Görgeyit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige Kristalle mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Görgeyit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine hellgelbe bis grünlichgelbe Farbe annehmen.
Mit einer Mohshärte von 3,5 bis 4 gehört Görgeyit zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Fluorit (Härte 4) leicht mit einem Taschenmesser ritzen lassen.
Erstmals entdeckt wurde Görgeyit im „Leopold Horizont“ des Bad Ischler Salzbergwerks in Oberösterreich und beschrieben 1953 durch Heimo Mayrhofer, der das Mineral nach dem österreichischen Mineralogen Rudolf von Görgey (Rudolf Görgey von Görgö und Toporcz, 1886–1915) benannte.[8]
Ein von Ewgeny Iwanowitsch Nefedow (1910–1976) 1954 beschriebenes und als Mikheevit bezeichnetes Mineral stellte sich trotz geringer Unterschiede in Zusammensetzung und Kristallsystem als identisch mit Görgeyit heraus.[9]
Da der Görgeyit bereits vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Görgeyit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von MineralName lautet „Gög“.[1]
Das Typmaterial des Minerals wird im Naturhistorischen Museum Wien (NHM oder auch NHMW) unter der Inventarnummer M474 in Österreich und im Mineralogischen Museum der Harvard University (HMM) unter der Inventarnummer 107559 in Cambridge, Massachusetts in den USA aufbewahrt.[10][11]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Görgeyit die System- und Mineralnummer 29.04.07.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Säuren und Sulfate“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 29.04.07.
In kochendem Wasser löst sich Görgeyit zwar nur schlecht, das heißt, er verliert nur wenig bis gar kein Gewicht, allerdings werden die Kristallflächen rau.[13]
Neben seiner Typlokalität Bad Ischler Salzberg, das auch der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist, konnte das Mineral bisher (Stand 2014) nur an fünf weiteren Fundorten entdeckt werden. Bekannt wurde dabei vor allem die Borlagerstätte „Inder B“ (auch Inder See bzw. Inder Salzdom) bei Atyrau in Kasachstan mit Kristallfunden von bis zu acht Zentimetern Länge.[14]
Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist die Grube Anna bei Alsdorf in Nordrhein-Westfalen.
Görgeyite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 1.November 2026(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.392 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Görgeyite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 54kB; abgerufen am 1.November 2026]).
12345Görgeyite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 1.November 2026(englisch).
↑Margret Hamilton, Franz Pertlik:Rudolf Görgey von Görgö und Toporcz (1886–1915). Ein Pionier in der Erforschung mitteleuropäischer Salzlagerstätten. In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt. 2013, ISSN1017-8880, S.101 (opac.geologie.ac.at (Memento vom 26. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 360kB; abgerufen am 1.November 2026]).
↑Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band40, Nr.5–6, 1955, S.551–554 (englisch, minsocam.org[PDF; 243kB; abgerufen am 1.November 2026]).