Muhlis Sabahattin Ezgi
Muhlis Sabahattin Ezgi (* 1889 in Adana; † 10. Februar 1947[1.1] in Heybeliada, Istanbul) war ein türkischer Komponist und Librettist, der vor allem durch seine Operetten und musiktheatralen Bühnenwerke bekannt wurde.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kindheit und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Muhlis Sabahattin Ezgis Vater Hurşit Bey stammte aus einer tscherkessischen Familie.[1.1] Er war Başmâbeyinci, der leitende Hofbeamte im Umfeld von Sultan Abdülaziz.[1][2] Nach der Absetzung des Sultans wurde die Familie zunächst nach Mardin,[1] später nach Adana verbannt.[1][2][3] Dort kam Ezgi zur Welt.[1][2][3] Seine Kindheit verbrachte er in Drama und Saloniki und erhielt seine erste musikalische Prägung im Elternhaus, in dem sein Vater Violine, Oud und Laute spielte. Während seiner Schulzeit erhielt er zunächst Klavierunterricht von seiner Mutter, Sinesaf Hanım, und komponierte bereits im Alter von elf Jahren in Saloniki sein erstes Lied.[1][2][3] 1904 kam er mit seiner Familie nach Istanbul und trat in das Galatasaray-Sultânîsi, eine höhere Schule nach französischem Vorbild und Vorläufer des heutigen Galatasaray Lisesi ein, wo er bei einer italienischen Musiklehrerin Klavier- und Musikunterricht erhielt.[1][2]
Journalismus und politische Tätigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der Wiedereinführung der Verfassung im Jahr 1908 (Zweite osmanische Verfassungsperiode) begann Ezgi als Journalist zu arbeiten und beteiligte sich an der politischen Publizistik in Istanbul. Er arbeitete für mehrere Zeitungen und gehörte mit Bezmi Nusret Kaygusuz und Suphi Nuri İleri zu den Herausgebern der regierungskritischen Zeitung Genç Türk. Ezgi schloss sich der Osmanlı Demokrat Fırkası (Osmanische Demokratische Partei) an, die sich nach 1908 als liberale Alternative zur Regierungspartei İttihat ve Terakki Cemiyeti positionierte und zwischen 1909 und 1911 bestand. Wegen seiner regierungskritischen Haltung wurde ihm untersagt, sich in Istanbul aufzuhalten und dort zu arbeiten, woraufhin er das Land verließ und nach Europa ging.[1][2][3]
Exil, Rückkehr und spätere Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach seiner Ausreise lebte Ezgi in mehreren europäischen Städten, wo er gemeinsam mit anderen türkischen Musikern eine Musikgruppe gründete und mit ihr auf Tournee ging. Danach hielt er sich eine Zeit lang in den Vereinigten Staaten auf.[1][3] 1918 kehrte er in das Osmanische Reich zurück, nachdem das gegen ihn verhängte Aufenthaltsverbot aufgehoben worden war.[1][2][3]
In den 1930er-Jahren gründete Ezgi in Istanbul die Operettentruppe „Muhlis’in Çocukları“, die später unter dem Namen „Süreyya Opereti“ auftrat. Die Gruppe trat am Süreyya-Opernhaus in Kadıköy auf und brachte mehrere seiner Operetten und Bühnenwerke zur Aufführung, die in dieser Zeit den Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens bildeten. Ezgi blieb bis in die frühen 1940er-Jahre im Musik- und Theaterleben Istanbuls aktiv. Er starb am 12. Februar 1947 im Sanatorium auf Heybeliada, Istanbul, und wurde auf dem Friedhof von Zincirlikuyu beigesetzt. Andere Quellen nennen den 10. Februar 1946 und die Beisetzung auf dem Mecidiyeköy Asrî Mezarlığı.[1.1][2][3]
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ezgi komponierte insgesamt 27 Operetten, Revuen und Orchesterstücke.[1][2][3] Zu seinen frühen Arbeiten gehört die 1917 uraufgeführte Operette Çaresaz.[1][2] In den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden weitere Bühnenwerke, darunter Gül Fatma, Ayşe, Asaletmaap und Monbey die zu seinen bekanntesten Kompositionen zählen.[3][2] Neben seinen Operetten schrieb Ezgi auch Filmmusiken. Er arbeitete mehrfach mit dem Regisseur Muhsin Ertuğrul zusammen und komponierte die Musik zu den Tonfilmen Karım Beni Aldatırsa, Milyon Avcıları und Söz Bir Allah Bir.[3][2]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d e f g h i j k Suat Yener: „Muhlis Sabahattin Ezgi (1889–1947)“, in: *Adana’da Musikiye Gönül Verenler*, Adana 2017, S. 83 ff., türkisch, online unter: http://www.turksanatmuzigi.org
- ↑ a b c d e f g h i j k l İsmail Baha Sürelsan: Ezgi, Muhlis Sabahattin. In: Türkiye Diyanet Vakfı İslâm Ansiklopedisi (DİA). 1995, abgerufen am 13. November 2025 (türkisch).
- ↑ a b c d e f g h i j Fatih Türkyılmaz: Son devir musikişinaslarından: Muhlis Sabahattin Ezgi. In: Anadolu Ajansı. 9. Februar 2021, abgerufen am 13. November 2025 (türkisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ezgi, Muhlis Sabahattin |
| KURZBESCHREIBUNG | Komponist und Theaterautor |
| GEBURTSDATUM | 1889 |
| GEBURTSORT | Adana |
| STERBEDATUM | 10. Februar 1947 |
| STERBEORT | Heybeliada, Istanbul |