Gabrielensteig

Der Gabrielensteig (tschechisch Gabrielina stezka) ist ein Wanderweg in der Böhmischen Schweiz in Tschechien. Er ist Teil des Europäischen Fernwanderweges E3.
Lage und Umgebung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Gabrielensteig liegt im rechtselbischen Teil der Böhmischen Schweiz im nordöstlichen Gemeindegebiet von Herrnskretschen. Nördlich des Steiges verläuft die deutsch-tschechische Staatsgrenze, südlich befindet sich die Straße von Hřensko (Herrnskretschen) nach Mezní Louka (Rainwiese) und die Kamnitzklamm.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Gabrielensteig liegt am südlichen Rand eines ausgedehnten Felsreviers, dass sich in Richtung Nordwesten über den Großen Winterberg bis zu den Affensteinen und Schrammsteinen, in Richtung Norden bis zum Winterstein und Teichstein sowie in Richtung Osten bzw. Nordosten bis zum Großen Zschand und den Thorwalder Wänden erstreckt. Der Südrand dieses Felsreviers verfügt über markante Wandstrukturen, wie z. B. die Flügelwande (Křídelní stěna), mit Wandhöhen von teils über 100 Metern. Teilweise hat die Erosion die Wände auch zu markanten einzelnen Felsnadeln wie dem Großen Prebischkegel (Velký Pravčický kužel) aufgelöst.
Der Wandabbruch des Felsreviers ist wegen verschiedener Sandsteinformationen terrassenförmig ausgeprägt. Der Gabrielensteig liegt auf der oberen Terrasse des Abbruchs in einer Höhenlage von ca. 380–400 Metern und etwa 50–60 Meter unterhalb der obersten Felskanten.
Infolge des Waldbrandes 2022 bieten sich mittlerweile vom Weg zahlreiche Aussichten in Richtung Süden.
Verlauf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der knapp vier Kilometer lange Gabrielensteig verbindet das Prebischtor (Pravčická brána) mit dem Ziegenrückenweg, welcher wiederum Teil der historischen Verbindung von Rainwiese (Mezní Louka) über den Großen Zschand ins Kirnitzschtal ist. In aktuellen Karten werden auch der reichlich einen Kilometer lange Abschnitt des Ziegenrückenwegs bis Rainwiese (Mezní Louka) und der Abstieg vom Prebischtor zum Langen Grund (Dlouhý důl) dem Gabrielensteig zugerechnet.
Der Gabrielensteig umrundet in seinem Verlauf halbkreisförmig den oberen Teil des Prebischgrundes (Pravčický důl).
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Weg entstand im Zusammenhang mit der touristischen Erschließung der Region, die im 19. Jahrhundert maßgeblich vom Grundbesitzer des Gebietes, Fürst Edmund von Clary-Aldringen (1813–1894), initiiert und gefördert wurde. In diesem Zusammenhang wurde 1882 das neue repräsentative Hotel mit Restaurant Falkennest (Sokolí hnízdo) am Prebischtor und 1892 ein neues Luxushotel in Rainwiese (Mezní Louka) eröffnet. In der Literatur findet sich die Angabe, dass der Gabrielensteig um 1892 als neuer Promenadenweg und Verbindung dieser beiden touristischen Ziele angelegt wurde.[1]
Allerdings ist der Weg bereits auf einer Topographischen Karte von 1879 verzeichnet und auch als Gabrielensteig benannt.[2] Auf der um 1840 von Albert Schiffner erstellten Wege- und Reisekarte von der sächsisch-böhmischen Schweiz ist der Weg hingegen nicht eingetragen.[3]
Der neue Weg wurde nach der Schwester des Fürsten Leontine Gabriele von Clary und Aldringen als Gabrielensteig benannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weg in Julius-Fucik-Steig (Stezka Julia Fučíka) umbenannt. Namensgeber war der Kommunist und Schriftsteller Julius Fučík. Nach 1990 erfolgte die Rückbenennung in Gabrielensteig.
Seit dem Waldbrand in der Region im Sommer 2022 ist der Gabrielensteig bis voraussichtlich 2027 gesperrt.[4][5]
Kletterfelsen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Gabrielensteig liegt im Klettergebiet rund um das Prebischtor. Am Weg liegen etwa 20 Klettergipfel.[6]
Zu diesen gehört der Beckstein (Pevnost), der 1888 von der Seilschaft der deutschen Bergsteiger Carl Beck, Siegfried Meurer, Conrad Meurer und Friedrich Meurer erstmals bestiegen wurde. Diese Besteigung markiert, analog der Besteigung des Falkensteins in der Sächsischen Schweiz, den Beginn des sportlich motivierten Felskletterns in der Sächsischen Schweiz.[7] Weitere bekannte Klettergipfel sind das Jägerhorn (Lovecká trubka, Erstbesteigung 1888), der Zuckerhut (Homole, Erstbesteigung 1894 u. a. durch Oscar Schuster), der Große Prebischkegel (Velký Pravčický kužel, Erstbesteigung 1905), die Prebischnadel (Pravčická jehla, Erstbesteigung 1952) und der Flügelwandturm (Věž Křídelní stěny, Erstbesteigung 1969).[8]
Galerie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Luftbild mit dem Gabrielensteig im Bereich der Flügelwände (Křídelní stěna), oben links der Prebischgrund (Pravčický důl)
- Seit dem Waldbrand 2022 gesperrter Beginn des Gabrielensteigs am Prebischtor
- Wegetafel am Beginn des Gabrielensteigs am Prebischtor
- Historische Aufnahme des oberen Teils des Prebischgrunds (Pravčický důl) mit dem Kletterfelsen Zuckerhut (Homole), links unterhalb der Felswände ist der Gabrielensteig zu sehe
- Bergsteiger am Zuckerhut (Homole) am Gabrielensteig
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Peter Rölke (Hg.): Wander- und Naturführer Böhmische Schweiz. Berg- und Naturverlag Rölke, Dresden 2005, ISBN 3-934514-07-3
- Zuzana Varilova, Natalie Belisova (Hg.): Das Prebischtor. Das große Buch über das große Tor. Krasna Lipa 2010, ISBN 978-80-87248-07-2
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Peter Rölke (Hg.): Wander- und Naturführer Böhmische Schweiz. Berg- und Naturverlag Rölke, Dresden 2005, S. 134
- ↑ Topographische Karte (Äquidistantenkarte) Sachsen, Section Schöna, Ausgabe 1879
- ↑ Albert Schiffner: Wege- und Reisekarte der sächsisch-böhmischen Schweiz
- ↑ Aktuelle Meldungen. In: saechsische-schweiz.de. Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V., Pirna, 2024, abgerufen am 19. März 2024.
- ↑ Steffen Neumann: Böhmische Schweiz: Edmundsklamm für weitere drei Jahre gesperrt. In: saechsische.de. DDV Mediengruppe GmbH & Co. KG, Dresden, 15. März 2024, abgerufen am 19. März 2024.
- ↑ Karte der Klettergipfel im Prebischtorgebiet
- ↑ Informationen zur Kletterhistorie im Elbsandsteingebirge, Eintrag vom 21. August 2022
- ↑ Helmut Schulze: Kletterführer Böhmische Schweiz – die schönsten Türme und Wände. Panico Alpinverlag, Köngen 2023, ISBN 978-3-95611-168-6
Koordinaten: 50° 53′ 3,2″ N, 14° 17′ 33,3″ O