Ewiger Seefriede

Der Ewige Seefrieden (englisch Perpetual Maritime Truce oder Perpetual Treaty of Maritime Peace) war ein 1853 geschlossener Vertrag zwischen dem Britischen Weltreich und mehreren Herrschern der später sogenannten Trucial States an der südlichen Küste des Persischen Golfs.[1]
Seine Vorgeschichte lag in den britischen Militäraktionen von 1809 und 1819 gegen die al-Qasimi und andere Küstengemeinschaften sowie im General Maritime Treaty of 1820, mit dem Großbritannien die Bekämpfung von Piraterie und Seeraub im Golf vertraglich absicherte.[2] Der Vertrag von 1820 beendete den britisch-qasimidischen Konflikt nicht vollständig, bildete aber die Grundlage einer britisch überwachten maritimen Ordnung an der sogenannten Piratenküste beziehungsweise späteren Vertragsküste.[3]
Nach 1835 vermittelte der britische Politische Resident im Persischen Golf, Samuel Hennell, wiederholt befristete Seewaffenstillstände, die vor allem die wirtschaftlich wichtige Perlenfischerei während der Saison schützen sollten.[3] Nach einer zehnjährigen Waffenruhe von 1843 wurde 1853 auf Empfehlung des Politischen Residenten ein unbefristeter Seefrieden geschlossen, der eine „vollständige Einstellung der Feindseligkeiten zur See“ und einen „vollkommenen maritimen Waffenstillstand für immer“ vorsah.[1] Zu den Unterzeichnern gehörten die Herrscher beziehungsweise Stammesführer von Umm al-Qaiwain, Adschman, Dubai, Abu Dhabi beziehungsweise der Bani Yas sowie Schardscha und Ras al-Chaima beziehungsweise der al-Qasimi. Auf britischer Seite wurde der Vertrag im Rahmen der Persian Gulf Residency von Henells Nachfolger Arnold Kemball abgeschlossen, deren Aufgabe es war, die Sicherheit der Seewege zwischen dem Persischen Golf und Britisch-Indien zu sichern.[3]
Der Vertrag verpflichtete die Herrscher, Angriffe zur See zu unterlassen, Übergriffe ihrer Untertanen zu bestrafen und im Streitfall nicht eigenmächtig Vergeltung zu üben, sondern die britischen Behörden einzuschalten.[4] Damit wurde Großbritannien zum Schiedsrichter maritimer Konflikte an der Vertragsküste, ohne zunächst eine umfassende direkte Kontrolle über die inneren Angelegenheiten der Scheichtümer zu übernehmen.[2] Zugleich schränkte der Vertrag die maritime Souveränität der Küstenherrscher ein, weil Fragen von Krieg, Vergeltung und Entschädigung zur See zunehmend über den britischen Residenten geregelt wurden.[5] Der Vertrag von 1853 war damit kein moderner Friedensvertrag zwischen souveränen Staaten im heutigen Sinn, sondern ein Instrument britischer Sicherheits- und Handelsordnung im Golf, das lokale Konflikte eindämmte und zugleich die politische Abhängigkeit der Küstenherrscher von Großbritannien vertiefte.
Aus der Reihe dieser Seefriedensverträge entwickelte sich die Bezeichnung Trucial States beziehungsweise Vertragsstaaten, die die Scheichtümer bis zur Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate 1971 prägte. Die Briten nahmen schließlich 1861 den Herrscher von Bahrain, 1899 Kuwait (de facto-Mitgliedschaft) und 1916 Katar in den Waffenstillstand auf.[3] Der Ewige Seefrieden trug zu einer deutlichen Verringerung maritimer Kriegführung im Golf bei und erleichterte die Einbindung der Küstenscheichtümer in ein britisch dominiertes Schutz- und Vertragssystem.[6] Diese Ordnung wurde später durch weitere Abkommen, insbesondere das Exklusivabkommen von 1892, ausgebaut, durch das die Herrscher ihre Außenbeziehungen faktisch an Großbritannien banden und sich verpflichteten, Land nur an Briten zu vergeben. Das Gesundheits- und Ausbildungswesen wurde von nun an nach britischem Vorbild aufgebaut. Erst Anfang der 1970er Jahre zogen die Briten sich zurück und entließen ihre Protektorate in die Unabhängigkeit, hauptsächlich aus Kostengründen und nicht auf Initiative der Emire.[3][7]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 British Era. In: National Library and Archives UAE. Abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 Soraya Morayef: Historical Profile: United Arab Emirates. In: Qatar Digital Library. 2014, abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 5 James Onley: Britain and the Gulf Shaikhdoms, 1820–1971: The Politics of Protection
- ↑ Maritime Peace in Perpetuity, Treaty of (1853). In: Encyclopedia.com. Abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Ali Al Youha: ‘Pirates’, ports, politics: The Gulf (khalīj) & international society’s expansion. In: Review of International Studies. 18. Oktober 2024, ISSN 0260-2105, S. 1–21, doi:10.1017/S0260210524000536 (cambridge.org [abgerufen am 29. Mai 2026]).
- ↑ Perpetual Maritime Truce of 1853. In: Encyclopaedia Britannica. Abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Was kommt nach dem Öl. Abgerufen am 29. Mai 2026.