Der Große Arber (tschechischVelký Javor) ist mit 1455,5mü.NHN[1] der höchste Berg des Böhmerwaldes / Bayerischen Waldes und von Niederbayern. Er ist zudem der höchste Berg Bayerns außerhalb der Alpen und nach dem Feldberg der zweithöchste Berg Deutschlands außerhalb der Alpen. Außerdem stellt ein Felsriegel westlich des Gipfelkreuzes mit 1439,6mü.NHN Höhe, seit der Gebietsreform in Bayern 1972, den höchsten Punkt der Oberpfalz dar. Daher wird der im niederbayerischen Landkreis Regen und im oberpfälzischen Landkreis Cham gelegene Berg als König des Bayerischen Waldes bezeichnet. Seine Gipfelregion besteht aus Paragneis.
Der Name leitet sich wahrscheinlich vom keltischen „Arduikos“, zu deutsch „der hohe Berg“ ab.[4] In einer Urkunde von 1279 trägt er den Namen Adwich, Johannes Aventinus nennt ihn 1500 Hädweg und 1540 Ätwa. Bei Philipp Apian trägt er die Bezeichnung Aetwha m., also Aetwha mons (mons, montis: lat. Berg), 1720 ist er auf einer Karte als Aidweich bezeichnet. Im Jahr 1740 findet sich in einer Urkunde erstmals die Bezeichnung Arber.
Felsen des Richard-Wagner-Kopfes mit dem Großen Rachel im HintergrundDer „Große Seeriegel“
Der Große Arber hat vier Gipfel: den Hauptgipfel mit dem 1913 errichteten Gipfelkreuz, den Bodenmaiser Riegel mit dem charakteristischen, oft abgebildeten Richard-Wagner-Kopf, sowie den Kleinen und Großen Seeriegel. Zu seiner Berggruppe gehört unter anderem auch der Kleine Arber mit 1384m Höhe.
Seit dem Sommer 1995 ist im Naturpark Bayerischer Wald im Gebiet des Großen Arber eine hauptamtliche Naturschutzwacht tätig. Die Gebietsbetreuung steht schwerpunktmäßig für die Gipfelregion des Berges, aber auch für die Schutzgebiete des Berges als Ansprechpartner für Naturschutzfachfragen und für Führungen zur Verfügung; zu deren Aufgaben zählt neben Besucherinformation und Öffentlichkeitsarbeit auch die Überwachung der Schutzgebietsvorschriften. Für den benachbarten Naturpark Oberer Bayerischer Wald ist seit 1999 eine weitere Gebietsbetreuung für den Großen Arber (Schwerpunkt: Gipfelplateau und NSG „Kleiner Arbersee“) im Einsatz.
Von der Gipfelregion des Großen Arber in Richtung Südosten erstreckt sich das Naturschutzgebiet (NSG) Großer Arbersee und Arberseewand (CDDA-Nr.163348; 1939 ausgewiesen; 1,4857km² groß) und von der Gipfelregion nach Nordwesten das NSG Kleiner Arbersee (CDDA-Nr.164117; 1998; 4,1059km²); in Bergnähe liegt bei den Rieslochfällen das NSG Riesloch (CDDA-Nr.318989; 1939; 33,4ha). Auf dem Berg erstrecken sich Teile der LandschaftsschutzgebieteBayerischer Wald (CDDA-Nr.396098; 1983; 2310,1276km²) und Oberer Bayerischer Wald (CDDA-Nr.396128 1308,5616km²), des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Großer und Kleiner Arber mit Arberseen (FFH-Nr.6844-373; 22,952km²) und des VogelschutzgebietsGroßer und Kleiner Arber mit Schwarzeck (VSG-Nr.6844-471; 35,4624km²).[1]
Die Gipfelregion des Großen Arber überragt nicht die natürliche Waldgrenze. Sie ist trotzdem baumfrei und von subalpinenMagerrasen, Felsfluren und Latschengebüschen geprägt, wie sie in dieser Ausdehnung im Bayerischen Wald sonst nirgends auftreten. Zu den charakteristischen Vogelarten dieser Region gehören Wiesenpieper, Alpenbraunelle, Bergpieper, Ringdrossel und Steinschmätzer. Im Norden Richtung Lam herrscht bäuerlich bewirtschafteter Plenterwald vor, im Süden gegen Bodenmais Staatswald.
Die Gipfelregion des Großen Arber weist im Durchschnitt 160 Frosttage und eine Schneedeckendauer von 150 Tagen auf. Wegen der Spät- und Frühfröste hat die Vegetationsperiode eine Dauer von wenig mehr als 100 Tagen. Die Julitemperatur liegt in den Kammbereichen bei 11Grad. Von den etwa 1950mm Jahresniederschlägen fallen 40% als Schnee.
Im Winter bildet der Ostwind zusammen mit Eisschnee die so genannten Arbermandl. Die Bergfichten des Großen Arber erstarren dabei zu bizarren und oft skurril wirkenden Gestalten. Der Begriff „Arbermandl“ ist nicht historisch, sondern entstand durch einen Fernsehbeitrag des Kameramanns Martin Lippl aus dem Jahr 1985. Die Aufnahmen entstanden eher zufällig in einer kurzen Pause mit Sonnenschein während eines Schneesturms. Elfie Pertramer unterlegte diese Aufnahmen später mit einem mystischen Gedicht. Unter dem Titel Stimmen aus dem Zauberwald wird der Film jeweils um Jahresbeginn im Bayerischen Fernsehen in der Sendung Zwischen Spessart und Karwendel ausgestrahlt.
Der größte Teil des Großen Arber und die umliegenden Waldgebiete befinden sich im Besitz der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen. Diese erwarben 1852 die Besitzung des Glashüttenmeisters Hafenbrädl in Böhmisch Eisenstein, später Markt Eisenstein, heute Železná Ruda, und 1872 die in Bayerisch Eisenstein. Das Jahr 1884 brachte die Errichtung einer hölzernen Schutzhütte durch den Bayerischen Wald-Verein. 1903 entstand das erste Schutzhaus auf dem Gipfel. Das jetzige mit Schindeln beschlagene Arberschutzhaus[6] wurde 1936 errichtet und 1985 erweitert.
Etwas nordwestlich und wenige Meter unterhalb vom Gipfel des Großen Arber steht die kleine Arberkapelle, die dem heiligen Bartholomäus geweiht wurde. Die erste dortige Kapelle ließ 1806 der Glashüttenherr Freiherr von Hafenbrädl erbauen. Seitdem wurde das Gebäude viermal erneuert; das jetzige entstand 2015.[7]
Anlässlich des hundertjährigen Kapellenbestehens zelebrierte dort am Bartholomäustag 1906 der Abt Willibald Adam von Kloster Metten in Gegenwart von 2000 Teilnehmern erstmals eine Bergmesse. Am 29.August 1965 feierte der Arberpfarrer Josef Kufner hier erneut eine Messe, womit die erste eigentliche Arberkirchweih begründet wurde. Seitdem wird sie alljährlich am vorletzten Sonntag im August[8] gefeiert. Nach den Messen trifft man sich zum Mittagessen im Arberschutzhaus; anschließend zeigen Volkssänger und Musikanten ihre Darbietungen.
Auf der Gipfelregion stehen zwei Gebäude der Luftwaffe mit Radomen. Die Anlage wurde während des Kalten Krieges so nahe an der tschechoslowakischen Grenze errichtet, um den Flugverkehr im Ostblock überwachen zu können. Die Einrichtung wurde 1983 in Dienst gestellt, ursprünglich mit zwei Radarantennen. 1996 wurde sie umgerüstet und mit einem Großraumradargerät RRP117 bestückt. Der zweite Turm beinhaltet seitdem die Sende- und Empfangsantennen für den Funkverkehr. Die Luftverteidigungsanlage Großer Arber wird als Teil des Integrierten NATO-Luftverteidigungssystems betrieben.[9]
Linienbus der RBO am Arber kurz vor der Abfahrt Richtung Furth im Wald, Februar 2026
Der Arber ist über mehrere (zum Teil saisonale) Buslinien an die umliegenden Gemeinden angebunden: [10]
Linie 6081: Bayerisch Eisenstein – Arber
Linie 6198/6085: Bodenmais – Bretterschachten – Arber – Brennes
Linie 6193: Zwiesel – Arber
Linie 590: Furth im Wald – Arber
Bei allen genannten Linien handelt es sich um saisonale Linien. Einige der Linien verkehren ganzjährig mit verschiedenen Taktungen, andere Linien sind als z.B. reine Skibuslinien nur in den Wintermonaten (Linie 6085 und 6193) oder als Wanderbus nur in den Sommermonaten (Linie 6198) in Betrieb. Eine Besonderheit aufgrund der für die Region unüblich hohe Taktung stellt die Linie 6085 dar. Während der Winter-Hauptsaison besteht zwischen Bodenmais und Bretterschachten ein Viertelstundentakt und zwischen Bodenmais und Arber ein Halbstundentakt.[11]
In Bayerisch Eisenstein und Zwiesel besteht eine Umstiegsmöglichkeit zu den Zügen der Waldbahn.[12]
Skibus der RBO auf der Linie 6085, Bodenmais im Januar 2026
Von Bodenmais aus führt ein Wanderweg zum Berggipfel. Er beginnt am WandererparkplatzRissloch und zieht sich dann vorbei an den Rieslochfällen hinauf.[13] Der Abstieg kann am Gipfel des Kleinen Arbers vorbeiführen, geht dann an den Wasserfällen vorbei und endet am Ausgangspunkt. Des Weiteren verlaufen dort auch die 8-1000er Tour und die 12-1000er Tour. Dies sind Touren, bei denen man über den Europäischen FernwanderwegE6 zum Gipfel gelangt und dabei über acht bzw. zwölf Berge wandert, die mehr als 1000m hoch sind.
Als günstige Ausgangspunkte für Wanderungen eignen sich auch die Jugendherbergen des Bayerischen Waldes.[14]
Am 10. Juni 2017 fand einmalig der Arberland-Berglauf statt, der zugleich auch die Deutschen Berglaufmeisterschaften 2017 beinhaltete. 346 Läuferinnen und Läufer erreichten das Ziel der 13,8 Kilometer langen Strecke mit einer Höhendifferenz von 887 Metern.[15][16]
Die Liftanlagen auf dem Großen Arber werden als Arber-Bergbahn bezeichnet. Durch mehrere Skipisten ist der Berg als Wintersportgebiet erschlossen. Am 17.September 1949 wurde der erste Sessellift des Berges eröffnet.
Auf dem Berg fanden seit 1973 Slalom- und Riesenslalomwettbewerbe um den Europacup und seit 1976 um den Skiweltcup statt. Die Rennen wurden vom Deutschen Skiverband im Wechsel zwischen Ofterschwang, Zwiesel und Berchtesgaden vergeben. Seit 2011 fanden dort keine weiteren Skiweltcups mehr statt, und es sind nach Angaben des zuständigen Organisationskomitees auch auf absehbare Zeit keine weiteren Rennen geplant.[17]
Panoramablick vom Großen Arber nach Süden und Westen. Man erkennt unter anderem den Ort Bodenmais, am Horizont die Berge des unteren Bayerischen Waldes sowie (ganz fern im Dunst) Schneefelder der Alpen.