Das Herzogtum Bar (französisch: Duché de Bar) war ein historisches Territorium am Oberlauf der Maas in Lothringen im heutigen Frankreich mit dem Zentrum Bar-le-Duc.
Das Territorium des Herzogtums zog sich entlang der Maas vom Bassigny im Süden bis Stenay im Norden und umfasste das Gebiet zwischen Argonnen und Mosel, die Woëvre und das Gebiet nördlich Toul.
Provinzen Frankreichs (1477). Das Herzogtum Bar liegt südlich der Grafschaft Luxemburg. Die Grenze zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Frankreich entlang der Maas entstand durch Abtretung an Frankreich 1301 und teilte das Herzogtum.Schloss der Herzöge von Bar (historische Abbildung)
Bar-le-Duc war bereits um 955 Mittelpunkt einer Grafschaft, als FriedrichI., der spätere Herzog von Oberlothringen, diese Ländereien durch einen Gebietstausch mit dem Bischof von Toul erwarb. Das Schloss der Herzöge von Bar wurde ursprünglich gegen Ende des 10. Jahrhunderts auf einem Felsvorsprung über dem Ornaintal errichtet. Nach Zerstörung durch die Truppen Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert wurden geringe Überreste 1768 zu einem barocken Gebäude umgebaut.
Das westlich der Maas gelegene Gebiet wurde 1301 vom römisch-deutschen König Albrecht von Habsburg an Philipp den Schönen abgetreten und in der Folge als Barrois royal od. mouvant (mouvant = lehenrührig) bezeichnet, während das östlich der Maas gelegene Barrois ducal od. non mouvant beim Heiligen Römischen Reich verblieb. Die Grafschaft Bar gehörte fortan teils zu Frankreich und teils zum Heiligen Römischen Reich.
Graf Robert I. nahm im Jahr 1354 den Herzogstitel an und wurde daraufhin als Pair de France anerkannt.[1] Die Herrscher von Bar wurden nicht durch kaiserliche Ernennung zu Herzögen ernannt, sondern hatten 1354 vom Kaiser für ihre zum Reich gehörenden Gebiete östlich der Maas den Titel eines Markgrafen von Pont-à-Mousson erhalten.[2] Der Markgrafentitel wurde häufig von den Herzögen von Bar an ihren vorgesehenen Erben verliehen. Der Herzogstitel wurde jedoch schließlich von den Kaisern akzeptiert, und die Reichsmatrikel zur Reichstürkenhilfe von 1532 verzeichnen das Herzogtum von der Maß als eigenen Reichsstand.[3]
Im Jahr 1430 starb der letzte Herzog aus der männlichen Linie des Herrscherhauses, der Kardinal Ludwig von Bar.[4] Bar hatte er bereits 1419 seinem Großneffen René I. überlassen, der mit Herzogin Isabella von Lothringen verheiratet war. Im Jahr 1431 erbte das Paar das Herzogtum Lothringen. Nach Renés Tod im Jahr 1480 ging Bar an seine Tochter Jolande und deren Sohn René II. aus dem Haus Châtenois über, der bereits Herzog von Lothringen war.[5] In seinem 1506 veröffentlichten letzten Testament verfügte René II., dass die Herzogtümer Bar und Lothringen niemals getrennt werden sollten. Die beiden Herzogtümer blieben dauerhaft in Personalunion verbunden.[6]
Der im Polnischen Thronfolgekrieg unterlegene Stanislaus Leszczyński, der von Frankreich unterstützt worden war, wurde in das Herzogtum Bar eingesetzt. Nach dem Tod von Gian Gastone de’ Medici 1737 wurde im Frieden von Wien (1738) auch Lothringen an Frankreich übertragen, worauf Stanislaus seine Residenz in die Schlösser von Commercy und Lunéville verlagerte. Zur Verwaltung der Herzogtümer wurde ein französischer Intendant de Justice, Police et Finances mit Sitz in Nancy eingesetzt, der die vereinbarte Angliederung nach dem Tod von Stanislaus vorbereitete. Als Pension erhielt Stanislaus jährlich zwei Millionen Livres. In den folgenden Jahren entfaltete sich am Hof von Stanislaus in Lunéville ein bedeutendes kulturelles Leben.
Grabmal von Stanislaus Leszczyński in Nancy
Stanislaus Leszczyński starb unter tragischen Umständen. Am 5. Februar 1766 hatte sich seine Kleidung am Kamin entzündet und er erlitt schwere Verbrennungen. Durch seinen Tod fielen Lothringen und Bar vertragsgemäß an Frankreich.
Eduard III., † 1415, dessen Sohn, Herzog von Bar 1411
Ludwig, † 1431, dessen Bruder, Bischof von Langres, Bischof von Chalon-sur-Marne, Bischof von Verdun, Kardinal, 1415 Herzog von Bar, 1419 verzichtet er zugunsten seines Großneffen René I. von Anjou auf das Herzogtum (Vertrag von Saint-Mihiel)
Nachdem Lothringen 1766 an Frankreich gefallen war, blieben die Titel der Herzoge von Lothringen, darunter auch der Titel eines Herzogs von Bar, Teil der Titulatur der Nachkommen Franz Stephans von Lothringen aus seiner Ehe mit Maria Theresia von Österreich, darunter die römisch-deutschen Kaiser bis 1806 und die österreichischen Kaiser aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Otto von Habsburg, im Mannesstamm ein direkter Nachfahre des Hauses Lothringen, benutzte den Titel Le Duc de Bar als Inkognito während seines Studiums an der Universität Löwen. Seine Mutter Zita von Bourbon-Parma nannte sich auf Weisung des spanischen Königshauses seit 1922 „Herzogin von Bar“ (duquesa de Bar) und besaß einen auf diesen Namen ausgestellten spanischen Pass.[7]
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der Deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, S. 42 und S. 391 f.
Heinz Thomas: Zwischen Regnum und Imperium. Die Fürstentümer Bar und Lothringen zur Zeit Kaiser Karls IV. (= Bonner historische Forschungen. Bd. 40). Ludwig Röhrscheid, Bonn 1973, ISBN 3-7928-0339-9 (Zugleich: Bonn, Universität, Habilitations-Schrift, 1972).
↑Theodore Evergates: Bar-le-Duc. In William W. Kibler, Grover A. Zinn, John Bell Henneman Jr, Lawrence Earp: Medieval France. Taylor & Francis, London 1995. S. 96.
↑Benjamin Arnold: Princes and Territories in Medieval Germany. Cambridge University Press, 1991. S. 100.
↑Jonathan Spangler: The Society of Princes: The Lorraine-Guise and the Conservation of Power and Wealth in Seventeenth-Century France. Ashgate, Farnham 2009. S. 56.
↑Benjamin Arnold: Princes and Territories in Medieval Germany. Cambridge University Press, 1991. S. 263.
↑E. William Monter: A Bewitched Duchy: Lorraine and Its Dukes, 1477–1736. Librairie Droz, Paris 2007. S. 23–24.
↑E. William Monter: A Bewitched Duchy: Lorraine and Its Dukes, 1477–1736. Librairie Droz, Paris 2007. S. 15–16.
↑Helge Reindl: Zita. Eine Kaiserin kehrt heim. 1982–1989. Eine Dokumentation. Herder, Freiburg/Br. 1989, ISBN 3-210-24954-7, S. 36.