In der Mathematik versteht man unter der (gewöhnlichen) erzeugenden Funktion einer Folge
die formale Potenzreihe
.
Sie findet Verwendung in der Kombinatorik, Analysis, Algebra, Zahlentheorie, Wahrscheinlichkeitstheorie und in der Diskreten Mathematik.
Zum Beispiel ist die erzeugende Funktion der unendlichen konstanten Folge
die geometrische Reihe

Die Reihe konvergiert für alle
und gegen den Wert

Wegen der Verwendung formaler Potenzreihen spielen allerdings im Allgemeinen Konvergenzfragen keine Rolle –
ist lediglich ein Symbol. Diese explizitere Darstellung als Potenzreihe ermöglicht oft Rückschlüsse auf die Folge.
Es gelten folgende Identitäten für die elementaren Funktionen:
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erzeugende Funktion der
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Folge der natürlichen Zahlen
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Folge der Quadratzahlen
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geometrischen Folge
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Mit dem Kürzel
wird die Bellsche Zahlenfolge dargestellt.
Die erzeugenden Funktionen mancher Zahlenfolgen sind nicht elementar beschaffen. Durch Srinivasa Ramanujan, Richard Dedekind und Leonhard Euler wurden folgende erzeugende Funktionen für die reguläre Partitionszahlenfolge
und die strikte Partitionszahlenfolge
ermittelt:
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Mit dem Buchstaben
werden die elliptischen Theta-Nullwertfunktionen ausgedrückt.
Stellt man eine Folge als erzeugende Funktion dar, entsprechen bestimmte Manipulationen der Folge entsprechenden Manipulationen der erzeugenden Funktion.
Betrachten wir z. B. die Folge
mit der erzeugenden Funktion

Ableiten ergibt

Das entspricht der Folge
Multiplikation mit
ergibt

Wir erhalten also die Folge
Ableiten einer erzeugenden Funktion entspricht also der Multiplikation des
-ten Gliedes der Folge mit
und anschließender Indexverschiebung nach links, Multiplikation mit
entspricht einer Verschiebung der Indizes nach rechts.
Betrachten wir eine weitere Folge
mit der erzeugenden Funktion
.
Multipliziert man
mit der erzeugenden Funktion
von oben gemäß der Cauchy-Produktformel erhält man

Der n-te Koeffizient des Produkts ist also von der Form
. Das ist genau die Partialsumme der ersten
Koeffizienten der ursprünglichen erzeugenden Funktion. Die Multiplikation einer erzeugenden Funktion mit
liefert somit die Partialsummen.
Eine Übersicht über weitere mögliche Manipulationen liefert die folgende Tabelle:
| Folge |
erzeugende Funktion
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ist die erzeugende Funktion der Folge
,
die der Folge
.
Erzeugende Funktionen sind ein wichtiges Hilfsmittel für das Lösen von Rekursionen und Differenzengleichungen sowie für das Zählen von Zahlpartitionen. Die punktweise Multiplikation einer erzeugenden Funktion mit der Identität
entspricht der Verschiebung der modellierten Folgeglieder um eine Stelle nach hinten, wobei vorn, als neues Glied mit dem Index
, eine
angefügt wird. Angenommen, wir haben die
Rekursion
zu lösen, dann ist
, und es gilt für die erzeugende Funktion

also

Auflösen nach F liefert

Wir wissen aber aus dem vorhergehenden Abschnitt, dass dies der Reihe
entspricht, also gilt
nach Koeffizientenvergleich.
Es gibt neben der gewöhnlichen erzeugenden Funktion noch weitere Typen von erzeugenden Funktionen. Manchmal erweist es sich als zweckmäßig, Folgen mit Hilfe der folgenden (nicht-gewöhnlichen) erzeugenden Funktionen zu betrachten.
Die exponentiell erzeugende Funktion (oder erzeugende Funktion vom Exponentialtyp) einer Folge
ist die Reihe

Die Exponentialfunktion
ist z. B. die exponentiell erzeugende Funktion der Folge
.
Die Dirichlet-erzeugende Funktion einer Folge
ist die Reihe

Sie ist benannt nach Peter Gustav Lejeune Dirichlet.
Die Riemannsche Zetafunktion
ist z. B. die Dirichlet-erzeugende Funktion der Folge
.
Liegen alle
zwischen 0 und 1 und summieren sich zu 1 auf, so nennt man die erzeugende Funktion dieser Reihe auch wahrscheinlichkeitserzeugenden Funktion. Sie spielt z. B. eine Rolle bei der Berechnung von Erwartungswerten und Varianzen sowie bei der Addition von unabhängigen Zufallsvariablen.
Sei
die gewöhnliche erzeugende Funktion von
und sei
die unilaterale Z-Transformation von
. Der Zusammenhang zwischen der erzeugenden Funktion und der Z-Transformierten ist

Aus einer Tabelle von Z-Transformationen kann man damit die entsprechenden erzeugenden Funktionen gewinnen und umgekehrt.
Beispiel: Es ist
Damit ergibt sich
