Gitarrenschule
Der Begriff Gitarrenschule umfasst sowohl die in Form eines Lehrbuchs vermittelten Konzepte zum Erlernen der Gitarre als auch eine Musikschule, deren Instrumentalunterrichtsangebot sich ausschließlich auf die Gitarre beschränkt.
Auch durch namhafte Instrumentalpädagogen oder konzertierende Künstler begründete oder nachträglich auf sie zurückgeführte gitarristische Traditionslinien werden als „Gitarrenschule“ bezeichnet. Diese waren in der Vergangenheit nicht nur Träger ihrer jeweils als charakteristisch wahrgenommenen spieltechnischen, interpretatorischen und klangästhetischen Merkmale, sondern beförderten auch die Kanonbildungen des Gitarrenrepertoires, wie die insbesondere im spanischsprachigen Kulturraum besonders einflussreiche „Tárrega-Schule“ und die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf internationaler Ebene insbesondere den Repertoire-Kanon prägende „Segovia-Schule“. Die im deutschsprachigen Raum vom Berliner Gitarristen Bruno Henze begründete „Berliner Gitarrenschule“ und die von der Gitarristin Ursula Peter ins Leben gerufene „Weimarer Gitarrenschule“ blieben als regional begrenzte und historisch im Wesentlichen nicht langfristig nachwirkende Erscheinungen auf einen kleinen Schülerkreis begrenzt.
Die nachfolgenden Abschnitte beziehen sich auf den Begriff der Gitarrenschule als Lehrwerk.

Inhalte
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In Lehrwerken für Gitarre werden mit Hilfe von Texten, Fotos, Notenbeispielen, Gitarrentabulatur und Griffbildern für Gitarrenakkorde werden Liedbegleitung, ein- bis mehrstimmiges klassisches Gitarrenspiel oder Stilmerkmale von Flamenco, Blues, Jazz, Pop und Rock vermittelt. Je nach Zielgruppe werden Etüden, Spielstücke, Songs, Volks- und Kinderlieder in ansteigendem Schwierigkeitsgrad angeordnet. Einige Gitarrenschulen sind speziell für Gruppenunterricht konzipiert und enthalten Spielstücke für mehrere Gitarren. Moderne Lehrbücher für Gitarre sind häufig kombiniert mit CDs, DVDs oder Links zu MP3-Dateien. Lehrwerke finden sich auch in rein digitaler Form (auf DVD).
Historische Gitarrenschulen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Historische Gitarrenschulen sind eine wichtige Quelle zur Geschichte, Unterrichtsmethodik und Spielpraxis vergangener Epochen. Sofern die Lehrwerke Spielstücke enthalten, erlauben diese erhellende Rückschlüsse auf die musikalische Bildung, den Repertoirekanon und den Zeitgeschmack der jeweiligen Zielgruppen.
Infolge des zunehmenden Interesses an der Musikpraxis vergangener Epochen wurden zahlreiche historische Lehrwerke durch Faksimileausgaben oder Neuausgaben wieder zugänglich gemacht.
Deutschsprachige Gitarrenschulen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lehrwerke für Konzertgitarre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lehrwerke für konzertantes Gitarrenspiel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lehrwerke des 19. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zahlreiche von italienischen und spanischen Gitarrenvirtuosen des 19. Jahrhunderts verfasste Lehrwerke waren auch in deutschsprachigen Ausgaben erhältlich und erfreuten sich in der Folgezeit großer Popularität:
- Dionisio Aguado: Méthode complète pour la Guitare. Paris 1826
- Matteo Carcassi: Méthode complète pour Guitare, op. 59. 1853 (Digitalisat)
- Ferdinando Carulli: Metodo completo per chitarra, op. 27[1] und um 1825 École de guitare, op. 241. (Digitalisat)
- Fernando Sor: Méthodo complète de guitare. 1830. 1845 redigiert und erweitert hrsg. von Napoléon Coste.
Lehrwerke des 20. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden im deutschsprachigen Raum einige umfangreiche Gitarrenschulen mit dem ambitionierten Anspruch, die Lernenden von den elementaren Grundlagen bis zum konzertanten Spiel zu führen:
- Heinrich Albert: Moderner Lehrgang des künstlerischen Gitarrespiels. 5 Hefte in 4 Teilen. München 1914–1919.
- Erwin Schaller, Karl Scheit: Lehrwerk für die Gitarre. 5 Bände. Universal Edition, Wien 1936; Neuausgabe 1939–1941.
- Bruno Henze: Das Gitarrespiel. 17 Bände. Friedrich Hofmeister Musikverlag, Leipzig 1950 ff.
Elementare Gitarrenschulen für Einzel- und Gruppenunterricht
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hubert Käppel: Käppels Gitarrenschule. Grundlegendes Lehrwerk für Gitarre im Einzel-, Gruppen- und Selbstunterricht mit einer ausführlichen Anleitung zur Liedbegleitung. AMA-Verlag, Brühl 1996, ISBN 3-927190-78-0.
- Dieter Kreidler: Gitarrenschule. Gitarre spielen mit Spaß und Fantasie. 3 Bände. Neufassung. Schott Music, Mainz 2009–2010; Band 1: ISBN 978-3-7957-5878-3, Band 2: ISBN 978-3-7957-5879-0, Band 3: ISBN 978-3-7957-5917-9.
- Hans-Werner Huppertz, Jens Kienbaum: Die Gitarren AG: Gitarrenschule für Gruppen und Klassen. AMA-Verlag, Brühl 2006, ISBN 3-89922-085-4.
Lehrwerke für akustische und elektrische Gitarre (Folk, Blues, Rock und Pop)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Peter Bursch: Peter Bursch's Gitarrenbuch. Voggenreiter, Bonn 1975, ISBN 3-8024-0208-1.
- Andreas Scheinhütte: Schule der Rockgitarre. 3 Bände seit 1987: Band 1 und 2 (Neuausgabe 2004), Ergänzungsband Schule der Rockgitarre plus. (2008). Heros Musikverlag, Frankfurt am Main.
- Peter Autschbach: Let’s Rock. E-Gitarrenschule für Ein- und Umsteiger. Acoustic Music Books, Wilhelmshaven 2008, ISBN 978-3-86947-090-0.
Weiterführende Lehrwerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für Lernende mit Grundkenntnissen gibt es ein schier unübersehbares Angebot an weiterführenden Lehrwerken, die ihren Schwerpunkt entweder auf Teilbereiche des Lernprozesses legen (wie bestimmte Spieltechniken oder musikalische Fertigkeiten in Liedbegleitung oder Improvisation), oder einzelne Gitarrenstile wie Jazz, Flamenco oder Country-Musik.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Emilio Pujol: Escuela razonada de la guitarra. 4 Bände. Mit einem Vorwort von Manuel de Falla. Ricordi Americana, Buenos Aires 1933 ff. (spanisch und französisch). Deutsche Ausgabe, ergänzt und übersetzt von Wolf Moser: Theoretisch-Praktische Gitarrenschule. G. Ricordi, München 1979 ff. (Umfangreiches Werk zu den historischen, theoretischen, spieltechnischen und musikästhetischen Aspekten des Gitarrenspiels).
- Manfred Dettke: Lehrwerke für die sechssaitige Konzertgitarre in deutschsprachigen Ausgaben des 19. und 20. Jahrhunderts unter Berücksichtigung von Gitarrenschulen, theoretischen Schriften und anderen Handreichungen, die sich mit der Gitarre auseinandersetzen. (Europäische Hochschulschriften; Reihe 36: Musikwissenschaft, Band 65) Lang, Frankfurt am Main 1991; zugl. Dissertation, ebd. 1991.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ erschienen 1809; Ergänzungsbände: Op. 61 (1810) und 75 (1810) sowie das Supplément à la Méthode, Op. 192, um 1822. Vgl. gitarrenbank.de.