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Gerhart Bettermann

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Gerhart Bettermann (* 23. Februar 1910 in Leipzig; † 16. November 1992 in Winnemark) war ein deutscher Maler und Grafiker. Er war einer der einflussreichsten Künstler in der Kulturpolitik Schleswig-Holsteins nach 1945.

Die Jahre bis 1932

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Seine künstlerischen Ambitionen stießen bei seiner Mutter und seinem Vater, einem Lokomotivführer, auf Ablehnung. So konnte er neben seiner Ausbildung zum Schlosser nur heimlich die Volkshochschule in Leipzig besuchen. Durch den Mal- und Zeichenkursus lernte er Alfred Frank kennen, der ihn förderte. Mit 18 Jahren schloss er seine Lehre als Jahrgangsbester ab. Statt in seinem Lehrbetrieb weiter zu arbeiten, wanderte er durch Deutschland, Südeuropa und Palästina.

Zusammen mit Gregor Gog, Hans Tombrock und Hans Bönnighausen gründete er die Künstlergruppe der Bruderschaft der Vagabunden. Innerhalb dieser Gruppe entstand die Idee vom Internationalen Vagabundenkongress, der 1929 in Stuttgart stattfand. 1931 schloss sich die Künstlergruppe der kommunistischen ASSO an, der Bettermann schon 1929 beigetreten war.

Für sein Bild Arbeitsloser in der Dachkammer wurde er 1931 auf der Leipziger Kunstausstellung mit dem Sächsischen Staatspreis ausgezeichnet. In den Jahren von 1931 bis 1933 bereiste er Skandinavien und Ägypten.

Im Jahr 1933 wurden nach Bettermanns Angaben zwei Ölbilder von Bettermann aus einer Kunstausstellung in Berlin auf Anweisung vom Göbbels entfernt. Es handelte sich um die Bilder "Bauernfamilie am Tisch" und "Frau in Dachkammer". Beide Bilder konnte Bettermann abholen. Im April 1934 wohnte Bettermann zusammen mit seiner Freundin Glore Bauch und seinem Freund und Manager Walter Reichart in Staritz bei Torgau – Reichart verkaufte Bettermanns Bilder. Im Rathaus von Torgaz konnte er ausstellen und auch Bilder verkaufen. Im Juni 1934 zog die Wohngemeinschaft nach Berlin ans Lietzenseeufer. Vom Bilderverkauf wurde ein gebrauchtes Automobil gekauft und die Wohngemeinschaft fuhr im Oktober 1934 nach Dagebüll. Reichart hatte in Berlin ein goldenes Parteiabzeichen der NSDAP gefunden und erreichte mit diesem am Revers eine kleine Ausstellung Bettermanns im November im Flensburger Museum. Bettermann stellte dagegen den Kontakt zum Museum nach dem Krieg als seine eigene Leistung dar.[1] Er erwarb 1935 eine alte Strohkate in Emers bei Karby. Im November 1935 heiratete er die Malerin Glore Bauch.[2] Im August wurde Walter Reichart in Flensburg zu zwei Jahren Haft verurteilt wegen Missbrauchs des Doktortitels, Unterschlagung und des verbotenen Tragens des goldenen Parteiabzeichens. Bettermann wurde nicht verurteilt, durfte aber die Provinz nicht verlassen.[3]

Nach einer von ihm selbst auch in der Kunstgeschichte erfolgreich etablierten Version sei Bettermann 1933 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in den Norden gekommen und habe sich dort als armer Mann durchschlagen müssen.[4] Tatsächlich kooperierte er im Norden über Jahre mit den örtlichen Nationalsozialisten und kam aus Berlin in einem selbst gekauften Automobil. In Berlin konnte er 1934 ein Gemälde für die damals stattliche Summe von 2000 RM an das nationalsozialistisch geführte preußische Kulturministerium verkaufen. 1936 erhielt er ein Stipendium dieses Ministeriums, was er in der Nachkriegszeit abstritt.[5] In Kappeln schuf er 1937 bei der Neugestaltung des Rathaussaales eine Wandmalerei, in der zwei zentrale Figuren den Arm zum Hitlergruß erhoben.[6] In einer Sonderbeilage der örtlichen Zeitung zur Einweihung des Rathaussaales lobte ein hoher NSDAP-Kulturfunktionär Bettermanns Arbeit als „vorbildlich“. Bettermann selbst setzte sich am 9. März 1937 in dieser Zeitung von einer „leergelaufenen und krankhaft übersteigerten Malepoche“ der Zeit vor 1933 ab und bekannte sich zum „Gemeinschaftsgedanken“, der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft.[7]

Während in den Jahren bis 1937 einige seiner älteren Arbeiten aus den Museen entfernt wurden, so 1937 in der deutschlandweiten konzertierten Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ aus dem Museum der bildenden Künste Leipzig sein Holzschnitt Hamburg (1931, 50,2 × 60 cm, zerstört),[8] konnte Bettermann auch danach eine Reihe von Gemälden an Parteifunktionäre verkaufen und sich als Künstler erfolgreich im nationalsozialistischen Staat etablieren.[9]

Es sind allerdings für diese Zeit keine Ausstellungen Bettermanns bekannt.[10]

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Bettermann in Schleswig-Holstein als Musterbeispiel eines engagierten linken Künstlers, der im Nationalsozialismus als „entarteter Künstler“ verfolgt gewesen sei. Politiker wie der damalige Ministerpräsident Björn Engholm lobten ihn in Grußworten zu Ausstellungskatalogen als Künstler, der „sich kritisch mit unserer Gegenwart auseinandersetzt.“[11] Diese Darstellung war, wie in zwei Veröffentlichungen 2010 und 2011 nachgewiesen, reine Fiktion und beruhte auf der von Bettermann selbst seit den 1950er Jahren in Umlauf gebrachten Selbstdarstellung.[12][13]

Nach Kriegsende war Bettermann zunächst ein „Zweifelnder und Suchender“ gewesen, bevor er in kurzer Zeit zu einem wichtigen Kulturfunktionär im Nachkriegs-Schleswig-Holstein aufstieg und u. a. 1954 den Landesberufsverband bildender Künstler Schleswig-Holstein mit gründete. Bis 1970 war er dessen erster Vorsitzender. Die Umstände des schnellen Aufstiegs sind noch nicht näher untersucht. Es wird aber vermutet, dass der Umstand eine Rolle gespielt hatte, dass 1954 bis auf einen sämtliche Minister der Landesregierung ehemalige NSDAP-Mitglieder waren.[12]

Bettermann erhielt als "progressiver" Künstler die Möglichkeit zur Teilnahme an wichtigen Ausstellungen in der DDR. 1956 gründete er gemeinsam mit anderen Künstlern, darunter Hanns Radau und Curt Stoermer, die Gruppe Schleswig-Holstein 1956. Bettermann lebte zuletzt in einer zum Wohn- und Atelierhaus ausgebauten ehemaligen Kate in Winnemark.

Weiteres Werkbeispiel

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  • Arbeitsloser in der Dachkammer (1931, Öl, 150 × 111,5 cm)[14]

Teilnahme an Ausstellungen in der DDR

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  • 1953: Dresden, Dritte Deutsche Kunstausstellung[15]
  • 1965: Leipzig, Museum der Bildenden Künste („500 Jahre Kunst in Leipzig“)[16]
  • Matthias Schartl: „Mein oberstes Prinzip ist die Ehrlichkeit“. Der Maler Gerhart Bettermann und seine angebliche Flucht nach Schleswig-Holstein. In: Grenzfriedenshefte, Jg. 58, 2011, Heft 1, S. 15–40 (online).
  • Nicolaus Schmidt: Die Ausmalung des Kappelner Rathaussaales 1937 – die andere Seite der Biografie des Gerhart Bettermann. In: Kunstgeschichte. Open Peer Reviewed Journal, 2011 (urn:nbn:de:0009-23-28534)
  • Gerd Gruber, Marlies Schmidt, Wittenberg (Saxony-Anhalt, Germany), Cranach-Stiftung: Aufbruch in die Moderne: Graphik des frühen 20. Jahrhunderts aus der Sammlung Gerd Gruber, Cranach-Stiftung, Wittenberg, 2008, S. 256.
  • Gerhard Winkler: Gerhart Bettermann: Ein Altmeister der ASSO-Tradition. In: Bildende Kunst. 1980, ISSN 0006-2391, S. 321–323.
  • Maler in Schleswig-Holstein. Gerhard Bettermann. Bildband, mit einer Einführung von Wilhelm C. Halbach, Schleswiger Druck- und Verlagshaus, Schleswig 1977, ISBN 3-88242-007-3.
  • Richard Süden: Entscheidung für die Wirklichkeit: Der Maler Gerhart Bettermann. In: Bildende Kunst. 1960, ISSN 0006-2391, S. 303–307.
  • Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus: Malerei der verschollenen Generation. Hirmer, Berlin 1994, ISBN 3-7774-6420-1, S. 353

Einzelnachweise

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  1. Matthias Schartl „Mein oberstes Prinzip ist die Ehrlichkeit“. Der Maler Gerhart Bettermann und seine angebliche Flucht nach Schleswig-Holstein 1933-35, in: Grenzfriedenshefte 1/2011, S. 23–25
  2. Wilhelm C. Hambach: Gerhard Hambach. Maler in Schleswig-Holstein. Schleswiger Druck- und Verlagshaus, Schleswig 1977.
  3. Matthias Schartl „Mein oberstes Prinzip ist die Ehrlichkeit“. Der Maler Gerhart Bettermann und seine angebliche Flucht nach Schleswig-Holstein 1933-35, in: Grenzfriedenshefte 1/2011, S. 28–29
  4. Gerhart Bettermann, Malerei und Graphik, Katalog, Hrsg. Magistrat der Stadt Kappeln, 1989, S. 5
  5. Matthias Schartl, „mein oberstes Prinzip ist die Ehrlichkeit“, Der Maler Gerhart Bettermann und seine angebliche Flucht nach Schleswig-Holstein – in: Grenzfriedenshefte 1/2011, S. 22 ff
  6. Sven Bohde in Schleswig-Holsteinische Zeitung vom 20. November 2010: Der Makel im Lebenslauf – Der Künstler Gerhart Bettermann hat möglicherweise enger mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet, als er zu Lebzeiten zugab.
  7. https://www.kunstgeschichte-ejournal.net/253/ Nicolaus Schmidt: Die Ausmalung des Kappelner Rathaussaales 1937 – die andere Seite der Biografie des Gerhart Bettermann, Abs. 6ff, in: Kunstgeschichte, Open Peer Reviewed Journal, Artikel 2011
  8. Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion „Entartete Kunst“, Forschungsstelle „Entartete Kunst“, FU Berlin
  9. https://www.kunstgeschichte-ejournal.net/253/ Nicolaus Schmidt: Die Ausmalung des Kappelner Rathaussaales 1937 – die andere Seite der Biografie des Gerhart Bettermann, Abs. 12, in: Kunstgeschichte, Open Peer Reviewed Journal, Artikel 2011
  10. Martin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000
  11. Gerhart Bettermann, Malerei und Graphik, Katalog, Hrsg. Magistrat der Stadt Kappeln, 1989, ohne Seitenangabe
  12. 1 2 https://www.kunstgeschichte-ejournal.net/253/ Nicolaus Schmidt: Die Ausmalung des Kappelner Rathaussaales 1937 – die andere Seite der Biografie des Gerhart Bettermann, in: Kunstgeschichte, Open Peer Reviewed Journal, Artikel 2011
  13. Matthias Schartl, „mein oberstes Prinzip ist die Ehrlichkeit“, Der Maler Gerhart Bettermann und seine angebliche Flucht nach Schleswig-Holstein – in: Grenzfriedenshefte 1/2011, S. 14 ff
  14. Ganzseitige farbige Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 1/1980, nach S. 20
  15. Bot-Check. Abgerufen am 14. März 2026.
  16. Bot-Check. Abgerufen am 14. März 2026.
  17. Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 5/1976, S. 245