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Grabstein des Firmus

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Grabstein des Firmus, Vorderansicht

Der Grabstein des Firmus ist eine bei Andernach gefundene Grabstele eines römischen Auxiliarsoldaten. Sie wurde in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. aufgestellt, bald nachdem das Militärlager Antunnacum zur Sicherung des Rheinübergangs angelegt worden war.

Das Original des Grabsteins befindet sich im LVR-Landesmuseum Bonn (Inv. Nr. 2801/2802). Ein Abguss ist am Helmwartsturm in Andernach zu sehen. Der Archäologische Park Xanten zeigt eine Rekonstruktion des Firmus-Grabsteins mit farbiger Fassung.

Im Sommer 1882 kamen in Andernach bei Ausschachtungsarbeiten für den Neubau eines Hauses an der linken Seite der Koblenzer Straße vor dem Koblenzer Tor (auch als Burgtor bezeichnet) zwei römische Soldatengrabsteine ans Licht, die dem Provinzialmuseum übergeben wurden. Einer der beiden war der Firmus-Grabstein. Er wurde umgestürzt in 1,75 m Tiefe gefunden; die zugehörige Bekrönung lag daneben. Der andere, ebenfalls ein Nischengrabstein und von höherer Qualität, war nur fragmentarisch erhalten.[1]

Rekonstruktionsversuch des Grabsteins im Archäologischen Park Xanten

Die Grabstele des Firmus ist mit Bekrönung 295 cm hoch, 89 cm breit und maximal 36 cm tief. Das Material ist Lothringer Kalkstein. Die Oberfläche ist verwittert und bestoßen.

Im Zentrum einer oben rund abgeschlossenen Nische, deren Wölbung als stilisierte Muschel gestaltet ist, steht die mit 145 cm etwa lebensgroße Figur des Verstorbenen in Vorderansicht auf einem erhöhten Inschriftsockel. Sie ist in stark hervortretendem Hochrelief gearbeitet. Der Verstorbene ist barhäuptig; die Haartracht mit den in die Stirn fallenden Locken war in der frühen Kaiserzeit üblich.[2] Das Gesicht ist stark zerstört, aber an der Form des linken Auges lassen sich Merkmale ablesen, die für eine in der Regierungszeit des Claudius tätige Mainzer Werkstatt kennzeichnend sind. Jedoch zeigt der Firmus-Grabstein „provinzielle“ Züge, so dass der Andernacher Steinmetz wohl Mainzer Skulpturen nachahmte, dieser Werkstatt jedoch nicht angehörte: Ungeschickt sind etwa die abstehenden Ohren und die falsche Ponderation: die Schulter über dem Standbein ist gehoben und nicht, wie es korrekt wäre, gesenkt. Anstatt das Standbein beim Kontrapost leicht aus der Senkrechten nach außen zu verschieben, neigt er es nach innen. Infolgedessen wirken die Oberschenkel bezogen auf die gesamte Figur zu schmal.[3]

Der Verstorbene trägt eine kurzärmelige Tunika mit weitem Halsausschnitt, die nach dem Brauch des römischen Militärs so geschürzt ist, dass sie die Knie nicht bedeckt. Darüber trägt er ein eng anliegendes Panzerhemd mit Fransensaum und darüber einen Mantel, der auf der Brust zusammengenäht ist und so über die Schultern nach hinten geworfen wurde, dass die Unterarme frei bleiben. Dieser Umhang bedeckt den Rücken mit reichem Faltenwurf und reicht bis zu den Waden. Der am Hals erkennbare Wulst deutet darauf hin, dass es sich bei diesem Kleidungsstück um eine Paenula handelt. Der Verstorbene trägt zwei sich kreuzende, gleich breite Militärgürtel, die mit rosettenverzierten viereckigen Metallplättchen beschlagen sind. Am oberen, von links nach rechts verlaufenden Schwertgurt hängt eine unverzierte Scheide, aus der ein Schwertgriff mit kugelförmigem Knauf hervorragt. Am Dolchgurt hängt die rosettenverzierte Dolchscheide; von der Waffe ist der Griff mit Bügel und Knauf erkennbar. Über den sich kreuzenden Gurten des Cingulum militare trägt der Verstorbene, wie auf zeitgenössischen Soldatengrabmälern üblich, einen Schurz aus verzierten Lederstreifen. Die erhobene rechte Hand hält zwei Lanzen. Die linke Hand fasst die Handhabe eines ziemlich flachen Schildes, bei dessen Form der Steinmetz Rücksicht auf den zur Verfügung stehenden Platz nehmen musste.[4] Die Füße sind grob gearbeitet, anders als bei vergleichbaren Grabmälern galt dem Schuhwerk kein besonderes Interesse.

Beiderseits des Inschriftsockels sind zwei im Bedeutungsmaßstab verkleinerte Nebenfiguren ebenfalls in Hochrelief dargestellt:[5]

  • Rechts ein mit Tunika und Toga bekleideter Mann, der eine Schriftrolle in der linken Hand hält.
  • Links ein Mann in knielanger, ungegürteter Tunika; er trägt eine separate Kapuze, die seine Schultern bedeckt. Er hält in der rechten Hand ein jetzt unkenntliches Objekt, während von der linken Schulter eine Tasche herabhängt. Der Kopf der Figur ist abgebrochen.
Grabstein des Firmus, rechte Seite
Grabstein des Firmus, linke Seite

Die beiden Nebenseiten des Grabsteins zeigen je einen in enge Hose, Chiton und Mantel gekleideten Attis unter einer Pelta und wurden von verschiedenen Steinmetzen gearbeitet; die rechte Seite zeigt eine relativ grobe Darstellung und ist wohl dem Steinmetzen zuzuschreiben, der auch die Vorderseite des Grabmals gestaltet hat. Der Steinmetz, der den Attis auf der linken Seite geschaffen hat, war dagegen um eine lebendigere Darstellung und räumliche Wirkung bemüht. Er kam möglicherweise aus Niedergermanien (Köln-Bonner Raum) oder hatte von dort Anregungen empfangen.[6]

Der Nischengrabstein trägt als Bekrönung einen Giebel, dessen Tympanon ein grob gearbeitetes Akanthusmotiv schmückt. Mittig sitzt darauf eine Sphinx, und als Akrotere halten beiderseits zwei Löwen Widderköpfe zwischen ihren Pranken.[7]

Die lateinische Inschrift auf dem Inschriftensockel lautet:[8]

[F]IRMUS / ECCONIS F(ilius) / MIL(es) EX COH(orte) / RAETORUM / NATIONE M/ONTANUS / ANN(orum) XXXVI / stip(endiorum) X[...]II / HERES[e]X TES(tamento) / POS[uit] // FUSCUS SERV[us] // [

„Firmus, Sohn des Ecco, Soldat aus der Kohorte der Raeter, vom Stamm der Montani, 36 Jahre alt, mit ... Dienstjahren. Der Erbe ließ (den Grabstein) dem Testament entsprechend setzen. Fuscus, Sklave.“

Unter der rechten Nebenfigur befand sich eine dreizeilige Inschrift, die nicht mehr lesbar ist.[9]

Firmus, Sohn des Ecco, war ein freier peregrinus aus den Ligurischen Seealpen.[10] Der Vater Ecco trägt einen mutmaßlich keltischen Namen; Firmus dagegen ist ein gängiges lateinisches Cognomen (firmus = „fest, stark, kräftig, dauerhaft, beharrlich, zuverlässig“).[11]

Als Firmus 36-jährig starb, hatte er nicht genug Dienstjahre für die Erlangung des römischen Bürgerrechts als Auxiliarsoldat absolviert. Die in eine Toga gekleidete rechte Nebenfigur mit Schriftrolle wird von Leonhard Schumacher versuchsweise als Erbe des Verstorbenen gedeutet, vielleicht ein Mitsoldat, vielleicht römischer Bürger. Die linke Nebenfigur wird durch die Inschrift als Sklave Fuscus bezeichnet; typisch für solche Sklavendarstellungen ist, dass sie deutlich kleiner sind als Freie. Fuscus ging vom Eigentum des Firmus durch Erbschaft in das Eigentum des Togaträgers über. Falls letzterer das Bürgerrecht besaß, so hatte auch Fuscus im Fall späterer Freilassung Aussicht auf diesen Status.[12]

  • Gerhard Bauchhenß: Römische Grabmäler aus den Randgebieten des Neuwieder Beckens. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Band 22 (1975), S. 81–95. (PDF)
  • Hanns Gabelmann: Die Typen der römischen Grabstelen am Rhein. In: Bonner Jahrbücher, Band 172 (1972), S. 65–140 (PDF)
  • Ricarda Giljohann, Stefan Wenzel: Verwendung und Verbreitung von Lothringer Kalkstein zwischen Andernach und Mayen in römischer Zeit. In: Berichte zur Archäologie in Rheinhessen und Umgebung, Band 8 (2015), S. 19–39. (Online)
  • Josef Klein: Denkmäler römischer Soldaten von Andernach. In: Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, Band 77 (1884), S. 14–44. (PDF)
  • Franzjosef Schröder: Provinzialrömische Reliefkunst an Mittelrhein und Untermosel vom 1.–3. Jahrhundert n. Chr. (Katalog). Dissertation, Heidelberg 2016, S. 8–11. (PDF)
  • Leonhard Schumacher: Sklaverei in der Antike: Alltag und Schicksal der Unfreien. Beck, München 2001.
  • Karl Zimmermann: Das römische Andernach. In: Rheinische Vierteljahrsblätter, Band 25 (1960), S. 207–221. (Digitalisat)
Commons: Grabstein des Firmus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Josef Klein: Denkmäler römischer Soldaten von Andernach, 1884, S. 14. Vgl. die Fundmeldung von Ernst aus’m Weerth im Jahrbuch des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, Band 73 (1882), S. 155 f. (PDF)
  2. Josef Klein: Denkmäler römischer Soldaten von Andernach, 1884, S. 18.
  3. Gerhard Bauchhenß: Römische Grabmäler aus den Randgebieten des Neuwieder Beckens, 1975, S. 85 f.
  4. Josef Klein: Denkmäler römischer Soldaten von Andernach, 1884, S. 19–22.
  5. Josef Klein: Denkmäler römischer Soldaten von Andernach, 1884, S. 23 f.; Franzjosef Schröder: Provinzialrömische Reliefkunst an Mittelrhein und Untermosel vom 1.–3. Jahrhundert n. Chr., Heidelberg 2016, S. 10.
  6. Gerhard Bauchhenß: Römische Grabmäler aus den Randgebieten des Neuwieder Beckens, 1975, S. 86 f.
  7. Gerhard Bauchhenß: Römische Grabmäler aus den Randgebieten des Neuwieder Beckens, 1975, S. 81.
  8. CIL 13, 7684; Text und deutsche Übersetzung: Ricarda Giljohann, Stefan Wenzel: Verwendung und Verbreitung von Lothringer Kalkstein zwischen Andernach und Mayen in römischer Zeit, 2015, S. 25.
  9. Franzjosef Schröder: Provinzialrömische Reliefkunst an Mittelrhein und Untermosel vom 1.–3. Jahrhundert n. Chr., Heidelberg 2016, S. 10.
  10. Leonhard Schumacher: Sklaverei in der Antike: Alltag und Schicksal der Unfreien, München 2001, S. 78.
  11. Andreas Kakoschke: Die Personennamen in den römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2021, S. 368 und S. 408–410.
  12. Leonhard Schumacher: Sklaverei in der Antike: Alltag und Schicksal der Unfreien, München 2001, S. 78–80.