Dezember 1928 in Bremen;[1]5. Juni 1984) war ein Bielefelder Richter und Sachbuchautor. Im März 1979 war er an der Gründung der SPV „Die Grünen“ beteiligt.

Berufliche Laufbahn

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostermeyer wurde 1928 als Sohn eines Chirurgen in Bremen geboren. Er war Luftwaffenhelfer im Zweiten Weltkrieg und Maurerlehrling.[2] Von 1949 bis 1952 studierte er Rechtswissenschaften in Münster.[3]

1957 trat Ostermeyer in den richterlichen Dienst ein. Ab März 1965 war er Vorsitzender des Jugendschöffengerichts in Bielefeld. Die Veröffentlichung von Ostermeyers Buch Strafunrecht führte bei seinen Vorgesetzten zu einem Beförderungsstopp.[4] Später wechselte Ostermeyer in Bielefeld vom Jugendgericht an das Familiengericht. Dort führten er und seine Kollegen bei Ehescheidungsprozessen erstmals Anhörungen und Gespräche mit den Kindern der betroffenen Familien ein, um deren Interessen zu ermitteln.[5] Für einige Zeit hatte Ostermeyer einen Lehrauftrag für Strafrecht und Psychoanalyse an der Universität Bielefeld.

Publizistische Tätigkeit

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1967 veröffentlichte Ostermeyer regelmäßig Artikel in der Zeitschrift Vorgänge und verfasste eine Reihe von Fachbüchern. Er befasste sich kritisch mit dem bundesdeutschen Rechtswesen und stellte das Verhängen von Strafen grundsätzliche in Frage.[4] Ostermeyer strebte eine grundlegende Reform an, wobei es ihm darum ging, Psychoanalyse und Sozialwissenschaften in die Gerichtspraxis einzubeziehen.

Er schrieb auch das Drehbuch der am 3. Juli 1975 ausgestrahlten Folge „Halt – oder ich schieße!“ der Fernsehserie Wie würden Sie entscheiden?.[6] Ebenfalls 1975 erhielt er den Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union. Er konnte noch seine Autobiographie fertigstellen, die 1985 posthum unter dem Titel Sitz gerade! erschien.

Parteipolitisches Engagement

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. Februar 1979 organisierte Ostermeyer gemeinsam mit Detlev Freienseher das erste Treffen der Bunten Liste in Bielefeld, die im gleichen Jahr in den dortigen Stadtrat einzog.[7] Bei der Wahl zum ersten europäischen Parlament war Ostermeyer 1979 Ersatzkandidat für Eva Quistorp auf Platz 8 der Liste der Sonstige Politische Vereinigung Die Grünen.[8]

Werke (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Charlotte Maack: Helmut Ostermeyer ist tot, Vorgänge Nr. 71, 5/1984, Seite 11–12
  • Gedenken: Helmut Ostermeyer, HU-Mitteilungen, Nr. 147, September 1994 (37 Seiten pdf), Seite 85–86

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Gemeindestatistik 1979, Heft 2: Wahl zum Europäischen Parlament am 10. Juni 1979. (= Statistik von Baden-Württemberg. Band 267.) Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart 1979, S. 162.
  2. Theo Rasehorn, Helmut Ostermeyer, Fritz Hasse, Diether Huhn: Im Namen des Volkes? vier Richter über Justiz und Recht. Luchterhand, Neuwied 1968, S. 236.
  3. Klaus Gloy, Gunter Presch (Hrsg.): Sprachnormen. Teil 3: Kommunikationsorientierte Linguistik, Sprachdidaktik. Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1976, ISBN 3-7728-0581-7, S. 160.
  4. 1 2 Gerhard Mauz: Würdig, straff und sachlich, Spiegel 47, 15. November 1971
  5. Zeit für Kinder, Spiegel Nr. 8, 19. Februar 1979
  6. Wie würden Sie entscheiden? Halt oder ich schieße! bei IMDb
  7. Thomas Güntter: „Die Latzhosen-Teddys“, Neue Westfälische, 13. November 2009
  8. SPV – Sonstige Politische Vereinigung "Die Grünen" & DIE GRÜNEN (Memento des Originals vom 11. März 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Heinrich-Böll-Stiftung, Archiv