1877 gründeten der Architekt Johann Deininger, der Bildhauer Heinrich Fuss und der Maler Anton Roux in der Volksschule Dreiheiligen eine Zeichen- und Modellierschule. In den Jahren 1881/82 wurde in der Anichstraße 26 ein neues Schulgebäude gebaut. Am 10. Mai 1881 wurde der Grundstein gelegt, fertiggestellt wurde sie im Sommer 1882.[3] Ab dem Schuljahr 1882/23 wurde eine Werksmeisterschule für Bau- und Kunstgewerbe (Fachschule für Holzindustrie, Fachschule für Maler), eine Gewerbliche Fortbildungsschule (Abendschule), Zeichenkurse für Frauen und ein offener Zeichensaal für Meister und Gesellen angeboten. Am 27. März 1882 wurde die Fachschule für Tischler in Hall der höheren Lehranstalt als Filialbetrieb angeschlossen.[4] Am 1. Jänner 1884 erfolgte die Erhebung zur k.u.k. Staatsgewerbeschule. Der Erweiterungsbau Anichstraße 28, mit Werkstättentrakt im Hof, wurde im Herbst 1910 fertiggestellt. Die Fachschule für mechanisch-technische Fächer wurde 1906 gegründet, sie bietet unter anderem Meisterkurse für Schlosser. Im Jahre 1924 wurden die ersten Meisterprüfungen in der Fachschule für Maschinenschlosser abgelegt und die erste Matura für Elektrotechnik abgenommen.
Im Dezember 1944 wurden Dach und Stiegenhaus durch zwei Luftangriffe zerstört. Im Schuljahr 1964/65 wurde eine Abendschule für Berufstätige eingerichtet. Die Schule wurde im Jahr 1973/74 geteilt. Es verblieben am Standort Anichstraße die Höhere Abteilung für Elektrotechnik, Nachrichtentechnik und Maschinenbau. Ab 1985/86 wurden die Altbauten erweitert bzw. renoviert. Neun Jahre später wurde die renovierte Schule offiziell eröffnet.
Das erste Gebäude (Anichstr. 26) wurde 1881 nach Plänen von Natale Tommasi durch die Firma Johann Huter & Söhne errichtet. Der ursprünglich dreigeschoßige gründerzeitliche Bau wurde später um ein Vollgeschoß erhöht. Die Fassade ist einem römischen Hochrenaissancepalast nachempfunden und weist einen Mittelrisalit, ionische Kolossalpilaster, einen Rustikasockel und stark plastische Fensterrahmungen auf. Unter dem vorkragenden Kranzgesims befindet sich ein Puttenfries mit Attributen aus Kunst und Technik (Zahnrad, Buch, Glasbläser, Hammer und Meißel, Zirkel und Farbpalette). Im Inneren finden sich eine Vorhalle mit Freitreppe mit Pilastern, Rundbogengliederung und Kassettendecke über reich verziertem Gebälk sowie ein herrschaftliches Foyer mit Kassettendecke.[5][6]
Der viergeschoßige Erweiterungsbau (Anichstr. 28) wurde 1909/1910 von Josef Retter nach Plänen von Eduard Klingler und Fritz Konzert errichtet. Die Fassade ist sachlich-nüchtern gestaltet, die Gliederung beschränkt sich auf durchlaufende Gesimse und Putzfelderdekor.[7] Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz.
Die Schule besteht heute aus 4 Gebäuden: Anichstraße, Hofüberbau, Innrain und Stöcklgebäude.
Am 1. Dezember wurde der neue Hofüberbau fertiggestellt und von Bildungsminister Martin Polaschek eingeweiht. In diesem Neubau werden fortan die 5. Klassen untergebracht.
An der HTL Anichstraße werden fünf Ausbildungsrichtungen angeboten, die als höhere Abteilung geführt werden und mit der Matura abschließen.[8] Teilweise gibt es auch die Möglichkeit im Rahmen einer Abendausbildung die Matura nachzuholen oder die Ausbildung mit Fachschulabschluss zu absolvieren. Im Falle des Abschlusses einer höheren Ausbildungsrichtung kann nach dreijähriger einschlägiger Berufspraxis um die Standesbezeichnung Ingenieur angesucht werden. Ein Fachschulabschluss kann nur in den Ausbildungsrichtungen Elektrotechnik und Elektronik erworben werden.
In der Abteilung Elektronik und Technische Informatik gibt es sowohl die Höhere Abteilung (fünfjährig – mit Reife- und Diplomprüfung), als auch die Fachschule (vierjährig – Ausbildungsschwerpunkt: Computer- und Informationstechnik). Weiters kann man die Reife- und Diplomprüfung auch an der Abendschule erlangen.
Die Abteilung ist spezialisiert auf folgende drei Punkte:
Im Fach HWE (Hardwareentwicklung) lernt man die Eigenschaften der Bauteile (Widerstand, Kondensator, Transistor …) im Detail kennen und deren Anwendung. Ein großer Schwerpunkt dieser Abteilung ist auch die Digitaltechnik. Gleichstrom, als auch Wechselstromtechnik werden gelehrt. Programmiersprachen wie Python und C werden einem im Fach FSST (Fachspezifische Softwaretechnik) näher gebracht. Die Werkstätte ist ein großer Teil der Ausbildung in der die Schüler das gelernte in der Praxis anwenden können. Die Praxis umfasst folgende Bereiche: Löten, THT (Through Hole Technology), SMT (Surface Mount Technology), Mikroprozessoren-Programmierung (Arduino, Esp32 …), Elektrotechnik (Installationstechnik) und eine Mechanische Grundausbildung (Schweißen, Drehen, Fräsen, Blechbearbeitung …).
Diese Abteilung ist auch die meist gefragte, mit meist über 80 Schülern pro Jahrgang.
Die Abteilung Elektrotechnik besteht seit dem Jahr 1910. Elektrotechnik - Prozessinformatik ist heute das Profil der Abteilung.
Die fünfjährige Höhere Abteilung schließt mit der Reife- und Diplomprüfung ab.
Die vierjährige Fachschule Elektrotechnik (Abschluss als Techniker) ist spezialisiert auf die Gebiete:
Die achtsemestrige HTL für Berufstätige (Abendschule) hat als Ausbildungsschwerpunkt Energietechnik und Informationstechnik.
Folgende Fachbereiche sind Inhalt aller Ausbildungsbereiche, jedoch unterschiedlich gewichtet:
Automatisierungstechnik, Mechatronik, Industrielle Elektronik, Mikroprozessortechnik, Netzwerktechnik, Angewandte Informatik, Antriebstechnik und Leistungselektronik sowie Gebäude-Leittechnik, Grundlagen des Maschinenbaus mit Pneumatik, Technische digitale Bildverarbeitung.
Die Ausbildungsrichtung für Maschinenbau wird sowohl als höhere Abteilung als auch als Abendschule geführt. Die Kenntnisse, die in den Gegenständen Mechanik, Maschinenelemente, Fertigungstechnik, Elektrotechnik und Elektronik erworben werden, bilden die Basis für weitere Spezialisierungen.
Seit 2003 gibt es die Möglichkeit, unter drei Spezialisierungen zu wählen:
Dabei besuchen die Schüler im vierten Jahr alle Gegenstände, um sich dann im letzten Jahr für einen Schwerpunkt zu entscheiden, der dann fächerübergreifend, beispielsweise bei den Konstruktionsübungen, fokussiert wird.
Knapp die Hälfte der Maschinenbauabsolventen steigen nach der Schule direkt in die Berufswelt ein, der Rest entscheidet sich für ein Studium.