Formstein

Ein Formstein ist ein Ziegelstein, der abweichend von der üblichen Quaderform in einer besonderen Form gefertigt wurde, um eine besondere Funktion zu erfüllen, etwa als Firststein oder für einen Mauerwerksbogen. Es wird unterschieden zwischen Formmauerziegeln und Formdachziegeln.[1] Formsteine aus Beton nennt man Betonformsteine.
Beschreibung und Einsatzgebiete
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Formsteine als Formmauerziegel wurden oft in der Backsteingotik verwendet. Sie fallen durch eine reiche Formenvielfalt auf, darunter gedrehte Backsteine, die beispielsweise die Hauseingangsbereiche in der Reitende Diener-Straße in Lüneburg schmücken. Auch Tausteine kamen in der Spätgotik und Renaissance zur Fassadengestaltung zur Anwendung. Diese Steine waren wie gedrehte Seile (Taue) geformt. Aneinandergereiht verwendeten die Baumeister diese vor allem für Fenster- oder Türeinfassungen oder gestalteten damit Umrandungen von Medaillons oder Friesen.[2]
Im Mauerwerksbau des frühen 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Formsteine eingesetzt, die geeignete Elemente verschiedener historischer Stile abbildeten, abwandelten oder miteinander kombinierten. Alle Formsteine wurden katalogmäßig erfasst, um die Anpassung an neue Bauaufgaben zu ermöglichen. Besonders geformte Umrahmungsteine von Fenstern und Türen werden Faschenstein[3] genannt.
Der jahrhundertelang sichtbare Handstrich auf dem Ziegelstein wurde ab dem Ende des 19. Jahrhunderts von einem maschinellen Formgebungsverfahren abgelöst. Dabei konnten die glatten Oberflächen gepresster Steine in ihrer Wirkung durch verschiedenfarbige Glasuren gesteigert werden.
- Beispiele
- Gotische Schaufassade aus Formsteinen (St.-Peter-und-Paul-Kirche, Stettin)
- Formsteine an der Fassade zur Turnhalle des Turn-Klubbs zu Hannover (1865)
- Ausgebauter Formstein mit Wandanschluss
- Formstein als Faschenstein mit glasierter Sichtseite
- Scheitrechter Fenstersturz aus Formziegeln (Fagus-Werk, Alfeld; 1910–1911)
- Maßwerkfenster aus Formsteinen (Dorfkirche Pütte)
- Formdachziegel: First- und Gratziegel (Katalog, um 1900)
- Formdachziegel: Gratziegel (Amtsgericht Alfeld/Leine, fertiggestellt 1900)
Formstone
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz der Namensähnlichkeit darf Formstein nicht mit dem amerikanischen Formstone verwechselt werden, bei dem es sich um ein Verfahren zur Fassadenverkleidung mit Kunststein handelt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Antje Seidel: Die Backsteinstadt Lüneburg – Baukultur im Wandel der Jahrhunderte, Darstellung der in Lüneburg verwendeten speziellen Back-Form-Steinen (Weihnachtsbroschüre). Herausgegeben vom Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e. V., Bonn, 2014.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Beispiele aktueller Formsteine – aus der Produktpalette eines Herstellers
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Formstein, in: Willi Bender: Lexikon der Ziegel, S. 99; Onlinefassung auf dachziegelarchiv.de, abgerufen am 26. März 2026.
- ↑ Ansicht einer Rahmung mit Tausteinen von einem historischen Gebäude in Lüneburg.
- ↑ Faschenstein, in: Willi Bender: Lexikon der Ziegel, S. 78b; Onlinefassung auf dachziegelarchiv.de, abgerufen am 26. März 2026.