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Gletscherbach

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(Weitergeleitet von Gletscherabfluss)
Der Schlatenbach am Schlatenkees

Als Gletscherbach (engl. glacial stream[1]) bezeichnet man Bäche, deren Wasser aus einem Gletscher stammt und deren Wasserfluss daher starken jahres- und tageszeitlichen Schwankungen unterliegt. Handelt es sich um ein großes aus einem Gletscher stammendes Fließgewässer, spricht man manchmal auch von einem Gletscherfluss (engl. glacial river).

Abflussdiagramm des Dorferbachs (Hohe Tauern). NQ=Niedrigwasser, MQ=Mittlerer Abfluss, HQ=Maximaler Abfluss

Im Allgemeinen bezeichnet man als Gletscherbäche Fließgewässer, die das im Bereich eines Gletschers abfließende Wasser aufnehmen. Der Gletscherabfluss besteht vor allem aus dem Schmelzwasser von Gletschern, außerdem subglazialem Quell- und Hangzugwasser.[2] Gletscherbäche im allgemeinen Sinn können nicht nur außerhalb von Gletschern (proglazial), sondern auch ober-, inner- und unterhalb (supragazial, englazial bzw. subglazial) verlaufen.[1] Häufig jedoch meint man mit der Bezeichnung Gletscherbach nur proglaziale Wasserläufe. Gletscherbäche in diesem Sinn entspringen subglazialen Entwässerungskanälen, die das Schmelzwasser an Gletschertoren ins Freie fließen lassen.[3][4]

Die Wasserführung wird im Wesentlichen von den Schmelzvorgängen am Gletscher geprägt, mit einem charakteristischen Jahresgang der Abflussmengen. Im Winter fällt der Niederschlag im Einzugsgebiet des Baches als Schnee und bleibt zunächst liegen. Die Abflussmenge des Baches ist daher um diese Zeit am geringsten. Erst durch das Abschmelzen des Schnees in den Hochlagen im Spätfrühjahr wird die zurückgehaltene Menge freigesetzt. Hinzu kommt die Eisschmelze des Gletschers in den warmen Sommermonaten. Beide Vorgänge bewirken, dass in den Monaten Juni, Juli und August in solchen Gletscherbächen das Maximum des Abflusses auftritt. Mit der Abkühlung der Temperaturen im Herbst nimmt auch die Wassermenge im Bach rasch ab.[5]

Charakteristisch für einen alpinen Gletscherbach sind auch die regelmäßigen Abflussschwankungen im Tagesverlauf während Schönwetterperioden in den Frühjahrs- und Sommermonaten. Durch starke Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen ist die Abschmelzung von Schnee, Firn und Eis um die Mittagszeit am intensivsten. Bis das Schmelzwasser den Weg ins Tal zurückgelegt hat, dauert es jedoch noch einige Zeit.[5]

Ein weiteres Merkmal von Gletscherbächen ist das gelblich-grau getrübte Wasser, die sogenannte Gletschermilch. Die Trübung kommt durch feinstes Gesteinsmehl zustande, das vom zermahlenen Moränenschutt unter dem Gletscher stammt.[3]

Beispiele für Gletscherbäche und -flüsse

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Gletschermilch des Zmuttbaches mit abgelagerter Schwebfracht

Beispiel Island

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In Island werden Gletscherbäche bzw. -flüsse Jökulsá genannt; Beispiele sind die Jökulsá á Fjöllum oder die Jökulsá á Brú. Das milchige Wasser (Gletschermilch, s. o.) in solchen Flüssen nennt man isländisch Fjallamjólk. Wenn solche Flüsse an einer Furt zu hoch zum Queren sind, kann man bis zum Morgen warten, da der Wasserstand in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung schwankt.

Commons: Gletscherbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Gletscherfluss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Martin Meschede, Hans Murawski, Wilhelm Meyer: Geologisches Wörterbuch. 13. Auflage. Springer, 2021, ISBN 978-3-662-62722-8, S. 135, Eintrag Gletscherbach, doi:10.1007/978-3-662-62722-8.
  2. Gletscherabfluss. In: Spektrum Lexikon der Geowissenschaften. Abgerufen am 5. Mai 2026.
  3. 1 2 Wilfried Hagg: Gletscherkunde und Glazialgeomorphologie. Springer, 2020, ISBN 978-3-662-61994-0, S. 189–190, doi:10.1007/978-3-662-61994-0.
  4. Gletscherbach. In: Spektrum Lexikon der Geowissenschaften. Abgerufen am 5. Mai 2026.
  5. 1 2 Hydrology of Glacierized Basins. In: waterportal.ca. 14. August 2012, abgerufen am 5. Mai 2026.