Gross Lassowitz liegt rund zehn Kilometer südlich von Kluczbork (Kreuzburg OS) 35 Kilometer nordöstlich von Opole. Das Straßendorf Gross Lassowitz erstreckt sich abseits der Staatsstraße 45 in östlicher Richtung, entlang eines Nebenbaches der Bogacica. Es ist von weitläufigen Wäldern des LandschaftsschutzparksStober (Stobrawski Park Krajobrazowy) umgeben.
Nachbarorte von Gross Lassowitz sind im Norden Jaschine (Jasienie), im Nordosten Klein Lassowitz (Lasowice Małe), im Südosten Kudoba (Chudoba), im Süden Sausenberg (Szumirad), im Südwesten Trebitschin (Trzebiszyn) und im Westen Marienfeld (Oś).
Seit 1477 ist in Groß Lassowitz als selbständige Parochie belegt. Unter dem Einfluss der Reformation bekannten sich bald die Besitzer Groß Lassowitz' die Familie von Dambrowka und dann auch weite Teile der Bevölkerung zum Luthertum. So wurde dann auch die neue Kirche 1599 als protestantische Pfarrkirche errichtet – wenige Jahre zuvor tritt mit Martin Laurentius auch der erste Pastor von Groß Lassowitz auf, der 1630 während des Dreißigjährigen Krieges den Ort verließ. Mit der Gegenreformation folgten die katholischen Habsburger, so dass 1653 die Kirche von Groß Lassowitz als Filiale von Klein Lassowitz rekatholisiert wurde.[4]
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Groß Lassowitz mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. 1816 wurde es dem Landkreis Rosenberg O.S. eingegliedert, mit dem des bis 1945 verbunden blieb. Groß Lassowitz blieb aber etwas abseits der beginnenden Industrialisierung: Es lag zwar in Reichweite der Chaussee Kreuzburg–Oppeln, die Eisenbahnstrecke Oels–Namslau–Kreuzburg–Vossowska von 1868 verlief aber drei Kilometer östlich mit einem Bahnhof nur in Klein Lassowitz. Unter preußischer Herrschaft besserte sich die Lage der protestantischen Einwohner, die trotz der Gegenreformation der Habsburger weite Teile der Bevölkerung stellte – beispielsweise 1861 65% der Dorfbevölkerung.[5] Gleichwohl war das zuständige Kirchspiel mit Kirche bis zum Bau eines eigenen Gotteshauses 1866 erst in Kreuzburg. Dagegen war die örtliche Schule in Händen der Protestanten geblieben aber für Kinder aller Konfessionen geöffnet. Schließlich bekam der Ort 1853 zusätzlich eine katholische Schule. 1857 wurde die katholische Pfarrei Groß Lassowitz gegründet und der bisherige Pfarrort Klein Lassowitz wurde Filialkirche. Seit dem 29. Juli 1866 war Groß Lassowitz wieder Sitz einer neu gegründeten evangelischen Pfarrei, die vom Kirchenkreis Kreuzburg abgezweigt wurde. Erster Geistlicher der neuen Parochie war der Vikar Emil Wilhelm Mücke, geb. am 27. Februar 1836 im Dorf Kotowskie bei Medzibor.[6]
Zur Volkszählung 1905 hatte Groß Lassowitz insgesamt 675 Einwohner, von denen 584 Polnisch als ihre Muttersprache angaben (86,5%).[7]
Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 wurden im Dorf Groß Lassowitz 394 Stimmen (84,2%) für den Verbleib bei Deutschland abgegeben, 74 Stimmen waren für den Anschluss an Polen. Auf dem Gut Groß Lassowitz fiel das Ergebnis mit 81 zu fünf Stimmen noch deutlicher aus. Das Dorf verblieb in der Weimarer Republik.[8] Im Zuge der nationalsozialistischen Umbenennungen slawischstämmiger Ortsnamen wurde der Ortsname Groß Lassowitz' 1936 in Oberwalden geändert. Zum 1. April 1939 wurden die Gemeinden Oberwalden, Rodewalde (Trebitschin) und Sausenberg zur neuen Gemeinde Sausenberg zusammengeschlossen.[9] Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verlor Groß Lassowitz damit seine Unabhängigkeit.
In den Nachkriegsjahren wurde eine Gromada Lasowice Wielkie im Powiat Oleski gebildet, die aber mit anderen kleinen Kommunen Anfang der 1960er aufgelöst wurde. Bei der Verwaltungsreform 1973 wurde Lasowice Wielkie wegen seiner zentralen Lage Hauptort der gleichnamigen Gmina.[3] Mit der Verwaltungsreform 1999 wurde Lasowice Wielkie erstmals vom Kreis Olesno(Rosenberg) getrennt und Teil des Powiat Kluczborski (Kreuzburg).
Trotz der Vertreibung von Deutschen und der Neuansiedlung von Polen ist immer noch ein Teil der Bevölkerung deutschstämmig. Laut der letzten polnischen Volkszählung 2002 gehören 37,76% der Gemeindebevölkerung der deutschen Minderheit an, weitere 1,71% bezeichneten sich als „Schlesier“. Seit 2006 ist die Gemeinde Gross Lassowitz offiziell zweisprachig, zum 16. August 2010 führte sie zusätzliche deutsche Ortsnamen ein.
Innenansicht der AllerheiligenkircheEvangelische Kirche
Die römisch-katholische Pfarrkirche mit dem Patrozinium Allerhbeiligen (Kościół Wszystkich Świętych) ist eine 1447 erstmals erwähnte Schrotholzkirche. Wohl nach einem Brand im Jahre 1519 wurde der heutige Bau 1599 für die damals protestantische Gemeinde errichtet. Mit der Gegenreformation musste die Kirche 1653 an die Katholiken zurückgegeben werden. An das in Blockbauweise ausgeführte, geosteteKirchenschiff wurde 1702 ein Frontturm angefügt, der von einer schindelgedeckten Welschen Haube bekrönt wird. Zur selben Zeit wurde eine Orgelempore eingezogen. In der Folgezeit wurde die Holzkirche mehrfach renoviert und 1905 die Sakristei durch einen Steinbau ersetzt. Im barocken Innern konnten sich aus dem 17. Jahrhundert Schnitzereien an den Seitenaltären sowie Skulpturen hl. Ignatius von Antiochia und eines hl. Bischofs erhalten. Das Taufbecken stammt aus dem 18. Jahrhundert, die Kanzel wurde im Régence-Stil ausgeführt. Außerdem verdient die letzte von drei historischen Glocken Beachtung, die 1521 gegossen wurde.[12] Die Kirche ist eine Station des Kulturwegs der hölzernen Sakralarchitektur (Szlak Drewnianego Budownictwa Sakralnego).
Die evangelische Bevölkerung erhielt erst im 19. Jahrhundert wieder ein Gotteshaus. Das Grundstück für die Evangelische Kirche St. Peter und Paul (Kościół ewangelicki Apostołów Piotra i Pawła) wurde 1862 erworben, am 26. Juni 1864 wurde der Grundstein gelegt und am 29. Juni 1866 (zu St. Peter und Paul) konnte der Neubau eingeweiht werden, der von den Gemeindemitgliedern und der Gustav-Adolf-Stiftung finanziert wurde. Die Kirche ist ein neuromanischer Backsteinbau mit fünf Fensterachsen im einschiffigen Kirchenraum, der von einer niedrigeren Apsis abgeschlossen wird. Die Front wird von einem, von vier Dreiecksgiebeln mit Turmhelm abgeschlossenen, schlanken Glockenturm eingenommen. Das schlichte Innere der Kirche wurde 1910 um die 14-stimmige Orgel ergänzt. Heute wird die Kirche von der örtlichen Pfarrei der Evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses genutzt.[13]
↑Początki Lasowic Małych. (Memento vom 31. Mai 2019 im Internet Archive) In: lasowice.eu (polnisch, Zusammenfassung von Walter Krause: Zur Geschichte von Gross- und Klein Lassowitz. In: Heimatkalender des Kreises Rosenberg 1934).
12Historia gminy. In: lasowicewielkie.pl, abgerufen am 18. März 2008 (polnisch).
↑Kościół. In: lasowice.eu, abgerufen am 18. März 2008 (polnisch).
↑Johannes Justin Georg Carl Heinrich Koelling: Presbyterologie, das ist ausführliche Geschichte der Pastoren und Prediger des Kirchenkreises Creuzburg. Creuzburg 1867, S. 172 (books.google.de).
↑Gemeindelexikon für die Provinz Schlesien. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, S. 292 (Digitalisat).