Große Tanis-Sphinx


Die große Tanis-Sphinx fand sich 1802 in den Ruinen der antiken Stadt Tanis im nordöstlichen Nildelta. Sie befindet sich heute im Louvre und ist die größte altägyptische Sphinx, die sich außerhalb von Ägypten befindet. Sie ist wahrscheinlich für König Amenemhet II. (etwa 1877/76–1843/42 v. Chr.) geschaffen worden. Es gibt aber auch Versuche, sie in das Alte Reich (etwa 2700 bis 2200 v. Chr.) zu datieren.
Die Statue wurde 1802 vom Diplomaten und Antikensammler William Hamilton (1730–1803) bei Ausgrabungen in den Ruinen von Tanis gefunden und beschrieben. Sie ist 20 Jahre später auf einer von Jean Jacquess Rifaud (1786–1852) stammenden Karte der Stadt von 1825 zu sehen. Kurz darauf wurde die Sphinx von Henry Salt entfernt. Bis 1818 hatte Salt eine Sammlung altägyptischer Kunstwerke zusammengestellt und sie in diesem Jahr an das Britische Museum verkauft. Eine zweite Sammlung, die nun auch die Sphinx enthielt, kaufte das Museum jedoch nicht. 1825 begutachtete Jean-François Champollion diese Sammlung und empfahl König Karl X., diese Sammlung für £10,000 (etwa 2,5 Millionen Franc) für den Louvre zu erwerben. Sie kam 1828 im Louvre an und ist dort mit der Inventarnummer A 23 (N 23) registriert.[1]
Die Skulptur ist 4,80 m lang, 1,56 m breit und 2,04 m hoch (mit Basis). Die eigentliche Sphinx ist 1,81 m hoch und ist aus Rosengranit gefertigt. An verschiedenen Stellen des Werkes gibt es Inschriften. Die älteste erhaltene, jedoch stark abgeriebene Inschrift nennt Teile der Titulatur von Amenemhet II. (König von Ober- und Unterägypten, die Beiden Herrinnen: Hekenmaat, Nubkaure)[2] Eine weitere Inschrift auf der rechten Schulter stammt vom Hyksos-Herrscher Apophis. Diese Inschrift wurde schon in der Antike ausgekratzt. Heute ist noch deutlich das Seth-Tier zu sehen, mit der die Inschrift begann. Von König Merenptah stammen zwei kurze Inschriften, die seine Namen nennen; sie finden sich auf der Brust und auf der rechten Schulter. Auf der linken Schulter sind zwei Kartuschen mit dem Namen von Scheschonq I. angebracht, von dem es auch eine längere Inschrift auf der Basis gibt.[3]
Die Statue zeigt einen liegenden Löwen mit einem Menschengesicht. Der dargestellte König trägt einen langen Bart und ein Nemes-Kopftuch. An der Stirn befindet sich ein Uräus. Bis auf Abstoßungen an der Nase und ein Abbruch an der linken Vorderpfote ist die Statue sehr gut erhalten. Die künstlerische Ausführung ist hervorragend.
Die genaue chronologische Einordnung des Werkes ist umstritten. Der Louvre datiert die Sphinx in das Alte Reich. Verschiedene Ägyptologen vermuten aber die 12. Dynastie als Entstehungszeit. Schon Flinders Petrie in einer Publikation aus dem Jahr 1885 setzte sie in das Mittlere Reich.[4]
Eine ausführliche stilistische Diskussion wurde 1929 vom Kunsthistoriker Hans Gerhard Evers publiziert, der aufgrund stilistischer Beobachtungen zum Schluss kam, dass die Statue unter Amenemhet II. angefertigt worden sei.[5] Seine Ergebnisse fanden nicht überall Anklang. 1993 legte die Ägyptologin Biri Fay eine Monografie zur Sphinx vor, die wiederum die Einordnung unter Amenemhet II. festigte. Sie konnte auch zeigen, dass sich Inschriftenreste auf der Statue zu Namen von Amenemhet II. rekonstruieren lassen, und zog zahlreiche Vergleichswerke aus der Regierungszeit von Amenemhat II. heran.
Sechs Kopien der Sphingen befinden sich heute im Crystal Palace Park in London[6] und waren ursprünglich zur Weltausstellung 1851 im Crystal Palace ausgestellt.
Literatur
[Bearbeiten]- Biri Fay: The Louvre Sphinx and Royal Sculpture from the Reign of Amenemhat II. von Zabern, Mainz 1996, ISBN 3-8053-1760-3.
Weblinks
[Bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Biri Fay: The Louvre Sphinx and Royal Sculpture from the Reign of Amenemhat II. Mainz 1996. S. 11.
- ↑ Biri Fay: The Louvre Sphinx and Royal Sculpture from the Reign of Amenemhat II. Mainz 1996. S. 12.
- ↑ Biri Fay: The Louvre Sphinx and Royal Sculpture from the Reign of Amenemhat II. Mainz 1996. S. 13–14.
- ↑ William M. Flinders Petrie: Tanis. Band 1: 1883-4. Trübner & Co, London 1885, S. 7 (online).
- ↑ Hans Gerhard Evers: Staat aus dem Stein. Denkmäler, Geschichte und Bedeutung der ägyptischen Plastik während des Mittleren Reichs. 2 Bände. F. Bruckmann, München 1929. Hier Band 2, S. 99–102 (Digitalisat und Hinweise zur Edition im Hans Gerhard Evers Familienarchiv).
- ↑ The Terraces and the Sphinxes. Auf: crystalpalaceparktrust.org; abgerufen am 26. Mai 2026.