G. G. Anderson

G. G. Anderson (* 4. Dezember 1949 als Gerd Grabowski in Eschwege) ist ein deutscher Schlagersänger, Komponist und Musikproduzent. Zu seinen bekanntesten Titel zählen Mama Lorraine und Sommernacht in Rom. Als Komponist schuf er über 1000 deutsch- und englischsprachige Titel, wie für Roland Kaiser, Boney M., Andrea Jürgens, Mary Roos, Jürgen Drews, Karel Gott und die Wildecker Herzbuben.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gerd Grabowski absolvierte nach seinem Abschluss der Realschule eine Ausbildung zum Elektriker. Parallel zur Ausbildung arbeitete er als Sänger und Schlagzeuger.
In erster Ehe war er mit seiner langjährigen Jugendfreundin zusammen. Seit 1987 ist er erneut verheiratet. Aus beiden Ehen hat er je einen Sohn.[1] Seit Juli 1997 ist G. G. Anderson Ehrenbürger der Stadt Eschwege. 2013 erlitt er zwei Schlaganfälle.[2]
Musikalische Karriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seine musikalische Karriere begann 1964 als Mitglied bei der Band „The Rackets“. 1968 sang er bei den Blue Moons auf dem Burg-Herzberg-Festival. Von 1970 bis 1972 war er Teil der Band „Love and Tears“, die Begleitband von Michael Holm. 1973 startete er seine Solokarriere unter dem Künstlernamen „Alexander Marco“, von 1977 bis 1979 sang er als „Tony Bell“. Aus seiner Begleitband ging das Volksmusik-Duo Wildecker Herzbuben hervor, für die er auch einige Lieder komponierte.
Seit 1980 tritt er unter dem Pseudonym „G. G. Anderson“ auf und hatte seitdem als Solokünstler größere Erfolge. Im April 1981 hatte er mit Mama Lorraine seinen ersten Charterfolg in den deutschen Singlecharts und zugleich seine einzige Top-10-Platzierung. Es folgten Hits wie Am weißen Strand von San Angelo und Santa Lucia – versunken im Meer. Im Mai 1985 gelang ihm ein weiterer Erfolg mit dem Titel Sommernacht in Rom, mit dem er sich auf Platz 28 der deutschen Singlecharts platzierte und mit Platz 16 seine einzige Chartplatzierung mit einer Single in Österreich in den Ö3 Austria Top 40. Nach diesem Titel wurde er zu mehreren Musikshows eingeladen, so trat er mehrfach mit Liedern wie Ti amo Maria oder Sommer Sonne Cabrio in der ZDF-Hitparade auf.

1988 wurde Anderson mit seinem Titel Hättest Du heut’ Zeit für mich? Viertplatzierter der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest. 1998 wechselte er die Plattenfirma von BMG/Hansa Records zu Koch Music. Seitdem erschien jährlich ein neues Album. 2007 brachte er mit Zwei Herzen im Schnee ein Weihnachtsalbum heraus. Mit Die Sterne von Rom erreichte er 2014 seine 15. Notierung in den deutschen Charts; mit Platz 23 stellte das Album zudem die von Was ich Dir sagen möchte im Jahr 1985 erreichte Bestplatzierung ein. Im Juni 2024 erschien Andersons 30. Studioalbum Sieben Leben, das Platz 18 in den deutschen Albumcharts erzielte. Mit der Veröffentlichung des Albums kündigte er seinen Rückzug aus dem Musikgeschäft an.[3]
Als Komponist schuf Anderson über 1000 deutsch- und englischsprachige Titel und arbeitete mehrere Jahre lang mit Komponisten wie Bernd Dietrich[4] oder Ekki Stein sowie Engelbert Simons zusammen, die an einer Vielzahl seiner Kompositionen maßgeblich beteiligt sind. Er schrieb Lieder für zahlreiche namhafte Künstler wie Roland Kaiser (Schach Matt, Lieb’ mich ein letztes Mal, Flieg mit mir zu den Sternen, Egoist), Boney M. (Give It Up), Mireille Mathieu (Ich schau' in Deine Augen, Wolke im Wind, Lieben heißt für mich, mit Dir zu leben), Die Amigos (Die Stunden der Tränen, Diese Nacht wird schön, Bleib heute Nacht), Andrea Jürgens (Chinatown ist in New York, Heut' wird es rote Rosen regnen), Andy Borg (Da lacht das Leben, Wieviel Liebe hat ein Leben, Himmelsmärchen), Audrey Landers (Manuel Goodbye, Farewell), Engelbert (The Spanish Night is Over), Heino (Ja, ja, die Katja die hat ja, Die Liebe ist das Gold des Lebens), Bernhard Brink (Du natürlich, Komm' und führ' mich in Versuchung), Rex Gildo (Rendezvous auf spanisch, Mamma mia), Jürgen Drews (Rock 'N' Roll Queen (Rockin' Tonight), Wir seh'n uns wieder in den Rocky-Mountains, Wo bist du?), Karel Gott (Der Sommer in Athen, Diese Nacht ist wie ein Märchen, Heißkalte Tränen), Uta Bresan (Ich will nach Hause zu Dir, Kneif mich mal), Mary Roos (Marianne, Nur im Traum), Francine Jordi (Du, für immer du, Ich werd mit dir geh'n, Was ist denn hier los), Tony Christie (All Over The World, I'm A Lucky Man, Sweet Romantic Blue Eyes, Oh mi amor), Wildecker Herzbuben (Herzilein, Schützenkönig möcht' ich einmal sein, Schön ist die Jugend), Thomas Anders (Ich hatte mal Freunde, Ich will nicht Dein Leben), Wolfgang Petry (Scheissegal, Geil, geil, geil (Wir sind die Größten), Die längste Single der Welt – Teil 2), Goombay Dance Band (Isle Of Atlantis, Rain, Christmas At Sea) und Laura Branigan (Satisfaction).
Andersons Lied Nein heißt ja (2000) ist in Deutschland und Österreich seit langem kontrovers.[5] Es gehört 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung zu den zwölf Volksfestliedern in der Bundesrepublik, auf deren Abspielen laut Empfehlungen von Gleichstellungsbeauftragten möglichst verzichtet werden sollte. Hintergrund ist die Debatte um Sexismus und die Bekämpfung männlicher Sexualgewalt nach der Einführung des Prinzips Nein heißt nein durch die deutsche Sexualstrafrechtsreform 2016.[6]
Im Sommer 2024 kündigte Gerd Grabowski das Ende seiner Karriere zu seinem 75. Geburtstag an.[7] Seit Herbst 2023 wurde verschiedentlich auch gemeldet, dass Anderson die Hauptrolle in der Kino-Verfilmung von Kristina Böhms Roman Splitter in unseren Herzen spielen soll,[8] was bisher aber nicht realisiert wurde.
Diskografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Studioalben
| Jahr | Titel Musiklabel |
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen (Jahr, Titel, Musiklabel, Platzierungen, Wochen, Auszeichnungen, Anmerkungen) |
Anmerkungen | ||
|---|---|---|---|---|---|
| 1981 | Always and Ever Hansa (Ariola) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: September 1981 |
| 1984 | Lass uns träumen Hansa (Ariola) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: Oktober 1984 |
| 1985 | Was ich Dir sagen möchte auch bekannt als: Sommernacht in Rom Hansa (Ariola) |
DE23 (9 Wo.)DE |
AT22 (6 Wo.)AT |
— |
Erstveröffentlichung: September 1985 |
| 1986 | Ich glaube an die Zärtlichkeit Hansa (Ariola) |
DE38 (7 Wo.)DE |
— | — |
Erstveröffentlichung: 15. September 1986 |
| 1987 | Vergiss die Liebe nicht Hansa (BMG Ariola) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: September 1987 |
| 1988 | Herzklopfen Hansa (BMG Ariola) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: Oktober 1988 |
| 1989 | Traumreise für zwei Hansa (BMG Ariola) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: 18. August 1989 |
| 1990 | Heut’ geht’s uns gut (so soll es bleiben) Hansa (BMG Ariola) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: September 1990 |
| 1992 | Weiße Rosen schenk’ ich dir Hansa (BMG Ariola) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: 3. August 1992 |
| 1995 | Ich lieb’ Dich Hansa (BMG Ariola) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: 13. März 1995 |
| 1998 | G. G. Anderson ’98 Hansa (BMG) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: 9. März 1998 |
| 1999 | Eine Nacht, die nie vergeht Koch Records (KR) |
— | — | — |
Erstveröffentlichung: 23. August 1999 |
| 2000 | Nein heißt ja Koch Records (KR) |
DE55 (2 Wo.)DE |
AT35 (4 Wo.)AT |
— |
Erstveröffentlichung: 25. August 2000 |
| 2001 | Feuer & Flamme Koch Records (KR) |
DE100 (1 Wo.)DE |
AT27 (7 Wo.)AT |
— |
Erstveröffentlichung: 14. September 2001 |
| 2003 | Herz auf Rot Koch Universal (UMG) |
DE63 (1 Wo.)DE |
— | — |
Erstveröffentlichung: 23. Juni 2003 |
| 2004 | Einmal hüh – einmal hott Koch Universal (UMG) |
DE70 (4 Wo.)DE |
AT26 (11 Wo.)AT |
— |
Erstveröffentlichung: 7. Juni 2004 |
| 2005 | Für Dich Koch Universal (UMG) |
DE79 (3 Wo.)DE |
AT41 (9 Wo.)AT |
— |
Erstveröffentlichung: 30. Mai 2005 |
| 2006 | Zeit zum Träumen Koch Universal (UMG) |
DE40 (4 Wo.)DE |
AT20 (8 Wo.)AT |
— |
Erstveröffentlichung: 7. Juli 2006 |
| 2007 | Lebenslust Koch Universal (UMG) |
DE61 (2 Wo.)DE |
AT31 (4 Wo.)AT |
CH92 (1 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 22. Juni 2007 |
| 2009 | Alle Liebe dieser Welt Koch Universal (UMG) |
DE60 (2 Wo.)DE |
AT29 (4 Wo.)AT |
— |
Erstveröffentlichung: 6. Februar 2009 |
| 2010 | Besser geht nicht Koch Universal (UMG) |
DE31 (2 Wo.)DE |
AT33 (3 Wo.)AT |
CH65 (1 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 23. April 2010 |
| 2011 | Eine Insel für uns beide Koch Universal (UMG) |
DE54 (1 Wo.)DE |
AT40 (3 Wo.)AT |
CH76 (1 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 1. Juli 2011 |
| 2013 | San Valentino Telamo (WMG) |
DE34 (3 Wo.)DE |
AT22 (8 Wo.)AT |
— |
Erstveröffentlichung: 25. Januar 2013 |
| 2014 | Die Sterne von Rom Telamo (WMG) |
DE23 (3 Wo.)DE |
AT12 (3 Wo.)AT |
CH46 (3 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 1. August 2014 |
| 2016 | In dieser Sommernacht Telamo (Sony) |
DE14 (1 Wo.)DE |
AT19 (3 Wo.)AT |
CH47 (1 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 2. September 2016 |
| 2018 | Summerlove Telamo (Sony) |
DE5 (2 Wo.)DE |
AT14 (5 Wo.)AT |
CH18 (1 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 13. Juli 2018 |
| 2019 | Alles wird gut Telamo (Sony) |
DE17 (3 Wo.)DE |
AT15 (3 Wo.)AT |
CH49 (1 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 4. Oktober 2019 |
| 2021 | Wenn in Santa Maria Telamo (Sony) |
DE12 (1 Wo.)DE |
AT17 (2 Wo.)AT |
CH24 (2 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 30. Dezember 2021 |
| 2024 | Sieben Leben Telamo (Sony) |
DE18 (1 Wo.)DE |
AT8 (1 Wo.)AT |
CH75 (1 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 7. Juni 2024 |
grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1986: Sänger des Jahres
- 1991: Goldene Stimmgabel
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website von G. G. Anderson
- Werke von und über G. G. Anderson im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- G. G. Anderson bei Musik-Sammler.de
- G. G. Anderson bei MusicBrainz (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Katrin Voigt: G.G. Anderson privat wie nie: Warum er seiner Frau besonders dankbar ist. In: schlager.de. 31. März 2024, abgerufen am 31. März 2024.
- ↑ Happy Birthday, G.G. Anderson (65). In: werra-rundschau.de. 4. Dezember 2014, abgerufen am 4. Dezember 2014.
- ↑ Letztes Album: G.G. Anderson zieht sich aus dem Schlagergeschäft zurück. In: focus.de. 7. Juni 2024, abgerufen am 7. Juni 2024.
- ↑ Stephan Imming: Bernd Dietrich: Einer der erfolgreichsten Songautoren Deutschlands ist 80 geworden! In: schlagerprofis.de. 4. Februar 2024, abgerufen am 4. Februar 2024.
- ↑ Franz Lichtenegger: Wie Vergewaltigungen in österreichischer Popkultur dargestellt werden. In: Vice. 12. April 2017, abgerufen am 22. Mai 2026.
- ↑ Was Erlangen bei den Volksfestwirten lieber nicht hören möchte. In: Der Spiegel. 22. Mai 2026, abgerufen am 22. Mai 2026.
- ↑ Paulina Sternsdorf: Neue Schlagerstars sind für ihn „an Hässlichkeit nicht mehr zu überbieten“. In: Bunte. 28. Juli 2024, abgerufen am 22. Mai 2026.
- ↑ Kay Fracasso: Schlagerstar wird Kinostar. In: mdr.de. 17. September 2023, abgerufen am 22. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Anderson, G. G. |
| ALTERNATIVNAMEN | Grabowski, Gerd Günther (wirklicher Name); Marco, Alexander (Künstlername); Bell, Tony (Künstlername); Pool, Steve (Künstlername); Grab, Gerry (Künstlername) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schlagersänger, Komponist und Musikproduzent |
| GEBURTSDATUM | 4. Dezember 1949 |
| GEBURTSORT | Eschwege |