Fase

Die Fase ist eine schmale Fläche, welche durch das „Brechen“ oder Wegnehmen einer scharfen Kante bei einem Werkstück oder Bauteil mit dem Zweck entsteht, diese durch zwei neue stumpfere (also seitliche flachere) Kanten zu ersetzen – das sogenannte Abfasen, Anfasen, Abkanten oder Bekanten.[1] Die gefaste Kante ist robuster gegen Stöße und Abnutzung und hat eine geringere Verletzungsgefahr.
Fasen können auch ein Mittel der Gestaltung sein. Anwendung finden Fasen zum Beispiel bei Möbeln, Brettern zur Wand- und Deckenverkleidung, bei Betonfertigteilen oder auch Werkstücken aus Metall.
Herstellung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Anfasen erfolgt durch Fräsen oder Hobeln. Von Hand können Fasen auch durch Feilen erzeugt werden. Je nach Werkstoff sind Messer, Hobel, Schleifwerkzeuge oder Oberfräsen zum Anfasen geeignet. Zur Herstellung von Fasen bei Betonteilen muss vor dem Gießen in die Ecke der Schalung als Negativform eine entsprechende Dreikantleiste aus Holz, Stahl oder Kunststoff eingesetzt werden.[2]
An Bohrungen und Innengewinden wird eine Fase mittels eines Kegelsenkers hergestellt und wird Kegelsenkung genannt.
Formgebung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Regel hat die Fase an Werkstücken einen Winkel von 45° zur Ebene.[3] Bei Bohrungen oder Innengewinden sind auch Winkel von 60° üblich. Fasen sind in der Regel durchgängige Formgebungen an einer durchgängigen Werkstückkante. Wenn nur Abschnitte einer Kante bearbeitet werden, spricht man von einer abgesetzten Fase.

Fasen können auch als gestalterisches Mittel eingesetzt werden, beispielsweise im Möbelbau und beim Technischen Fachwerk. Bei mittelalterlichen Bauteilen (Hölzern, Steinen) sind die Fasenendungen besonders verziert gewesen.[5]
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fasen werden an Bauteilen häufig zur Entfernung von Graten, der Verringerung der Verletzungsgefahr und der Vereinfachung der weiteren Montage angebracht.
Zur Vorbereitung von Schweißnähten werden Bleche an den Stößen oft angefast. Bei Gipskartonplatten hobelt oder schneidet man die Kanten an den Stößen ab, damit sie leichter verspachtelt werden können.
Bei Innengewinden wird die Bohrung bzw. bei Außengewinden der Bolzen mit einer 45°-Fase versehen, die etwas größer als die Gewindetiefe sein sollte.[6] Dadurch wird das Herausdrücken der ersten Gewindegänge vermieden, und die Schneidwerkzeuge lassen sich leichter ansetzen.
Des Weiteren werden Fasen an Bauteilen angebracht, in die ein zweites Bauteil eingeführt werden muss. Die Fase dient dabei als Einführhilfe.
Eine alternative Kantenbearbeitung ist das Abrunden.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Oscar Mothes (Hrsg.): Illustrirtes Bau-Lexikon, Band 2: C bis G. 4. Auflage, Leipzig 1882, S. 295: Fase. (Digitalisat)
- Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 4. Januar 2024), S. 166.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Oscar Mothes (Hrsg.): Illustrirtes Bau-Lexikon, Band 1: A & B. 4. Auflage, Leipzig 1881, S. 8 f.: abfasen. (Digitalisat)
- ↑ Diethelm Bosold: Scharfe Kanten bei Sichtbeton. In: opus C, Heft 2.2007, S. 62–67, hier S. 62 f.
- ↑ Glossar des Sachverständigenvereins euroFEN, Raesfeld, abgerufen am 12. Juni 2026
- ↑ Oscar Mothes (Hrsg.): Illustrirtes Bau-Lexikon, Band 2: C bis G. 4. Auflage, Leipzig 1882, S. 295: Fase. (Digitalisat)
- ↑ Oscar Mothes (Hrsg.): Illustrirtes Bau-Lexikon, Band 2: C bis G. 4. Auflage, Leipzig 1882, S. 295: Fase. (Digitalisat)
- ↑ Gewinde. Archiviert vom ; abgerufen am 7. September 2026.