Eva Linhart
Eva Linhart (* 20. Jahrhundert) ist eine aus der Tschechoslowakei stammende und seit 1968 in der Bundesrepublik Deutschland lebende freie Kunsthistorikerin, Kuratorin und Publizistin mit dem Schwerpunkt Kunst- und Bildtheorie an der Schnittstelle freie und angewandte Kunst. Als Kuratorin leitete sie von 2000 bis 2025 die Abteilung Buchkunst und Grafik am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eva Linhart studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie in Frankfurt am Main. Sie promovierte in Basel bei Gottfried Boehm zum Thema Künstler und Passion entlang der Christusdarstellungen von James Ensor.[1] Ihr Volontariat absolvierte sie beim Parkett-Verlag[2] in Zürich.
Ihre wichtigsten Ausstellungen sind: Almir Mavignier. Additive Plakate (2004),[3] Das richtige Buch. Johannes Gachnang als Verleger (2005),[4] Vom Stammbuch zum Souvenir d’amitié. Deutscher Schicksalsfaden (2006),[5] Gunter Rambow. Plakate (2007),[6] Květa Pacovská. Maximum Contrast (2008),[7] Tobias Rehberger. Flach. Plakate, Plakatkonzepte und Wandmalereien (2010),[8] Double Intensity. 30 Jahre Brinkmann & Bose (2012).[9] Mit der Ausstellung Give Love Back. Ata Macias und Partner (2014/2015)[10] fragte sie danach, was angewandte Kunst heute sein kann. Sie stellte in 172 neue Buchobjekte (2017)[11] die Neuerwerbungen von Künstlerbüchern zwischen Grafikdesign und Self-Publishing vor. Die Ausstellung Michael Riedel. Grafik als Ereignis (2018)[12] konzentrierte sich auf die Schnittstelle freie und angewandte Grafik. Unter dem Titel Erfolgsprogramm Künstlerbücher. Der Verlag der Buchhandlung Walther König (2022) würdigte sie die nach 1966 im Bereich bildende Kunst prägendste Verlegerpersönlichkeit und sein Umfeld. Zugleich thematisierte sie mit der Ausstellung die Rolle des Künstlerbuchs für die Entwicklung des Mediums Buch in einer zur ästhetischen Kommunikation sich erweiternden Wissenskultur.[13]
Zu ihren Forschungsgebieten als Bildwissenschaftlerin zählen neben der Genieästhetik, die Frage nach der ästhetischen Grenze sowie die Positionierung des künstlerischen Buchobjekts als performativer Kunstraum. Sie war Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen und Universitäten, um im Kontext der Problematik freie und angewandte Kunst die Doppelbegabung des Buchs zu thematisieren: Zum einen das Buch als Medium für Literatur, zum anderen das Buch als Künstlerbuch und damit in seiner Eigenschaft, Ausdrucksform bildender Kunst zu sein.[14]
In ihrer wissenschaftlichen Arbeit konzentriert sie sich auf die Hypothese, dass bildende Kunst unter dem Autonomiebegriff produktionsästhetisch und im Selbstbezug argumentiert, dass Grafikdesign als angewandte Kunst und damit als eine Kunst für die Lebenspraxis[15] hingegen ein rezeptionsästhetisches auf die Wirkung bedachtes Begründungsparadigma verlangt.[16]
2025 kuratierte Linhart zusammen mit Francesco Colli (Kunsthistoriker) und Sandra Doeller (Grafikdesignerin) die Ausstellung Text & Spirit. Erleuchtungsgrafik. Mittelalterliche Handschriften zwischen Alltagspraxis, Luxus und Glaube, die den gesamten Bestand illuminierter Handschriften des Museum Angewandte Kunst zeigte.[17] Die Ausstellung war zugleich ein Digitalisierungsprojekt, um sowohl die Einzelseiten aller Bücher als auch alle Fragmente der wertvollen und bislang nur wenig erforschten Sammlung der globalen Öffentlichkeit zum Entdecken zu übergeben.
Der interpretatorische Ansatz konzentrierte sich auf das Gebetbuch als Stundenbuch und seine mediale Funktionalität in Abhängigkeit von seinen Gestaltungsaspekten zwischen ornamentalen, illustrativen und textlichen Bildlichkeitsstrategien im Hinblick auf den im stündlichen Gebet angestrebten Übergang von der Welt des Alltags zur heilsbringenden Sphäre des Göttlichen. Die Frage, was wir mit den Stundenbüchern des Mittelalters heute anfangen können, bildete die zentrale Fragestellung. Um diese Thematik zum Schlüssel der Ausstellung werden zu lassen, wurde ein überdimensionaler goldener QR-Code zu ihrem Symbol und Informationsträger. In ähnlicher Weise spielte die Ausstellung andere Aspekte durch. Sei es, um den Status der Stundenbücher als wertvollste Gegenstände ihrer Zeit zu vermitteln, indem ein LED-Laufband die zehn teuersten Dinge heute und ihren Preis listete, oder der Katalog zur Ausstellung, der mit Tragegriffen versehen war, um der Rolle der Stundenbücher als Lebensbegleiter Ausdruck zu verleihen. Zwölf Video-Interviews[18] sowie ein Symposium[19] erlauben auch nach der Ausstellung eine Annäherung an diesen Sammlungsbestand.
Mit der Ausstellung Give Love Back Again – Pop-up Ausstellung und Event zum Erfolg eines Plakats zwischen Hommage, Kopie und Urheberrecht, die sie gemeinsam mit Sandra Doeller kuratierte, beendete Linhart ihre leitende Tätigkeit am Museum.[20]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Eva Linhart: Künstler und Passion – Ein Beitrag zur Genieästhetik der frühen Moderne, entwickelt an den Christusdarstellungen von James Sidney Ensor (1860 - 1949). Frankfurt am Main 2000.
- ↑ The PARKETT books and editions on contemporary art. Abgerufen am 9. Juli 2019 (englisch).
- ↑ Eva Linhart: Additive Plakate: = Additive posters. Ed. Menges, Stuttgart/London 2004, ISBN 978-3-932565-41-0 (dnb.de [abgerufen am 9. Juli 2019]).
- ↑ Das richtige Buch: Johannes Gachnang als Verleger; [anlässlich der Ausstellung "Das Richtige Buch. Johannes Gachnang als Verleger" im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, vom 19. Mai bis 17. Juli 2005]. Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-88270-105-0 (dnb.de [abgerufen am 9. Juli 2019]).
- ↑ Eva Linhart: Vom Stammbuch zum Souvenir d’amitié. Deutscher Schicksalsfaden. In: Birgit Gablowski (Hrsg.): Der Souvenir. Erinnerung in Dingen von der Reliquie zum Andenken. Wienand, Köln 2006, ISBN 978-3-87909-892-7, S. 201–242.
- ↑ Gunter Rambow - Plakate, posters: anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt vom 19. April bis zum 8. Juli 2007. Ed. Menges, Stuttgart/London 2007, ISBN 978-3-936681-19-2 (dnb.de [abgerufen am 9. Juli 2019]).
- ↑ Květa Pacovská – Maximum contrast: anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt vom 13. September 2007 bis 6. April 2008. Mined, Bargteheide/Paris 2008, ISBN 978-3-86566-005-3 (dnb.de [abgerufen am 9. Juli 2019]).
- ↑ Tobias Rehberger – flach: Plakate, Plakatkonzepte und Wandmalereien; [anlässlich der Ausstellung „Tobias Rehberger – Flach. Plakate, Plakatkonzepte und Wandmalereien“" im Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt vom 7. März bis zum 2. Mai 2010]. Distanz-Verl., Berlin 2010, ISBN 978-3-942405-00-3 (dnb.de [abgerufen am 9. Juli 2019]).
- ↑ Museum für Angewandte Kunst „Double Intensity“ – 30 Jahre Brinkmann + Bose Berlin 2011: B + B; [anlässlich der Ausstellung Double Intensity. 30 Jahre Verlag Brinkmann & Bose im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, ein Museum der Stadt Frankfurt am Main, vom 13. Oktober 2011 bis 15. Januar 2012]. Brinkmann + Bose, Berlin 2011, ISBN 978-3-940048-11-0 (dnb.de [abgerufen am 9. Juli 2019]).
- ↑ Give Love Back. Ata Macias und Partner – Frankfurt aM. Abgerufen am 9. Juli 2019 (deutsch).
- ↑ 172 neue Buchobjekte: Buchkunst und Grafik im Museum Angewandte Kunst weitergedacht. Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-88270-120-3 (dnb.de [abgerufen am 9. Juli 2019]).
- ↑ Museum Angewandte Kunst: Michael Riedel. Grafik als Ereignis: 9. Juni-14. Oktober 2018, Texte zur Ausstellung = June 9 to October 14, 2018, texts on the exhibition = Michael Riedel: Graphic art as event. Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt am Main 2018 (dnb.de [abgerufen am 9. Juli 2019]).
- ↑ Eva Linhart: Das Verlegen lieben. Ein kuratorischer Erfahrungsbericht zum Porträtcharakter der Ausstellung „Erfolgsprogramm Künstlerbücher. Der Verlag der Buchhandlung Walther König“ im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main im Sommer 2022. In: Viola Hildebrand-Schat (Hrsg.): Imprimatur. Ein Jahrbuch für Bücherfreunde. Nr. 28. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-447-12017-3, S. 71–92.
- ↑ Eva Linhart: Susanne Bieri im Dialog mit Eva Linhart. In: Susanne Bieri (Hrsg.): Swiss Artists' Books. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2022, ISBN 978-3-7533-0212-6, S. 239 ff.
- ↑ Eva Linhart: Abenteuer Kunsthandwerk. In: Sabine Runde (Hrsg.): Kunsthandwerk ist Kaktus : die Sammlung seit 1945 / Museum Angewandte Kunst. Arnoldsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-89790-649-5, S. 42–52.
- ↑ HFBK: Essay aus dem Lerchenfeld #48: Grafikdesign denken. Abgerufen am 9. Juli 2019.
- ↑ Text & Spirit. Erleuchtungsgrafik. Mittelalterliche Handschriften zwischen Alltagspraxis, Luxus und Glaube. Ausstellung im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main. Abgerufen am 19. Januar 2026.
- ↑ 12 Videointerviews zur Ausstellung Text & Spirit. Erleuchtungsgrafik. Mittelalterliche Handschriften zwischen Alltagspraxis, Luxus und Glaube. Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main. Abgerufen am 19. Januar 2026.
- ↑ Museum & Leben. Öffentliches Symposium zur Ausstellung Text & Spirit. 24-25. April 2025, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main. Abgerufen am 19. Januar 2026.
- ↑ Give Love Back Again – Pop-up Ausstellung und Event zum Erfolg eines Plakats zwischen Hommage, Kopie und Urheberrecht. Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main 2025. Abgerufen am 19. Januar 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Linhart, Eva |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Kunsthistorikerin |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |