Hans Berman
Hans Berman (* um 1510/20; † nach 1570) war ein deutscher Hafner, der seine Matrizen für Ofenkacheln auf ausgedehnten Verkaufsreisen veräußerte. Seine Produkte signierte er teilweise mit vollem Namen oder mit den Initialen H B M oder HB. Sie befanden sich an zahlreichen im 16. Jahrhundert gesetzten Kachelöfen. Die Annahme, dass er um 1562 im Kanton Uri weite und bis 1611 aktiv war,[1] stützt sich weitgehend auf das Vorhandensein eines Reliefkachelofens mit biblischen Darstellungen aus Schattdorf, der mit seinem Namen und der Jahreszahl 1562 versehen ist. Hans Vollmer hat die Angabe aus Carl Bruns Schweizerischem Künstler-Lexikon übernommen,[2] der sich wiederum auf eine wage Angabe des Anzeigers für schweizerische Altertumskunde 1886 stützt, in der von einem grün glasierten Kachelofen in Attinghausen die Rede ist, der ebenso signiert ist.[3]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1527 wird sein Name in einer Urkunde genannt, als er für den Schultheiß von Gudensberg siegelte (Staatsarchiv Marburg, Urk. 87, Nr. 1857). Da er teilweise mit Philipp Soldan zusammenarbeitete, könnte sein Wohnort in oder bei Fritzlar gelegen haben. Er unternahm vermutlich Verkaufsreisen, die ihn über Sachsen, Böhmen, Brandenburg und Pommern an die Ostsee bis nach Lübeck führten und bot Töpfereien oder einteilige Modelle (Matrizen) an, die seine „Marke“ beinhalteten und von denen die Töpfer ihrerseits die Kacheln herstellten.
Berman, mit dem sich die Forschung etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigt, wurde anfänglich als wandernder Töpfergeselle und später teilweise auch als reisender Formenschneider angesehen, da sich Kacheln von ihm in weit verbreiteten Gebieten nachweisen ließen. Von der Schweiz bis nach Skandinavien und vom Rhein bis ins Baltikum. Zur Wirksamkeit Bermans an den einzelnen Standorten fehlen weitgehend Belege, sein Name taucht nicht in Urkunden auf. Andererseits ein erscheint es unwahrscheinlich, dass ein kompletter Kachelofen unbeschadet über weite Entfernungen an den jeweiligen Bestimmungsort gelangt sein könnte. Die Annahme, dass die Signatur tatsächlich den Hersteller der jeweiligen Kacheln oder des Ofens kennzeichnet, wurde verworfen. Vielmehr wurden vermutet, dass identische Formen oder metallische Stempel von unterschiedlichen Töpfern für die Rahmen der Bildkacheln verwendet wurden. Daher lag die Vermutung nahe, dass jener Hans Berman ein Stempelschneider war, der für die Töpfer die Ornamente zusammenstellte.[4]
Das Städtische Museum in Wismar besaß von ihm glasierte Kacheln mit der Abmessung 31 × 19 cm und einer signierten Rahmung mit der Inschrift Hans Berman 1562. Kacheln mit identischen Formaten und mit derselben Inschrift finden sich in mehreren Kunstgewerbemuseen in Deutschland und in der Schweiz.[5] Neben einzelnen Kacheln wurden in der Meselsgrube in Lübeck auch zahlreiche Formen zur Herstellung gefunden. Dabei ist auf vielen die Jahreszahl 1562 verzeichnet, was eher auf eine Reproduktion mit ähnlichen Matritzen, als auf eine Aktivität des Künstlers im selben Jahr an weit verstreuten Orten hinweist.[6] Bermans Kacheln finden sich überwiegend in Gebieten, die sich der Reformation angeschlossen hatten, und stützten sich möglicherweise auf Holzschnitte und Kupferstiche von Heinrich Aldegrever und Werke aus dem Umkreis von Hans Sebald Beham und Lucas Cranach als Vorlagen.[7]
Signatur und Motive
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Berman hat als Erster seinen vollen Namen (zusammen mit den Jahreszahlen 1554, 1562 und 1565) auf Ofenkacheln hinterlassen, von denen bislang um die 80 Exemplare mit alt- und neutestamentaren Szenen, profanen Motiven, Wappen und Darstellungen von Landesherren bekannt geworden sind. Einer seiner Kachelöfen aus dem Jahr 1565 kam in das Museum nach Wiesbaden. Dieser ist mit portalartigen Architekturen, Figuren und Brustbilder des Kaisers Sigismund sowie der Könige Philipp von Spanien und Heinrich von Frankreich geschmückt. Auf einem Pendant in Nassau mit identischen Motiven findet sich ebenfalls die Angabe Hans BERMAN 1565.
Einige Patrizen (Modelle) stammen nachweislich von dem Formenschneider Philipp Soldan aus Frankenberg oder aus dessen Umfeld.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Vollmer: Berman, Hans. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 3: Bassano–Bickham. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1909, S. 423 (Textarchiv – Internet Archive).
- Sune Ambrosiani: Kacheln mit dem Namen Hans Berman. In: Anzeiger für schweizerische Altertumskunde. Neue Folge, Band 11, Heft 1, Gebrüder Leemann & Co., Zürich 1910, S. 69–73 (e-periodica.ch).
- Heinz-Peter Mielke: Ein hessischer Hafner und sein Werk: Hans Berman. In: Kunst in Hessen und am Mittelrhein. Nr. 21, 1981, S. 23–52.
- Hans Berman. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 9, Saur, München u. a. 1994, ISBN 3-598-22749-3, S. 477.
- Heinz-Peter Mielke: Hans Berman. Das währende Rätsel. Langenweißbach 2025.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Berman, wer war das? museum-kirdorf.de
- Berman-Kacheln geschichtsvereinhoechst.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Hans Vollmer: Berman, Hans. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 3: Bassano–Bickham. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1909, S. 423 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Carl Brun: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Band 1: A–G. Huber, Frauenfeld 1905, S. 111 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Joahnn Rudolf Bahn (Hrsg.): Anzeiger für schweizerische Altertumskunde. 1868, S. 283, Uri (hathitrust.org).
- ↑ Friedrich Crull: Hans Berman 1562–1565. In: Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit: Organ des germanischen Museums. Neue Folge, 21. Jahrgang, Nr. 7. F. Fleischer, Juli 1874, Sp. 216 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Sune Ambrosiani: Zur Typologie der älteren Kacheln. Norstedt, Stockholm 1910, S. 88–89, 137 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Sune Ambrosiani: Kacheln mit dem Namen Hans Berman. In: Anzeiger für schweizerische Altertumskunde. Neue Folge, Band 11, Gebrüder Leemann & Co., Zürich 1910, S. 69–73 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Carola Jäggi, Jörn Staecker: Archäologie der Reformation: Studien zu den Auswirkungen des Konfessionswechsels auf die materielle Kultur. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-11-092044-4, S. 352 ( – Leseprobe).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Berman, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Ofenbauer, Keramiker und Formenschneider |
| GEBURTSDATUM | um 1510 oder um 1520 |
| STERBEDATUM | um 1570 |