Handgranate 43
| Handgranate 43 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | Handgranate 43, HG 43 |
| Typ: | Handgranate |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Eidg. Munitionsfabrik Altdorf |
| Indienststellung: | 1943 |
| Einsatzzeit: | 1943–1994 |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 550 g |
| Ladung: | 380 g |
| Länge: | 360 mm |
| Durchmesser: | 65 mm |
| Zünder: | Reibzünder |
| Listen zum Thema | |
Die Handgranate 43 (HG 43) war eine Standard-Handgranate der Schweizer Armee.
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Handgranate entstand anfangs der 1940er-Jahre Eidg. Munitionsfabrik Altdorf als eine verbesserte Ausführung der Stielhandgranate 19. Die ersten Handgranaten 43 wurden 1943 an die Truppe abgegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Handgranate mehrfach leicht angepasst. Sie wurde ab 1987 durch die Handgranate 85 ersetzt und verblieb noch bis etwa 1994 im Bestand der Schweizer Armee.
Technik und Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Handgranate 43 war eine offensive Handgranate. Sie bestand aus einem hohlen hölzernen Stiel, der ab 1969 durch eine solchen aus Kunststoff ersetzt wurde. Auf den Stiel aufgeschraubt war der Granatkörper aus einem Hohlzylinder aus Aluminium (Durchmesser 65 mm). Dieser war mit 380 g TNT (Trotyl) befüllt. Oben auf dem Granatkörper war ein Außengewinde angebracht. Der Stiel war unten mit einem aufgeschraubten Verschlussdeckel sowie einem Isolierband verschlossen. Im hohlen Stiel befand sich die Abreißschnur mit Zugknopf, die mit dem Anzündhütchen und der Verzögerungszeitzündschnur verbunden waren. Darüber verbaut war eine Sprengkapsel mit Tetryl die in den Granatkörper hineinragte. Die Handgranate wog 550 g und hatte eine Länge von 360 mm.[1]
Modifikationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für den defensiven Gebrauch wurde auf das Außengewinde der Handgranate 43 eine Splittermantel aus Gusseisen aufgeschraubt. Dessen Oberfläche war für die Fragmentierung durch Kerben in Segmente unterteilt. Mit aufgeschraubtem Splittermantel hatte die HG 43 einen Splitterwirkungskreis von rund 35 m. Mit dem Splittermantel wog die Handgranate 1150 g.[2]
Für Sprengungen an Gebäuden oder Panzerwagen konnte auf die Handgranate 43 eine Zusatzladung aufgeschraubt werden, womit eine „geballte Ladung“ entstand. Die Zusatzladung bestand aus einem blechernen Hohlzylinder mit einem Gewicht von 1750 g. Dieser war mit 1500 g TNT (Trotyl) befüllt. Mit der Zusatzladung wog die Handgranate 1880 g.[3]
Bei einer „konzentrierten Ladung“ wurden 7 Granatkörper um eine in der Mitte befindliche Handgranate 43 gebunden. Diese wurden in der Regel mit Isolierband an einer Dachlatte befestigt aus der Deckung heraus mit einer Verlängerungsschnur gezündet.[4]
Durch das Aufschrauben von einem oder mehreren Granatkörpern auf eine Handgranate 43 entstand eine „verstärkte Ladung“. Ladungen mit bis zu 3 Granatkörpern konnten geworfen werden. Verstärkte Ladungen mit maximal 15 Granatkörper wurden als „gestreckte Ladung“ aus der Deckung heraus mit einer Verlängerungsschnur gezündet.[1]
Weiter wurde die Handgranate 43 auch zum Zünden von Sprengrohren verwendet. Dabei wurde eine HG 43 in das Gewinde am Ende des Sprengrohres aufgeschraubt.[5]
Einsatz & Wirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als offensive Handgranate erfolgte der Wurf der HG 43 ungedeckt oder aus der Deckung heraus. Ein Soldat vermochte die HG 43 im Durchschnitt 30 m weit zu werfen. Die Handgranate konnte liegend, kniend oder stehend sowie mit der linken oder rechten Hand geworfen werden. Vor dem Wurf wurde der Stiel der Handgranate in die Wurfhand genommen. Mit der freien Hand wurde das Isolierband entfernt und der Verschlussdeckel abgeschraubt. Nachdem das Versiegelungsband abgerissen war, musste der Zugknopf herausgeschüttelt und ergriffen werden. Nach einem kräftigen Zug wurde durch den Reibzünder die Zeitzündschnur in Gang gesetzt und die Handgranate musste geworfen werden. Die Verzögerungszeitzündschnur brannte während 5,5 bis 6,5 Sekunden ab und aktivierte die Sprengkapsel, welche die Sprengstofffüllung im Granatkörper zünde. Ohne den zusätzlichen Splittermantel setzte die HG 43 wenige Splitter frei. Die Wirkung beruhte auf der Gasschlagwirkung der Sprengstofffüllung. Der Sicherheitsabstand zu einer explodierenden HG 43 betrug für ungeschützte Truppen 200 m und mit Splittermantel 400 m.[1][6]
Das „Tempieren“ genannte kurze Warten vor dem Werfen wurde weder trainiert noch sollte es angewendet werden, da die Risiken für den Werfer zu hoch waren.
Logistik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Schweizer Armee wurden die Handgranaten in Kartons mit 9 HG 43 sowie 6 Splittermänteln gelagert und an die Truppe ausgeliefert. Die Handgranate 43 hat die Armee-Lagernummer (ALN) 591-3436.
Varianten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Handgranate 1943 (HG 43): Handgranate wie oben beschrieben. Gewicht 550 g.
- Blinde Handgranate 1943 (Bl. HG 43): Wiederverwendbare Übungshandgranate ohne Sprengstoff. In der Granate wurde ein kleiner Knallkörper eingesetzt. Gewicht 800 g.
- Wurfkörper 43 (WurfK HG 43): Übungshandgranate ohne Sprengstoff, wurde zum Wurftraining verwendet. Gewicht 800 g.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Schweizerische Armee (Hrsg.): Reglement 53.105 d: Handgranaten und Sprengrohre. EDMZ, Bern 1956.
- Schweizerische Armee (Hrsg.): Reglement 53.105 d: Die Handgranate und das Sprengrohr. EDMZ, Bern 1969.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Handgranate 43 bei lexpev.nl (Archivlink – englisch)
- Grenade à manche H-G 43 modèle 1943 bei loutan.net (französisch)
- Swiss Hand Grenade 43 bei cartridgecollectors.org (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Schweizerische Armee: Reglement 53.105 d: Handgranaten und Sprengrohre. EMDZ, 1956, S. 53–79.
- ↑ Loutan.net: grenade à manche avec manchon brisant « Chocolat » H-G 43 modèle 1943 armée suisse
- ↑ Loutan.net: grenade à manche avec charge additionnelle H-G 43 modèle 1943 armée suisse
- ↑ Loutan.net: charge explosive concentrée pour grenade à manche H-G 43 « Grand’mère » armée suisse
- ↑ Loutan.net: tube d’explosif pour grenade à manche H-G 43 armée suisse
- ↑ E-periodica.ch: Vergleichstabelle HG 43 & HG 85 (PDF>)