Fausto Agnelli
Fausto Agnelli (* 12. September 1879 in Lugano; † 17. Februar 1944 ebenda) war ein Schweizer Maler, Zeichner und Bildhauer des Symbolismus.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fausto Agnelli entstammte einer patrizischen Familie aus Lugano. Zwischen 1897 und 1900 war er an der Accademia di Brera in Mailand immatrikuliert, bildete sich im Wesentlichen jedoch autodidaktisch. 1909 stellte er in München aus. In den 1910er Jahren hielt er sich wiederholt in Venedig auf, wo er den Ca’ Pesaro frequentierte.[1]

1928 gewann er den Wettbewerb für das Adrien-Guex-Denkmal auf dem Gotthardpass. Sein Modell hatte er aus Knetmasse geformt.[2] Das Monument wurde am 18. August 1929 feierlich eingeweiht.[3][4] Im selben Jahr fand auch seine bedeutendste Einzelausstellung im Salon Brendlé in Zürich statt.[1]
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit veröffentlichte Agnelli kunstkritische Beiträge in der Tessiner Presse und war bei den Nationalen Kunstausstellungen in Genf (1922) und Zürich (1929) jeweils als Jurymitglied aktiv. Er starb 1944 mit 64 Jahren in Lugano. 1952 widmete ihm die Stadt in der Villa Ciani eine Retrospektive.[1]
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Agnellis Frühwerk ist stark vom Wiener Symbolismus um Gustav Klimt geprägt und zeigt Einflüsse des Pointillismus.[1][5] Letzterer war von Edoardo Berta, Pietro Chiesa und Filippo Franzoni im Tessin eingeführt worden.[6] Agnelli malte Bilder phantastisch-makabren Inhalts mit Masken und historisierenden Szenerien aus dem 18. Jahrhundert.[5] Eines seiner Hauptwerke ist das in den frühen 1910er Jahren entstandene Gemälde Symbolisches Motiv (Die Pfauenfrau), das sich im Besitz des Kantons Tessin befindet und im Museo d’arte della Svizzera italiana in Lugano aufbewahrt wird.[7][8] Das behandelte Sujet ist mysteriös; die dargestellten Pfauen sind ein typisches Motiv des Jugendstils. Die exotisch gewandete Frau in der Bildmitte spielt auf einer Lyra und verkörpert die Musik.[9]
In den 1930er Jahren widmete sich Agnelli zunehmend der Landschaftsmalerei, vornehmlich mit Veduten der Täler in der Umgebung seiner Heimatstadt Lugano.[1][5]
Agnelli schuf gelegentlich auch plastische Werke.
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Werke im MASILugano
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Museo d’arte della Svizzera italiana (MASI) in Lugano beherbergt die grösste Sammlung von Werken Agnellis. Folgende elf Ölgemälde werden hier aufbewahrt:
- Masken (Maschere), 33,5 × 23,5 cm
- Karneval (Carnevale), 33,7 × 33,7 cm
- 1905–1910: Soirée im 18. Jahrhundert (Soirée settecentesca), 100,5 × 100,5 cm
- 1910–1911: Sonnenuntergang bei der Villa Favorita (Tramonto alla Villa Favorita), 49,5 × 49,5 cm
- 1910–1915: Symbolisches Motiv (Soggetto simbolico),[7] auch: Die Pfauenfrau (La donna dei pavoni),[8] 100 × 100 cm
- 1915: Eingang der Villa Rusca – Cureglia (Entrata di Villa Rusca – Cureglia), 60,6 × 49,1 cm
- 1920–1925: Gaukleraufführung (Spettacolo di saltimbanchi), 37,5 × 38,8 cm
- 1925: Masken (Maschere), 60,3 × 60 cm
- ca. 1930: Das verlassene Haus (La casa abbandonata), 54,5 × 72,5 cm
- 1930: Tessiner Landschaft. Comano im Herbst (Paesaggio ticinese. Comano in autunno), 70 × 70 cm
- 1930er Jahre: Landschaft im Val Colla (Paesaggio in Val Colla), 54,7 × 100,3 cm
Werke im Museo Villa dei Cedri
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Im Museo Villa dei Cedri in Bellinzona befinden sich folgende vier Werke:
- 1910–1915: Ritter und Feen (Cavaliere e fate), Öl auf Leinwand, 98 × 100 cm
- 1920er Jahre: Totentanz (Skelettpaar, das auf einer Fledermaus reitet), Tusche auf Papier, 14,7 × 14,4 cm (Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft)
- 1920er Jahre: Tänzerin, Tusche auf Papier, 15 × 14,3 cm (Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft)
- Impressione carnevalesca, Öl auf Holz, 33,5 × 49,5 cm (Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft)
Weitere Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Adrien-Guex-Denkmal, 1928/29, Airolo
Weitere Werke sind in den Museen von Bern, Genf und Lausanne aufbewahrt.[5]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Fausto Agnelli. Esposizione personale a Villa Ciani – Museo Caccia. Lugano 1952.
- Christoph Vögele / Matteo Bianchi / Pascal Ruedin (Hrsg.): ~1900. Symbolismus und Jugendstil in der Schweizer Malerei. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich / Lausanne 2000.
- Gabriella Häfliger: Fausto Agnelli (1879–1944): vie et oeuvre. Universität Genf, 2000.
- Giulio Foletti: Fausto Agnelli. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 4. Juli 2002.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Matteo Bianchi: Fausto Agnelli. In: Sikart (Stand: 2004)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Matteo Bianchi: Fausto Agnelli. In: Sikart (Stand: 2004).
- ↑ Esposizione pro Monumento Guex. In: Gazzetta Ticinese. 3. April 1928, S. 2 (online).
- ↑ Fliegerehrung auf dem Gotthard. In: Der Bund. Abendausgabe. Band 80, Nr. 389, 22. August 1929, S. 5 (online).
- ↑ Denkmal für einen abgestürzten Flieger. In: Neue Zürcher Zeitung. Abendausgabe. Nr. 1596, 19. August 1929, S. 2 (online).
- 1 2 3 4 Giulio Foletti: Fausto Agnelli. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 4. Juli 2002.
- ↑ Mariangela Agliati Ruggia / Matteo Bianchi: Edoardo Berta. In: Sikart (Stand: 2018).
- 1 2 Soggetto simbolico. In: MASILugano. Abgerufen am 17. April 2026.
- 1 2 La donna dei pavoni. In: SIKART. Abgerufen am 17. April 2026.
- ↑ Fausto Agnelli. In: Le Nouvelliste. Nr. 264, 13. November 2000, S. 36 (online).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Agnelli, Fausto |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Maler, Zeichner und Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 12. September 1879 |
| GEBURTSORT | Lugano |
| STERBEDATUM | 17. Februar 1944 |
| STERBEORT | Lugano |