Heiseb
Heiseb, auch Heitsi Eibeb, Heitsi Kabib, Heigeib oder Heisegeib ist eine Gestalt aus der Geisteswelt der Khoikhoi-Völker.
Heiseb hat einen vielseitigen und widersprüchlichen Charakter. Er ist unheimlich sowie unberechenbar und kann Streiche spielen oder als Held auftreten, um zu Nahrung oder Feuer zu verhelfen oder um Unholde zu besiegen. Er ist des Gestaltwandelns fähig und kann zuweilen auch Gedanken lesen sowie Tote wieder zum Leben erwecken. Auch ist er zu unmoralischen Handlungen fähig. Nach Sigrid Schmidt waren die Geschichten um Heiseb bei den Nama und Damara früher sehr bekannt, dann verschwanden sie aber fast gänzlich aus dem Erzählgut, da Tiere Heisebs Rolle übernahmen. So wurden bei den Nama im Süden von Namibia die Geschichten über Heiseb zu Geschichten über den Schakal, auf den bei dem Namen Heiseb verwiesen wird. Von den Europäern wurde er zuerst für einen Häuptling gehalten. Vergleichbar sei er aber mit dem Rübezahl. Im Englischen wurde er als Trickster bezeichnet, so wie ähnliche andere Gestalten bei Jägervölkern. Die Bezeichnungen für dieses Wesen variieren bei den Nama und Damara. Manchmal werden verschiedene Namen in ein und derselben Geschichte genannt. Verwandt sein könnte das Wort „haib“, das Baum bedeutet.[1]
Geschichten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mot. steht für das Motiv nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk-Literature (6 Bände, Kopenhagen 1955–1958).
Heiseb und der Zauberer Duwuwuseb, der die Menschen in der Erde verschwinden ließ
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heiseb, das größte und älteste Wesen der Welt, das so etwas wie Gott ist, spielt den Menschen oft Streiche, hilft ihnen aber auch. Er hört einmal von dem mächtigen Zauberer Duwuwuseb, der eine tiefe Grube graben lässt, wobei jedoch viele Menschen sterben. Also begibt er sich zu ihm und beginnt ebenfalls in der Grube zu graben, doch was der Zauberer auch versucht, Heiseb blickt dabei nie zu ihm nach oben, da er Gedanken lesen kann und weiß, dass wenn er dies täte, er ebenfalls sterben würde. Am Rand der Grube sitzt eine Hasenfrau, die die Zaubermittel des Zauberers bewacht. Sie bekommt nach einiger Zeit Mitleid mit den getöteten Menschen und verrät Heiseb, dass der Zauberer die Menschen mit dem dritten Zaubermittel tötet. Heiseb gräbt daraufhin weiter und blickt weiterhin nicht nach oben, sodass der Zauberer zornig wird und selbst in die Grube steigt, um zu zeigen, wie man es richtig macht. Da springt Heiseb aus der Grube heraus, um dem Häschen das dritte Zaubermittel zu entreißen und es auf den nach oben blickenden Zauberer zu werfen. Duwuwuseb stirbt daraufhin und verschwindet in einer Wasserader in der Erde, die ihn fortspült. Das am Tod der vielen Menschen beteiligte Häschen aber, wird von Heiseb erschlagen (Mot. G 526: Held überlistet Unhold, indem er sich dumm stellt).[2]
Heiseb und der Geizige
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der geizige !Abmadawiseb schlachtet niemals eins seiner Tiere, auch nicht wenn er Besuch von einer Frau erhält. Kocht die Frau ihm jedoch etwas zu Essen, so muss sie sehr vorsichtig sein, denn beim kleinsten Staubkorn in der Tasse, bringt er sie um, wodurch schon viele Frauen gestorben sind. Heisegeib hört davon und meint zu den Leuten, dass der Geizhals für ihn bestimmt schlachten werde. Also verwandelt er sich in ein sehr hübsches Mädchen und bindet er sich eine eingewickelte, mit Wasser gefüllte Kalebasse auf den Rücken, die wie ein Kind aussieht und bei !Abmadawiseb angekommen, ist dieser bereit eins seiner Tiere zu schlachten. Nach dem Essen legen sie sich in das einzige vorhandene Bett, wobei die Kalebasse zwischen ihnen liegt und Heisegeib, jedes Mal, wenn !Abmadawiseb versucht näher zu rücken, Wasser aus der Kalebasse lässt, sodass es wirkt, als ob das Kind pisse. !Abmadawiseb gibt seine Annäherungsversuche daraufhin auf und am nächsten Morgen verschwindet Heisegeib mit all dem Fleisch. Der Geizige verfolgt ihn zwar, findet aber nur einen alten Mann. Als er weiter geht, verwandelt sich Heisegeib wieder in einen jungen Mann, nimmt das Fleisch und geht zu den Leuten, die erstaunt sind, dass der Geizhals für ihn geschlachtet hatte (Mot. D 671: Flucht durch Verwandlung).[3]
Heiseb und der Mann, der sich selbst kochte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heiseb macht sich über Xowawaseb lustig, da dieser so mager ist und fragt ihn zum Spott, wer ihn denn essen solle, wenn er einmal gestorben sei, woraufhin Xowawaseb ihm entgegnet, dass er dies tun werde. Einige Zeit später findet Heiseb dann ein verlassenes Feuer vor, auf dem ein Topf steht, in dem Fleisch kocht. Er ruft lange umher, wem das Fleisch denn gehöre und da niemand kommt, isst er davon. Da beginnt der Wind zu säuseln, dass er Xowawaseb sei und er ihn gerade esse und auf einmal steht Xowawaseb vor Heiseb, der tüchtig hereingelegt wurde.[4]
Heisebs Kampf mit der Frau, die ihr Haus zu Stein werden läßt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine wunderschöne Frau namens Si!as hat die Fähigkeit so pupen zu können, sodass sie damit ihr gesamtes Haus, samt Fenster und Türen, zu Stein lassen werden kann. Mit ihrer Schönheit lockt sie Reisende in ihr Haus, verlässt dieses dann und pupt, sodass die Menschen eingeschlossen sind und verhungern oder verdursten, wodurch sie an ihre Habe kommt. Heiseb hört von der Begebenheit und beschließt sich die Sache anzusehen. Unterwegs versucht er mehrmals die Rinder der Frau Hase zu entwenden, die jedoch fliegen kann und die Tiere immer wieder einholt und zurückpfeift. Also bittet er sie um einen mageren Ochsen, den er schließlich auch erhält. Er schlachtet ihn und da erscheint Si!as, zu deren Haus sie das Ochsenfleisch bringen. Als Si!as drinnen ist und Heiseb draußen, pupt sie jedoch, sodass er nicht zu ihr hinein kommt und sie sich gemütlich das Fleisch zubereiten kann. Heiseb tut daraufhin so, als würde er weggehen und wartet bis Si!as das Haus verlässt, um sich davor schlafen zu legen. Er schleicht sich dann mit dem Wind an und steckt um ihren Hals die Astgabel eines langen Stockes, womit er sie festhält und zu Boden drückt. Sie pupt daraufhin, doch da Heiseb über dem Wind ist, wird er davon nicht betroffen, stattdessen aber pupt er zurück. Als Si!as dann tot ist, betritt Heiseb ihr Haus, in dem er sein Fleisch findet sowie die Sachen von abertausenden Menschen, die er ebenfalls mit heim nimmt.[5]
Heiseb wird zu einem toten Kudu und läßt sich schlachten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein schönes Mädchen will nicht heiraten und weist alle Männer ab, also beschließt Heiseb sich der Sache anzunehmen. Sie lehnt auch ihn ab, woraufhin er sich, kurz bevor die Frauen zum Feldkostsammeln aufbrechen, zum Feld begibt, um sich dort als ein toter Kudu hinzulegen. Die Frauen freuen sich und schlachten das Tier. Das schöne Mädchen aber beansprucht nur die Geschlechtsteile für sich. Am Feuer gart sie diese dann, um sie anschließend mit einem Stein weichzuklopfen. Als sie aber drauf schlägt, springen sie in die Luft und anschließend in das Mädchen hinein, wodurch Heiseb es kostet.[6]
Heiseb und die Bienen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heiseb, der Herr über Menschen und Tiere, kommt oft zu den Bienen, um sich Honig geben zu lassen. Er tut dies jedoch zu oft, sodass die Bienen böse werden und ihm die Kopfhaut und die Schädeldecke abreißen. Beschämt schleicht er sich davon, woraufhin er die Klippdächsin trifft. Diese erschrickt beim Anblick Heisebs und meint, dass schlechte Zeiten aufziehen, also schlägt Heiseb sie tot und macht sich aus ihrem Fell eine Mütze. Zu Hause bei Frau und Kind versteckt er mit dieser seine Wunde. Seine Frau wundert sich jedoch darüber, also sorgt sie dafür, dass sie weiterziehen und an ihrem nächsten Wohnort ihr Kind die Mütze herunterzieht. Heiseb reißt daraufhin sein Gehirn heraus, teilt es und wirft die beiden Stücke an zwei verschiedene Stellen, wobei er meint, dass die eine gut und die andere schlecht sei. Die Hirnteile verwandeln sich daraufhin in die Feldkost !han, von der es eine süße und eine bittere Sorte gibt. Das Märchen stammt aus Viktor Lebzelters Eingeborenenkulturen in Südwest- und Südafrika (Leipzig 1934, S. 173)(Mot. A 1420: Erlangung der Nahrungsmittel für die Menschen).[7]
Heiseb macht aus seinem Gehirn Veldkost
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Während einer großen Dürre, führt Heisegeib die Menschen an, die auf der Suche nach Nahrung umherwandern. All das Gute für sie hat er in seinem Kopf und in seinem Hut, doch er lässt es nicht heraus, da er neidisch auf die Menschen ist und sie auch strafen will, sodass sie ein bisschen hungern, weswegen er auch die Dürre gemacht hatte. Er hat zwei Frauen, von denen die erste dumm ist, die zweite aber klug und diese ahnt, dass der Hut ein Geheimnis birgt. Also weist sie ihren Sohn an, den Vater während der Wanderung darum zu bitten, auf dessen Rücken getragen zu werden. Heisegeib kommt dem nach, doch als er das Kind später wieder heruntersteigen lässt, reißt es seinem Vater den Hut vom Kopf. Heisegeib ist daraufhin verblüfft und steht einfach nur da. Dann greift er sich in seinen Kopf und holt nach und nach die Feldzwiebeln, die Ganana-Knollen, die Feldkartoffeln, die Honigbienen und die wilden Karotten heraus, um sie durch die Gegend zu werfen, sodass er den Menschen das gesamte Wohlergehen gibt. Er denkt sich daraufhin, dass die Menschen ziemlich schlau geworden sind und ihn überlistet haben, also stirbt er, bevor die Menschen beschließen ihn zu töten. Er wird von den Menschen begraben, doch da er nicht wirklich tot ist, erwidert er später das Spiel seines Jungen auf dem Bogen, das seine Frauen erkennen. Später kommen die Menschen zu Heisegeibs Grab zurück und sehen den Alten dort tanzen. Als er sie bemerkt, verschwindet er im Gebüsch und ein Waran macht sich daran sie davonzujagen, woraufhin die Menschen zu sich meinen, dass Heisegeib ihnen noch viel Ärger bereiten werde und in ein anderes Land ziehen (Mot. A 560 Kulturheros geht fort).[8]
Wie die Menschen der Urzeit zu Tieren wurden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alle Menschen der Welt sind sich einig, dass Heiseb nichts als Ärger verursacht, also beschließen sie ihn zu töten. Sie überlegen was zu tun sei, als ein Mann daherkommt und ihnen mitteilt, dass Heiseb tot ist. Daraufhin bricht Jubel aus und es wird mit Flöten Musik gemacht sowie getanzt. Der noch lebende Heiseb aber, schleicht sich zum Tanzplatz und springt dort zwischen die Feiernden, um die Menschen zu bestrafen. Er verwandelt den einen in einen Löwen, den anderen in einen Springbock und wieder einen anderen in einen Hasen, solange, bis alle Anwesenden Tiere geworden sind, die es vorher nicht gab. Dann geht er fort zum Flussbett und belauscht die Klippdächsin dabei, wie sie sich über seinen Tod freut und verdammt sie dazu als Tier zwischen den Steinen zu leben und so waren alle Wesen der Urzeit zu Tieren geworden. In einer Variante des Märchens aus Francis Galtons Narratives of an Explorer in Tropical South Africa (London 1853) behandelt Heitsi Eibeb die Kinder seiner Dama-Frau schlecht, die nach seinem vermeintlichen Tod feiern und bei seinem Wiederauftauchen in die Berge flüchten, wodurch die Bergdama entstanden sein sollen.[9]
Heiseb raubt das Feuer vom Vogel Strauß
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Heiseb noch kein Feuer hat, sieht er dieses bei der Straußenfrau und will es haben. Sie sieht ihn jedoch zu ihr kommen, löscht es und gibt vor, keines zu besitzen. Beim Weggehen bemerkt Heiseb aber etwas Helles unter ihrem Flügel blitzen, also ersinnt er eine List, um an das Feuer zu gelangen. Er lädt dafür alle Leute zu einem Fest ein, bei dem sie um eine Grube tanzen. Der Straußenfrau gibt er dann einen kräftigen Stoß, sodass sie in die Grube fällt und dabei ihre Flügel öffnet, um sich abzufangen. In diesem Moment ergreift Heiseb das Feuer und rennt damit davon, verfolgt von der Straußenfrau, die ihn erwischt und totschlägt, wobei er nur so tut, als ob er tot sei (Mot. A 1415: Feuerraub).[10]
Heiseb und die Frau !As, die seine Därme herauszog
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Frau !As melkt jeden Morgen ihre Tiere und stellt die mit Milch gefüllte Kalebasse in ihr Haus, bevor sie ihre Tiere auf die Weide treibt. Da kommt Heiseb zu ihrem Haus, sieht, dass niemand da ist und trinkt die Milch. So tut er es jeden Tag, bis die Frau !As ihm mit einer Schnur eine Falle stellt, wodurch er gefangen ist. Als sie zurückkommt, kämpft sie mit ihm, infolgedessen ihm die Därme herausgezogen werden und Heiseb schnappt sich diese, um sie sich, nach Hause geeilt, von seinen Frauen kochen zu lassen. Seine dumme Frau kommt seiner Anweisung nach und kocht sie in einem Topf. Seine schlaue Frau aber merkt, dass es Heisebs Därme sind, nimmt sie aus dem Topf und trägt sie ins Feld, wo sie sie ablegt und Heiseb sie sich später wieder einverleibt.[11]
Heiseb wird von der Frau Dunkelheit eingesperrt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heiseb besucht Frau Dunkelheit, bei der im Haus er wieder einmal herumgeistert. Dieses Mal aber lauert sie ihm auf und schlägt die Tür von innen zu. Sie kämpfen daraufhin, bis der alte Heiseb sich tot stellt, sie dadurch von ihm ablässt, ihn aber in ihrem Haus einsperrt. Heisebs Frauen warten derweil auf ihren Mann und während die Dumme weint, begibt sich die Schlaue zum Haus der Dunkelheit. Sie rät Heiseb dort nicht mehr auf Frau Dunkelheits Frage, ob er noch da sei, zu antworten, damit sie die Tür aufmache und er so hinausspringen könne, wodurch Heiseb, dies anwendend, später entkommen kann.[12]
Heitsi Eibeb überlistet den Löwen, seine Tochter zu töten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heitsi Eibeb und der Löwe gehen jagen, doch nur der Löwe fängt etwas. Also legt sich Heitsi Eibeb auf dem Heimweg des Löwen, hinter einem Busch, auf die Lauer und erschrickt diesen, sodass er seine Beute fallen lässt und heim eilt, wodurch Heitsi Eibeb das Fleisch bekommt. Er wiederholt dieses Spiel mit dem Löwen, doch als sich Heitsi Eibebs Tochter und die Tochter des Löwen an der Wasserstelle treffen, erzählt die erstere der anderen von Heitsi Eibebs Treiben, sodass der Löwe sich nicht mehr betrügen lässt. Nach ein paar Tagen meint Heitsi Eibeb dann zum Löwen, dass sie ihre Töchter töten sollten, da sie ihre Freundschaft gefährden, was der Löwe tut, Heitsi Eibeb aber nicht. Danach beschließen sie in verschiedene Richtungen davonzuziehen, allerdings vernimmt der Löwe aus Heitsi Eibebs Richtung Stimmen. Er schleicht ihm nach und merkt, dass seine Tochter noch am Leben ist, woraufhin er die beiden zornig verfolgt. Heitsi Eibeb und seine Tochter verschwinden daraufhin in der Erde und da fängt der Löwe an zu bitten, ihm seine Tochter wieder gesund zu machen, was Heitsi Eibeb auch tut. Das Märchen stammt aus Carl Meinhofs Lehrbuch der Nama-Sprache (Lehrbücher des Seminars für Orientalische Sprachen, Band 23, Berlin 1909, S. 172, Nr. 22)(Mot. K 944: Trickster verleitet Dummerjan, seine Kinder zu töten).[13]
Heiseb läßt sich begraben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heiseb, seine Frauen und seine Kinder entdecken während der Wanderung Beeren, woraufhin Heiseb meint, dass er heute sterben werde und sie ihn an diesem Ort begraben sollen. Sie tun dies und gehen nach Hause. Heiseb aber entsteigt dem Grab, um die Beeren, die er für sich allein haben will, zu essen. Während die dumme Frau zu Hause weint, meint die schlaue, dass sie den Mann doch machen lassen solle und eines Tages entdecken sie frische Männerspuren am Grab. Die beiden Frauen erwischen Heiseb dort, wie er sich genüsslich an den Beeren labt, woraufhin er wieder sterben will und sich tot stellt. Die Frauen aber packen ihn und ziehen ihn zornig Heim, obwohl er immer wieder behauptet, dass er tot sei (Mot. K 1867: Trickster stellt sich tot, um Essen zu bekommen).[14]
Heiseb und das Gemsbockkälbchen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heiseb geht, wie stets, auf die Jagd und schießt Gemsböcke, um seine Familie zu ernähren. Dieses Mal findet er aber ein junges Gemsbockkälbchen, für das er einen Kraal baut und das er ernährt. Er nimmt dafür stets zu Essen von zu Hause mit, sodass sich seine beiden Frauen darüber wundern und den Sohn beauftragen mit dem Vater zu gehen, um dessen Geheimnis auf die Schliche zu kommen. Der Sohn schleicht Heiseb hinterher und findet das Gemsbockkälbchen, was er seinen Müttern erzählt. Diese lassen sich daraufhin zum Kraal führen, töten und schlachten das Gemsbockkälbchen und bereiten es zu Hause zu. Als Heiseb jedoch erfährt, wo sie das Fleisch herhaben, hat er keinen Hunger mehr. Eine Variante der Hai-//om aus E. W. Thomas’ Bushman Stories (Cape Town / London / New York 1950, S. 17, Nr. 10) erzählt, wie Heiseb seiner Gemsbockgeliebten immer alles Essen bringt, woraufhin die eifersüchtigen Frauen diese töten und ab da an waren die Bereiche der Menschen und Tiere getrennt. In Dorothea Bleeks The Mantis and his Friends: Bushman Folklore (London / Capetown 1923, S. 1) wird von den Südbuschleuten erzählt, dass der Trickster das Eland erschuf, indem er ein Stück Leder in Wasser legte. Dieses erste Elandkälbchen wird dann vom Schwiegersohn getötet.[15]
Heiseb und die Sonnenkinder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Sonne lebt mit ihren Kindern, den Zikaden, auf der Erde und diese zirpen Musik, wodurch die Leute angelockt werden. Kommen sie aber zu nahe, dann brennt die Sonne ihnen die Augen aus. Die Leute suchen daraufhin Heiseb auf und klagen ihr Leid, sodass dieser sich zur Sonne begibt, so tut, als würde auch er angelockt werden, sie aber packt und in den Himmel wirft. Seitdem ist sie dort oben, ihre Kinder aber auf Erden und sie heißen noch heute Sonnenkinder. Nach den Südbuschleuten in Wilhelm Heinrich Immanuel Bleeks und Lucy C. Lloyds Specimens of Bushman Folklore (London 1911, S. 44) wurde der Sonnenmann von Kindern an den Himmel geworfen. Das Märchen stammt aus Viktor Lebzelters Eingeborenenkulturen in Südwest- und Südafrika (Leipzig 1934, S. 170)(Mot. A 714: Sonne aus an den Himmel geworfenem Gegenstand).[16]
Heiseb und die bösen Tiere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Menschen werden von bösen Tieren getötet, die lange Hälse haben, also klagen sie Heiseb ihr Leid, der verspricht zu helfen. Er lädt dafüf die Menschen und diese Tiere zu einem großen Tanzfest ein und gibt, als bester Tänzer im Land, die Tanzschritte vor, wobei er die Tanzenden ihre Hälse nach vorn und nach hinten strecken lässt. Er meint dann, dass sie zum Himmel schauen sollen und als die bösen Tiere dies tun, schneidet er ihnen mit einem scharfen Schulterblatt die Hälse durch. Das Märchen stammt aus Viktor Lebzelters Eingeborenenkulturen in Südwest- und Südafrika (Leipzig 1934, S. 172)(Mot. A 1416: Land von Unholden befreit).[17]
Wie Heitsi Eibeb geboren wurde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein junges Mädchen geht ins Feld und kaut einen saftigen und süßen Grashalm, durch dessen Saft sie schwanger wird. Sie nennt das Kind Heitsi Eibeb und alle anderen jungen Frauen helfen ihr dabei, es zu säugen, sodass es bald ein erwachsener Mann wird. Das Märchen stammt aus Theophilus Hahns Tsuni-//Goam, the Supreme Being of the Khoi-Khoi (London 1881, S. 69)(Mot. T 520: Magische Empfängnis).[18]
Heitsi Eibeb und seine Mutter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Heitsi Eibebs Mutter mit ihren Freundinnen im Feld unterwegs ist, trägt sie ihr Baby auf dem Rücken und dieses ist sehr ungezogen. Es quengelt andauernd, sodass sie häufig stehenbleiben muss, um nach ihm zu sehen und beschmutzt sich zudem, sodass die Mutter es säubern muss und dadurch den Anschluss verliert. Da wird aus dem Baby ein erwachsener Mann, der sich an seiner Mutter vergeht. Anschließend wird er wieder ein Baby. Wieder zu Hause legt die Mutter das Baby auf die Erde und überlässt es sich selbst und als gefragt wird, warum sie sich denn nicht mehr um ihr Kind kümmere, erwidert sie, dass sich erwachsene Männer selbst helfen können. Das Märchen stammt aus Theophilus Hahns Tsuni-//Goam, the Supreme Being of the Khoi-Khoi (London 1881, S. 69).[19]
Heitsi Eibeb wird zum Topf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Menschen schlachten eine Kuh, woraufhin Heitsi Eibeb zu einem Topf wird. Fleisch und Fett werden in den Topf gegeben und es wird ein Feuer gemacht. Der Topf aber schluckt alles Fett, sodass die Menschen nur das Fleisch behalten. Das Märchen stammt aus Theophilus Hahns Tsuni-//Goam, the Supreme Being of the Khoi-Khoi (London 1881, S. 68)(Mot. D 250: Verwandlung: Mensch zu Gegenstand).[20]
Heiseb und der Schakal in der Kalebasse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Schakal ersinnt eine List, begibt sich dafür in eine große Kalebasse und rollt damit zu den Menschen, die erschrecken und davonlaufen, sodass er sich von ihnen nehmen kann, was er will. Er wiederholt sein Spiel mit anderen Menschen, rollt eines Tages aber zu dem Ort, wo Heiseb lebt und dieser nimmt seinen Kirri und zerschlägt die Kalebasse, woraufhin es der Schakal ist, der davonläuft.[21]
Heitsi Eibebs Kämpfe mit =Gama-=gorib, !Hau-!gai-!gaib, =Amab und dem Löwen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen Heitsi Eibeb und seinen Leuten leben an verschiedenen Plätzen =Gama-=gorib, !Hau-!gai-!gaib und der Löwe. Als Heitsi Eibeb nichts mehr von seinen Leuten vernimmt, beschließt er sie zu suchen und gelangt an das Heim des =Gama-=gorib, des Ins-Loch-Stoßers. Er geht daran vorbei, sodass dieser seinen Boten, den Hasen, zu ihm sendet, um Heitsi Eibeb eine Einladung zu überbringen und dieser nimmt diese an. Der Ins-Loch-Stoßer hat bei sich ein großes Erdloch, in das er alle vorbeigehenden Leute hineinwirft, wodurch sie sterben und er fordert nun auch Heitsi Eibeb zum Ringen auf. Heitsi Eibeb verliert das Ringen und wird in das Loch gestoßen, doch er fordert das Loch auf seinen Boden zu heben, sodass er entkommen kann. Abermals wird er im Ringen besiegt und in das Loch geworfen. Beim dritten Mal aber ist der Ins-Loch-Stoßer müde und fällt, durch einen Schlag hinter das Ohr getroffen, in das Erdloch, woraufhin er stirbt. Heitsi Eibeb fordert das Erdloch daraufhin erneut auf sich zu heben, wodurch alle seine Kinder wieder hervorkommen. Den Hasen aber veflucht er dazu nie mehr Botengänge zu machen und nur noch bei Nacht essen zu dürfen.
Heitsi Eibeb geht daraufhin zum Heim des !Hau-!gai-!gaib und daran vorbei, sodass dieser seinen Boten =Amab schickt, um ihn einzuladen. Auch dieser Mann hat ein Erdloch und einen Stein an der Stirn, den er Vorbeiziehenden reicht, um ihn an seine Stirn werfen zu lassen. Tun sie es, prallt der Stein aber zurück und trifft die Werfenden, die daraufhin in das Erdloch fallen und sterben. Als großer Zauberer weiß Heitsi Eibeb jedoch all dies und als der Mann ihn auffordert den Stein nach ihm zu werfen, verlangt er, dass dieser zuvor seine Augen schließe, wodurch er ihm einen Schlag hinter das Ohr geben kann. Der Mann stirbt sofort und fällt in das Erdloch und auch der =Amab wird in der Folge verflucht.
Danach geht Heitsi Eibeb zum Löwen, der auf einem Baum wohnt, jedoch gerade jagen ist und trifft dort nur den Weißen Geier an, der die Wirtschaft des Löwen führt. Er zündet das Nest des Löwen an und verkündet, dass dieser von nun an nur noch auf der Erde gehen und die Stimme des Weißen Geiers nicht mehr zu hören sein solle. Das Märchen stammt aus Theophilus Hahns Tsuni-//Goam, the Supreme Being of the Khoi-Khoi (London 1881, S. 64).[22]
Heitsi Eibeb und der Fliegende Löwe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Sohn des Löwen beleidigt die Tochter des Heitsi Eibeb, woraufhin dieser es dem Löwen heimzahlen will. Der Löwe fliegt derweil in der Luft umher, um Wild oder Menschen zu erpähen und zu erbeuten. Als er dann eine ganze Rinderherde tötet und sich an dieser satt frisst, ist er so faul und schwer, dass er nicht mehr fliegen kann, also muss er heim laufen. Dafür muss er eine Bergschlucht passieren, in der Heitsi Eibeb ihm auflauert, der den Löwen überfällt und ihm die Flügel abschneidet. Seitdem kann der Löwe nicht mehr fliegen und sind seine Nachkommen mit denen Heitsi Eibebs verfeindet. Das Märchen stammt aus Theophilus Hahns Tsuni-//Goam, the Supreme Being of the Khoi-Khoi (London 1881, S. 67).[23]
Heiseb und der Fliegende Löwe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Adler und der Löwe sind verheiratet und sie fliegen beide von Baum zu Baum und hoch in der Luft, sodass niemand vor ihnen sicher ist. Die Knochen von den Tieren aber, die sie erlegen, dürfen, nach Anweisung des Löwen, nicht zerschlagen werden. Heiseb weiß, was es damit auf sich hat, also geht er zum Haus des Löwen und wirft die Knochen dort allesamt entzwei, sodass die Kraft des Löwen schwindet und er vom Himmel fällt. Heiseb möchte daraufhin bei den Löwen übernachten, tauscht mit dessen Frau die Jacke und sie legen sich schlafen, wodurch der heimkommende, zornige Löwe in seiner Frau einen Mann erkennt und sie übel verprügelt. Heiseb flieht, will später aber seine Jacke wiederhaben, also verwandelt er sich in einen Schwarm Bienen und fliegt dem Löwen, der seine Jacke überhängen hat, solange ins Gesicht, bis dieser aufspringt und sie verliert. Da verwandelt sich Heiseb wieder in einen Menschen, schnappt sich seine Jacke und läuft, während er den Löwen verhöhnt, davon. In anderen Varianten zerstören der Schakal, der Ochsenfrosch oder der Strauß die Knochen (Mot. K 1611: Kleidung und Schlafplatz tauschen, sodass Oger eigene Kinder tötet).[24]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 243–244.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 9–11, 256.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 11–14, 256.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 14–15, 256.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 16–19, 256–257.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 19–20, 257.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 22–23, 257.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 23–25, 257.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 25–27, 257.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 27–28, 258.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 29–31, 258.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 31–32, 258.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 32–34, 258–259.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 35–36, 259.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 36–38, 259.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 38, 259.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 39, 259.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 39, 259.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 40, 259–260.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 40, 260.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 41–42, 260.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 48–50, 261.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 51, 261.
- ↑ Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 52–54, 261.