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Georg Stade

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Georg Stade (* 1863 in Peine; † 1922), anglisiert George Stade, war ein deutscher Ingenieur, dem auch die britische Staatsbürgerschaft verliehen worden war.

Werdegang und Wirken

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Er besuchte vermutlich die Schule für Zuckerindustrie in Braunschweig, die er als Zivil-Ingenieur verließ.[1] Seine erste Anstellung fand er in der Braunschweiger Maschinenbau-Anstalt.[1] Die erste Stelle im Ausland trat er 1885 auf Trinidad an,[2] das damals noch als Kolonie zum Vereinigten Königreich gehörte. Bereits im Jahr 1866 hatte er die britische Staatsbürgerschaft beantragt, die ihm 1887 verliehen wurde.[3] 1892 kam er auf Barbados an, das damals ebenfalls noch zum britischen Kolonialreich gehörte, und gründete dort zusammen mit seinem Bruder Hermann Stade als Stade Bros. (Gebrüder Stade) die West India Rum Refinery, die 1893 den Betrieb aufnahm.[4]

Gegenüber den vorhandenen Destillerien, die nicht modernisiert worden waren, konnte sich die neue Destillerie der Gebrüder Stade schnell in qualitativer und quantitativer Hinsicht durchsetzen.[5] Noch im selben Jahr oder im März 1894 kam es zu einer Explosion, bei der Menschen verletzt wurden und beträchtliche Schäden an der Anlage entstanden.[6] Die Vorbehalte auf der Insel – nicht zuletzt der Konkurrenten – gegenüber Fremden und die konfrontative Haltung Georg Stades bei dem – letztlich erfolglosen – Versuch, Entschädigung für die Explosion infolge einer (Mit-)Verantwortung örtlicher Behörden zu erlangen, führten zu verhärteten Fronten.[7]

Am 15. Dezember 1894 wurde die West India Rum Refinery Limited gegründet und ihr das bisherige Unternehmen der Gebrüder Stade übertragen; auch die Gebrüder Stade selbst waren Anteilseigner dieses neuen Unternehmens.[8] Im Jahr 1898 verließ Georg Stade Barbados und kehrte nach Deutschland zurück, wo er in Berlin im Beratungsunternehmen tätig blieb.[9] Während des Ersten Weltkrieges wurde er wegen seiner auch britischen Staatsbürgerschaft kurzzeitig als Spion eingestuft und befragt, dann aber nicht weiter behelligt.[10] 1922 starb Georg Stade.[10]

Destilleriegebäude auf Barbados mit dem Schriftzug „Stade's Rum“

Das Destillerieunternehmen auf Barbados fiel – nach einer weiteren Explosion im Mai 1900, bei der auch Mitarbeiter starben[11] – im Jahr 1900 oder 1901 in die Insolvenz, wurde aber am 15. Oktober 1901 unter demselben Namen neu gegründet.[12] Um das Jahr 1983 wurde die Goddard Enterprises Limited Hauptanteilseignerin des Unternehmens; im Dezember 1984 benannte sie das Unternehmen in West Indies Rum Distillery um.[13] 2017 verkaufte die Goddard Enterprises Ltd. ihre Anteile an Alexandre Gabriel/Maison Ferrand.[14] Unter deren Rummarke Planteray (bis 2024: Plantation) wird auch heute noch Rum aus der einst von Georg Stade gegründeten Destillerie auf Barbados verkauft mit dem Hinweis auf „Stade's West Indies Rum Distillery“.[15]

  • Georg(e) Stade: Scientific Rum Making in Barbados, in: Stefan Manz/Uwe Spiekermann, Making Food Empires. German Technology and Global Mass Production, 1870–­1914, Oxford 2026, S. 113–133. ISBN 978-0-198-96695-1
  • Stefan Manz/Uwe Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum: Georg Stade and the Industrialization of Rum Production in Barbados, 1892–1898, in: German History, Band 44 (2026), S. 273–297.
  • Matt Pietrek/Carrie Smith, West Indies Rum Distillery, in: Dieselben, Modern Caribbean Rum. A Contemporary Reference to the Region's Essential Spirit, 2022, S. 280–297.
  1. 1 2 Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 278.
  2. ↑ Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 279.
  3. ↑ Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 281.
  4. ↑ Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 273, 281 und 285.
  5. ↑ Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 273 und 281 f.
  6. ↑ Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 284 ggü. S. 286 f.
  7. ↑ Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 288 und 290.
  8. ↑ Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 291.
  9. ↑ Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 294 f.
  10. 1 2 Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 295.
  11. ↑ Manz/Spiekermann, German Technology, Caribbean Rum, S. 284.
  12. ↑ Pietrek/Smith, Modern Caribbean Rum, 2022, S. 282.
  13. ↑ Pietrek/Smith, Modern Caribbean Rum, 2022, S. 283.
  14. ↑ Pietrek/Smith, Modern Caribbean Rum, 2022, S. 284.
  15. ↑ Löser, Flensburg, Rum und Rum-Verschnitt, 2026, S. 12/RdNr. 18.