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Grabstein des Sibbaeus

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Grabstein des Sibbaeus (Zustand 1916)

Der Grabstein des Sibbaeus ist eine bei Mainz aufgefundene Grabstele eines Signalbläsers (tubicen) einer römischen Auxiliareinheit, der Cohors I Ituraeorum. Sie wird ins ausgehende 1. Jahrhundert v. Chr. oder frühe 1. Jahrhundert n. Chr. datiert und befindet sich in den Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim (Inv. Nr. Haug 52).

Auffindung und Präsentation

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Dieser Mainzer Grabstein war bereits 1735 bekannt, als Jean-François Séguier die Inschrift kopierte. Der Auffindungsort soll Mainz-Zahlbach sein, was zwar wahrscheinlich, aber nicht belegt ist.[1]

Im Auftrag von Kurfürst Karl Theodor wurden für die 1763 gegründete Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften zahlreiche römische Steindenkmäler in Mainz erworben, darunter auch der Grabstein des Sibbaeus. Sie wurden im Mannheimer Schloss ausgestellt. Die Luftangriffe auf Mannheim während des Zweiten Weltkriegs zerstörten das Schloss und fügten auch den Steindenkmälern schwere Schäden zu. Erst 2015 bei der Vorbereitung des neuen Ausstellungsbereichs „Ein Hauch von Rom“ im Museum Weltkulturen wurden die Mainzer Römersteine restauriert.[2]

Die Grabstele des Sibbaeus besteht aus Kalkstein. Sie ist noch 158 cm hoch, 56 cm breit und 28 cm tief. Bei der Auffindung war sie vollständig erhalten; infolge des Bombardements Mannheims ist sie mehrfach gebrochen: im Giebel- und Muschelbereich, am Stelenrahmen und im Inschriftfeld. Letzteres war, ebenso wie die Stelenseiten, geglättet und unterschied sich damit von der ungeglätteten untersten Zone, die im Boden steckte. Im Lauf der Zeit sind die Reliefoberflächen und besonders das Gesicht verrieben und verwittert.[3]

Die Ähnlichkeit des Aufbaus dieser Grabstele mit der (jüngeren) Grabstele des Monimus ist auffällig, doch ist der Sibbaeus-Grabstein schmaler und höher. Er bietet daher der Darstellung des Verstorbenen weniger Raum. Der Monimus-Grabstein hat die klarere Gliederung, prägnantere Darstellung und insgesamt höhere Qualität. Ernst Wilhelm Gerster ordnete beide Steine der gleichen Werkstatt zu.[4] Beide Verstorbene gehörten der gleichen Auxiliareinheit an. Die Grabstele hat jeweils die Form einer Ädikula, deren Pilaster Bildfeld und Inschriftenfeld rahmen. Über den beiden Kapitellen füllen ein Blattornament und ein Blatt eines Halbpalmettenakroters den Zwischenraum zum Giebel, der mit Wellenband und Efeublättern verziert ist.

Bildfeld (1916)

Unter dem Giebeldreieck, in einer Muschelnische, ist der Verstorbene in Halbfigur und Frontalansicht dargestellt. Sein Kopf ist unbedeckt, das Gesicht bartlos, das Haar kurz geschnitten. Zwar ist das Gesicht des Sibbaeus heute stark verrieben und beschädigt, doch scheint es weniger modelliert gewesen zu sein als das des Monimus, was möglicherweise ein Versuch war, den Verstorbenen als jungen Mann darzustellen.[5] Über seine Tunica ist schräg ein Mantel gezogen, der den etwas unproportionierten, angewinkelten linken Arm verdeckt. Die rechte Hand hält das Musikinstrument vor der Brust: eine zerlegbare römische Tuba mit Mundstück und Schallrohr, die in einem kappenförmigen Futteral stecken.[6]

Der untere Teil der Stele trägt folgende lateinische Inschrift:

Sibbaeus Eron/is f(ilius) tubicen ex / cohorte I / Ituraeorum / miles ann(orum) XXIV / stipendiorum VIII h(ic) s(itus) e(st).[7]

„Sibbaeus, der Sohn des Eron, Bläser aus der 1. Kohorte der Ituräer, Soldat, 24 Jahre, 8 Dienstjahre, liegt hier begraben.“[8]

Sibbaeus, der Sohn des Eron, war ein freier peregrinus aus der römischen Provinz Syria. Er trug einen semitischen Namen, der auch in griechischer Transkription (Σαββεος) in einer Inschrift aus Khirbet es-Samra bezeugt ist (vgl. arabisch sbj „Gefangener“ oder sbj „Knabe, Junge“). Der Vatersname könnte zwar griechisch sein (Ἡρων Hérōn), wahrscheinlicher ist aber ein semitischer Name Ero, der für syrische Sklaven mehrfach bezeugt ist.[9]

Blasinstrumente des römischen Militärs: links cornu, rechts tuba (Ostia Antica, Museum)

Sibbaeus gehörte wahrscheinlich dem Volk der Ituräer an. Ihr Kerngebiet befand sich auf den Höhen des Anti-Libanon und des Hermon. Von dort aus stießen sie in die fruchtbare Bekaa-Ebene vor, die im 1. Jahrhundert v. Chr. zum ituräischen Machtzentrum wurde.[10] Syrische und ituräische Bogenschützen wurden als Spezialisten vom römischen Militär rekrutiert.[11] Als Signalbläser war Sibbaeus von einigen Pflichten der einfachen Soldaten befreit, auch wenn er nicht mehr Sold erhielt als sie.[12]

Die Diskussion, ob das auf dem Sibbaeus-Grabstein dargestellte Instrument wirklich eine tuba ist und nicht eher ein anderes Blasinstrument, entschied M. P. Speidel zugunsten der tuba.

  • Walburg Boppert: Militärische Grabdenkmäler aus Mainz und Umgebung (= Corpus der Skulpturen der Römischen Welt: Deutschland (Germania Superior), Band 2,5). Römisch-germanisches Zentralmuseum, Mainz 1992, S. 116–118, Nr. 20.
  • Karl Körber: Einige römische Grabdenkmäler, die aus Mainz stammen oder im Altertumsmuseum daselbst aufbewahrt werden. In: Mainzer Zeitschrift, Band 11 (1916), S. 54–95, hier S. 83, Kat.Nr. 33. (Digitalisat)
  • Krešimir Matijević: Neue römische Inschriften aus Mainz in einem handschriftlichen Manuskript des 18. Jahrhunderts. In: Mainzer Zeitschrift 106/107 (2011/2012), S. 329–335. (Online).
  • Stefan Ardeleanu: Grabmonumente. In: Johannes Lipps, Stefan Ardeleanu, Jonas Osnabrügge, Christian Witschel (Hrsg.): Die römischen Steindenkmäler in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (= Mannheimer Geschichtsblätter. Sonderveröffentlichung 14). Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2021, ISBN 978-3-95505-216-4, S. 213–351, hier S. 231–235.
  • Willy Schottroff: Die Ituräer. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins, Band 98 (1982), S. 125–152.
  • Michael P. Speidel: Eaglebearer and Trumpeter. In: Bonner Jahrbücher, Band 176 (1976), S. 148–151 (Digitalisat)
  1. Karl Körber: Einige römische Grabdenkmäler, die aus Mainz stammen oder im Altertumsmuseum daselbst aufbewahrt werden, 1916, S. 83, Kat.Nr. 33.
  2. Ein Mann aus Syrien – Reiss-Engelhorn-Museen. 28. März 2022, abgerufen am 6. Mai 2026.
  3. Walburg Boppert: Militärische Grabdenkmäler aus Mainz und Umgebung, Mainz 1992, S. 117.
  4. Vgl.Ernst Wilhelm Gerster: Mittelrheinische Bildhauerwerkstätten im 1. Jahrhundert n. Chr., Röhrscheid 1938.
  5. Walburg Boppert: Militärische Grabdenkmäler aus Mainz und Umgebung, Mainz 1992, S. 118.
  6. Willy Schottroff: Die Ituräer, 1982, S. 126; Ein Mann aus Syrien – Reiss-Engelhorn-Museen. 28. März 2022, abgerufen am 7. Mai 2026.
  7. CIL 13, 7042
  8. Deutsche Übersetzung: Willy Schottroff: Die Ituräer, 1982, S. 127.
  9. Andreas Kakoschke: Die Personennamen in den römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2021, Teil 1 S. 470 und Teil 2 S. 372.
  10. Willy Schottroff: Die Ituräer, 1982, S. 132.
  11. E. A. Myers: The Ituraeans and the Roman Near East: Reassessing the Sources. Cambridge University Press, Cambridge 2010, S. 116 f.
  12. Mathilde Grünewald: Ein Mann aus Syrien. In: rem-mannheim.de. 28. März 2022, abgerufen am 24. Mai 2026.