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Gun Howitzer Noricum

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Gun Howitzer Noricum


GHN-45

Allgemeine Angaben
Militärische Bezeichnung GHN-45
Herstellerbezeichnung Gun Howitzer Noricum-45
Entwickler/Hersteller Space Research Corporation,
Noricum,
T&T Technology Trading
Produktionszeit 1979 bis 2006
Stückzahl 500–669[1][2]
Waffenkategorie Feldhaubitze
Mannschaft 6
Technische Daten
Gesamtlänge 13,97 m
(feuerbereit)
Rohrlänge 7,04 m
(mit Verschluss)
Kaliber 155 mm
Kaliberlänge L/45
Anzahl Züge 48
Drall 20
Gewicht in
Feuerstellung
10.070 kg
Kadenz 2–7 Schuss/min
Höhenrichtbereich −5° bis +72 Winkelgrad
Seitenrichtbereich rechts 40°, links 30
Ausstattung
Verschlusstyp Schraubenverschluss
Ladeprinzip manuell
Munitionszufuhr manuell
Antrieb Benzin-Hilfsmotor mit 88 kW
Energieversorgung Benzin-Hilfsmotor

Die GHN-45 (Gun Howitzer Noricum) ist eine gezogene Kanonenhaubitze mit Kaliber 155 mm aus Österreich. Sie ist die Weiterentwicklung des kanadischen Prototyps GC-45 zu einem leistungsfähigen Seriengeschütz.

Im Jahr 1975 gründete der kanadische Ingenieur Gerald Bull in Québec die Space Research Corporation (SRC). Mit dieser Firma entwickelte er die Feldhaubitze GC-45. Mit diesem 155-mm-Geschütz wurden bis dahin unerreichte Schussdistanzen von annähernd 40 km erreicht.[3] Die dazugehörigen Extended-Range-Full-Bore-Geschosse (ERFB) wurden von der europäische Tochtergesellschaft von SRC, der Space Research Corporation International (SRCI) bei der Poudreries réunies de Belgique (PRB) in Belgien produziert. Die erfolgreiche Kombination aus 45-Kaliber-Kanonenhaubitze sowie reichweitegesteigerten ERFB-Geschossen sorgte international für großes Aufsehen und SRCI bekam von Thailand eine erste Bestellung für zwölf GC-45-Geschütze. Da weder SRC noch SRCI über eine Einrichtung für die Serienproduktion dieser Geschütze verfügte, wandte sich Gerald Bull an die VÖEST in Österreich. Dort bot er für die Serienproduktion der GC-45 ein Joint Venture mit seiner kanadischen SRC an. Da SRC dringend Kapital benötigte, verkaufte Gerald Bull für 4 Mio. US-Dollar die Produktionslizenz der GC-45 an VÖEST. Daraufhin wurden dort die zwölf GC-45 gefertigt und an Thailand geliefert.[4][5]

Für weitere angedachte Exporte erfuhr die GC-45 bei dem VÖEST-Tochterunternehmen Noricum in Liezen verschiedene Anpassungen. So wurde die Anzahl der Bauteile um rund 30 % reduziert sowie die Mobilität und Stabilität verbessert.[1] Ebenso wurde die Robustheit verbessert, indem Noricum die Holme und die Lafette verstärkte. Weiter wurde das Geschütz mit einem Hilfsmotor und einer wirkungsvolleren Mündungsbremse ausgerüstet. Zeitgleich wurde die Hirtenberger Patronenfabrik von VÖEST übernommen, und die Produktion der dazugehörigen Extended-Range-Full-Bore-Geschosse von PRB in Belgien nach Österreich verlegt.[4] Zum Einschießen wurden die Geschütze per Bahn auf einen Schießplatz auf den Erzberg transportiert.[6] Das abgeänderte GC-45-Geschütz wurde ab 1979 unter der neuen Bezeichnung GHN-45 für den Export produziert.[2][7]

Auch das österreichische Bundesheer übernahm fünf Geschütze und erprobte diese in der Artillerieschule Baden.[5] Eine geplante Ausstattung österreichischer Artilleriebataillone kam infolge des Staatsvertrages, der Artilleriewaffen mit einer Reichweite von über 30 km verbietet, nicht zustande.

In die Schlagzeilen gelangte das Geschütz, nachdem es während des Ersten Golfkriegs an die beiden Kriegsparteien Iran und Irak geliefert worden war.[8] Aufgrund des bestehenden Waffenembargos führte dies in Österreich Mitte der 1980er-Jahre zum Noricum-Skandal, der juristisch und parlamentarisch aufgearbeitet wurde.[9] Nach dem Noricum-Skandal erlosch 1989 die Produktion bei VÖEST.[4]

Die auf Vorrat produzierten GHN-45 sowie die Produktionslizenz wurde 1994 von T&T Technology Trading Ltd aus der Schweiz übernommen, deren Anteilseigner VÖEST war.[2] Danach wurde die GHN-45 bis 2006 weiter auf dem Exportmarkt angeboten.[10] Die Fertigung erfolgte bei verschiedenen europäischen Produzenten. Die dazugehörigen ERFB-Geschosse wurden von der Schweizer Firma RUAG bereitgestellt. 2006 lag der Preis für ein GC-45-Geschütz zwischen 512.000 und 566.200 US-Dollar.[2]

Im Jahr 2015 stellte das indische Bharat-Forge-Konsortium das Geschütz Bharat-52 vor, das von der GHN-45 abstammt. Bharat-52 verwendet ein Geschützrohr mit 52 Kaliberlängen (L/52) und entstand in Zusammenarbeit mit der Schweizer Firma RUAG.[11][12]

  • GC-45: Ursprungsentwurf von SRC aus Kanada.
  • GHN-45: 1. Serienversion von VÖEST. 12 Geschütze für Thailand produziert.
  • GHN-45A: 2. Serienversion mit verschiedenen Verbesserungen. Gewicht 10.070 kg.
  • GHN-45A1: 2. Serienversion mit Hilfsmotor. Gewicht 12.382 kg.
GHN-45 der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran

Die GHN-45 ist eine konventionelle Feldhaubitze mit Kraftzugsystem. Sie zeigt das übliche Muster einer vierrädrigen Spreizlafette mit einem Hilfsmotor zum kurzzeitigen Eigenantrieb. Die GHN-45 wiegt in der Ausführung mit Hilfsmotor 12.382 kg. Die Ausführung ohne Hilfsmotor wiegt 10.700 kg. Die Länge der GHN-45 variiert zwischen 9,73 m in gezogener und 13,97 m in feuerbereiter Stellung.[2] Das Geschütz ist sehr flach gebaut und die Höhe (durch das Geschützrohr bedingt) beträgt 2,05 m in der gezogenen Stellung. Die Breite auf der Fahrbahn beträgt 2,75 m. Die Bodenfreiheit beträgt 315 mm. Zum Straßentransport können leichte oder mittelschwere Lastkraftwagen mit der Radformel 6×6 verwendet werden. Die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit beträgt 90 km/h auf der Straße und 15 km/h im Gelände.[1] Vorne an der Lafette ist ein Benzin-Hilfsmotor von Porsche angebracht. Der luftgekühlte 4-Zylinder-Motor hat eine Leistung von 88 kW. Für den Motor ist ein Treibstofftank mit einem Fassungsvermögen von 30 Liter vorhanden. Neben dem Motor befindet sich ein Sitz mit Lenkrad und weiteren Bedienelementen. Der Hilfsmotor dient zum Heben der Haupträder nach dem Absenken der Schießplattform, zum Lenken der Stützräder und zu ihrem Heben beim Kraftzugbetrieb sowie zum Spreizen und Schließen der Holme. Auch kann das Geschütz mit dem Hilfsmotor, mit 13–15 km/h in die Feuerstellung gefahren werden. Ebenso kann der Hilfsmotor bei einem Stellungswechsel verwendet werden.[1] Der Fahrbereich mit dem Hilfsmotor beträgt 130 km.[13][14][15]

Das Geschützrohr besteht aus hochfestem Stahl und ist durchgehend autofrettiert. Die Rohrlebensdauer beträgt gemäß Hersteller rund 1500 Schuss. Während des Ersten Golfkriegs mussten die Irakischen Streitkräfte die Geschützrohre aber bereits nach 600–700 Schuss auswechseln.[16] Das Geschützrohr ist auf einer zweiachsigen Lafette mit zwei Spreizholmen untergebracht.[14] Die Lafette ist aus hochlegiertem Stahl hergestellt.[7] Beim Transport sind die Holme nach hinten geklappt und ruhen zum Transport auf zwei Hilfsrädern. In Fahrstellung ist das Geschützrohr um 180° über die Holme in Fahrtrichtung geschwenkt.[14] Bei der Rohrwiege sind am Geschützrohr zwei Rohrbremsen und Rohrvorholer montiert. Der Seitenrichtbereich beträgt rechts 40° und 30° links. Der Höhenrichtbereich liegt bei −5 bis +72°.[13] Neben der Rohrwiege sind die Visiereinrichtung sowie weitere Bedienelemente für den Kanonier montiert. Mit einem Zielfernrohr können Ziele auf eine Entfernung von 3 km im Direktschuss bekämpft werden.[13] Am Rohrende sind der halbautomatische Schraubenverschluss sowie die Ladungskammer angebracht. Diese hat ein Volumen von 23 Liter.[13] Hinter dem Verschlussblock ist eine halbautomatische Ladehilfe angebracht. Diese verwendet einen hydraulischen Ketten-Ladestock (Ketten-Stampfer bzw. Förderstempel). Die Ladehilfe führt das Geschoss aus einer Ladeschale zu und setzt sie im Rohr an. Danach werden die Treibladungsbeutel geladen und zugeführt. Die Ladehilfe wird durch den Hilfsmotor angetrieben und von einem Hydraulikspeicher, der beim Rohrrücklauf der Waffe aufgeladen wird unterstützt.[13]

Um das Geschütz feuer- oder fahrbereit zu machen, benötigt die sechsköpfige Bedienmannschaft ein bis zwei Minuten.[14] Beim Schießen sind die Haupträder angehoben und die GHN-45 stützt sich vorn auf eine von der Unterlafette abgesenkte Schießplattform.[7] Am Ende der Holme sind zwei selbsteingrabende Erdsporne angebracht, welche die Rückstoßkraft in das Erdreich ableiten. Zusätzlich wird der Rückstoß durch eine Mehrkammer-Mündungsbremse gemindert.[13]

Der Ladevorgang erfolgt manuell oder mit der Ladehilfe. Für eine Dauer von zwei Minuten ist eine Schussfolge von sieben Schuss pro Minute möglich. Danach muss die Schussfolge, infolge der thermischen Beanspruchung des Geschützrohres, auf zwei Schuss pro Minute reduziert werden. Mit der Ladehilfe ist ein Drei-Schuss-Feuerschlag innerhalb von 16 Sekunden möglich.[13]

GC-45 verwendet getrennt geladene Munition mit variablen Treibladungsbeuteln (Zonenladungen). Das heißt, das Geschoss und die Treibladung werden nacheinander geladen. Von der Hirtenberger Patronenfabrik werden die Zonenladungen vom Typ N10, N37 und N89 angeboten. Daneben können auch die NATO-Standard-Treibladungen verwendet werden. Zusammen mit der GHN-45 kommen die von Hirtenberger produzierten Extended-Range-Full-Bore-Geschosse (ERFB) zum Einsatz. Mit diesen Geschossen liegt die Streuung (unter optimalen Bedingungen) bei 0,35 % in der Schussdistanz sowie bei 0,7 Strich im Azimut. Daneben kann die GHN-45 nahezu die gesamte 155-mm-NATO-Munition verschießen. Folgende Schussdistanzen werden mit der Hirtenberger-Munition erreicht:[3][13]

Geschosstyp Geschosstyp Masse Füllung Schussdistanz
SN-107 (M107) Sprenggranate 43,1 kg 6,6 kg TNT 24,7 km
SEN Extended-Range-Full-Bore-Geschoss 45,4 kg 8,6 kg TNT 30,3 km
SEN-BB Extended-Range-Full-Bore-Geschoss mit Base Bleed 47,6 kg 8,6 kg TNT 39,6 km

Kriegseinsätze

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Das GHN-45-Geschütz kam im Ersten Golfkrieg und Zweiten Golfkrieg zum Einsatz. Daneben wurde das Geschütz vom Irak gegen die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) eingesetzt.[17][18]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 GC-45. In: military-today.com. Military Today, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. Juli 2018; abgerufen am 9. März 2017 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 GH N-45 155 mm Howitzer. In: forecastinternational.com. Forecast International Inc., abgerufen am 7. März 2017 (englisch).
  3. 1 2 Terry J. Gander & Ian Hogg: Jane’s Ammunition Handbook, 1994–1995. S. 251–260, 1994.
  4. 1 2 3 Uni-graz.at: Johannes Lutz: Waffenproduktion und Waffenexport: Rüstungsindustrie in Österreich (PDF)
  5. 1 2 Dietmar Mascher: Noricum: Waffenhandel unter der Tuchent. In: nachrichten.at. Nachrichten.at, 4. April 2015, abgerufen am 31. März 2017.
  6. Schienenverkehr aktuell 1/83, Seite 16. Mit Abbildung eines solchen Transportzuges.
  7. 1 2 3 T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. 1996, S. 10–11.
  8. Parlament.gv.at: Bericht des parlamentarischen NORICUM-Untersuchungsausschusses (PDF)
  9. Noricum-Skandal. In: dasrotewien.at – Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie. SPÖ Wien (Hrsg.)
  10. GH N-45. In: army-guide.com. Army-Guide, abgerufen am 7. Februar 2017 (englisch).
  11. Akshara Parakala: Defexpo 2018: Kalyani Group showcases Bharat 52 towed gun. In: janes.com. IHS Jane’s 360, 19. April 2018, abgerufen am 29. Januar 2019.
  12. Soikot Banerjee: What is the difference between DRDO ATAGS and the Bharat 52 of the Kalyani Group? In: quora.com. Quora, 25. Mai 2017, abgerufen am 29. Januar 2019.
  13. 1 2 3 4 5 6 7 8 Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 1994–1995. 1994, S. 582–583.
  14. 1 2 3 4 Christopher Chant: A Compendium of Armaments and Military Hardware. 2014, S. 82–83.
  15. 155-мм пушка-гаубица GHN-45. In: zonwar.ru. Большая военная энциклопедия, abgerufen am 7. März 2017 (russisch).
  16. Ali Altobchi, Tom Cooper & Adrien Fontanellaz: Al-Hussein – Iraqi Indigenous Conventional Arms Projects, 1980–2003 (Middle East@War Series). Helion and Company, Vereinigtes Königreich, 2022, ISBN 978-1-80451-282-1, S. 23–24.
  17. Austrian Howitzer Fires on ISIS. In: military.com. Military.com, 24. November 2015, abgerufen am 29. Januar 2019 (englisch).
  18. Iraqi Popular Mobilization Units GC-45 40KM ranged Artillery returns to service. In: Iraq Popular Mobilization Units Media. youtube.com, 27. Januar 2016, abgerufen am 3. Februar 2017.
  19. 1 2 3 Trade Register auf sipri.org, abgerufen am 9. März 2017
  20. International Institute for Strategic Studies: The Military Balance 2016. 2016, S. 328.
  21. Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 1985–1986. Vereinigtes Königreich, 1985. ISBN 978-0-7106-0820-8. S. 558–559.
  22. International Institute for Strategic Studies: The Military Balance 2016. 2016, S. 293.