Eric Foster
Eric Foster (* 11. Mai 1903 in London; † 26. März 2006 in Gloucestershire) war eine Reisekaufmann und Flugnavigator und mehrfacher Flüchtling aus Kriegsgefangenenlagern im Zweiten Weltkrieg, dessen Taten den Film Gesprengte Ketten inspirierten.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Er besuchte die St. Paul’s School und das Loughborough College. Vor dem Krieg arbeitete er als Trichologe, lernte nebenbei fliegen, baute ein Flugzeug und ging Bergsteigen.
1940 meldete er sich im Alter von 36 Jahren freiwillig zur Royal Air Force und diente als Flight Lieutenant / Navigator bei der No. 38 Squadron des Bomber Command. Im Juni desselben Jahres wurde sein Flugzeug über Belgien abgeschossen. Er sprang in 120 Metern Höhe mit dem Fallschirm ab und brach sich bei der Landung beide Beine, war aber das einzige überlebende Besatzungsmitglied. Trotz seiner Verletzungen versuchte er zu fliehen, wurde jedoch aufgegriffen und in ein Kriegsgefangenenlager in Homark nahe der polnischen Grenze gebracht. Von dort gelang ihm, trotz seiner Verletzungen, die Flucht über eine Feuertreppe. Nach seiner Wiederergreifung wurde er ins Oflag IX/A auf Schloss Spangenberg nordwestlich von Frankfurt gebracht. Von dort floh er, als Mitglied der Hitlerjugend verkleidet. Zu Fuß und mit dem Zug erreichte er die Schweizer Grenze, bevor seine wahre Identität aufgedeckt wurde. Nach einer Verfolgungsjagd wurde er gefasst und in Einzelhaft genommen.
Nach einer weiteren Zeit in Einzelhaft wurde Foster in das eigens dafür errichtete, vermeintlich ausbruchsichere Stalag Luft III bei Sagan, nördlich von Breslau, verlegt. Dort entwickelte er prompt einen weiteren raffinierten Fluchtplan. In der Nacht des 24. März 1944 wurde das Stalag Luft III zum Schauplatz des größten von britischen Truppen angeführten Kriegsgefangenenausbruchs des Zweiten Weltkriegs. Über 200 Offiziere sollten fliehen und hatten drei Tunnel – Tom, Dick und Harry – unter dem sandigen Boden des Lagers gegraben. Durch Harry, den längsten und aufwendigsten Tunnel, entkamen 76 Männer, bevor die Deutschen alarmiert wurden. Nur drei erreichten ihre Heimat, die übrigen wurden wieder gefasst, und 50 von ihnen wurden auf Befehl aus Berlin ermordet.
Fosters nächstes Lager war Schubin im Nordwesten Polens. Die Bedingungen dort waren so katastrophal, dass mehrere Gefangene starben. Die Ruhr grassierte, und die Flucht wurde zum Überlebenskampf. Acht Monate lang gruben Kriegsgefangene Tunnel unter dem Lagergelände, doch die Deutschen entdeckten die Ausgrabungen.
Nachdem er sich eingehend mit den Symptomen psychischer Störungen auseinandergesetzt hatte, machte sich Foster daran, die Deutschen und seine Mitgefangenen von seiner Geisteskrankheit zu überzeugen. Wenn es ihm gelänge, alle, insbesondere das Internationale Rote Kreuz und neutrale Beamte, von seinem Wahnsinn zu überzeugen, hätte er eine Chance auf Repatriierung.
Er schaffte es und kam 1944 in seine Heimat nach London zurück. Doch der Empfang dort war nicht der, den er erwartet hatte. Nachdem er seine Bewacher von seinem Wahnsinn überzeugt hatte, musste er nun die britischen Behörden vom Gegenteil überzeugen. Später antwortete er jedem, der ihn für geisteskrank hielt: „Ich bin es nicht, und ich kann es beweisen.“
Nach der Demobilisierung als Staffelkapitän 1945 heiratete er seine aus Frankreich stammende Verlobte Mignonne und führte ein erfolgreiches Reisebüro in Südwestengland, das sich auf Alpenurlaube spezialisiert hatte. Zudem wurde er Gemeinderat in Bishop’s Cleeve bei Cheltenham. Im Ruhestand zog das Paar nach Spanien, wo Mignonne 1983 starb. Foster blieb zunächst dort, packte aber schließlich im Alter von 95 Jahren sein Auto, fuhr zurück nach Cheltenham und kandidierte er erneut. Obwohl er gesundheitlich angeschlagen war, übte er sein Amt bis zu seinem Tod im Alter von 102 Jahren aus.
Film
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1963 erschien der Film Gesprengte Ketten, der teilweise auf dem Buch The Great Escape von Paul Brickhill basierte und in dem Steve McQueen als fiktiver amerikanischer Soldat Virgil Hilts, der „Kühlerkönig“, zu den besetzten Schauspielern gehörte. Als die Filmproduzenten nach Handlungssträngen suchten, lieferte der Ruf des mehrfachen Ausbrechers Eric Foster die Hintergrundgeschichte für die von McQueen dargestellte Figur. Foster war zudem als technischer Berater am Film beteiligt. Ironischerweise war er, obwohl er sich während des Ausbruchs in Sagan aufhielt, nicht daran beteiligt. Dennoch hatte er fieberhaft einen Plan für seine Heimreise ausgearbeitet.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dorrien Belson: Caught! Prisoner-of-war no. 487. Bentwyck Henry Publishers, Henley-on-Thames 2003, ISBN 1-904538-01-0
- Paul Brickhill (Autor), Ley Kenyon (Zeichnungen): The Great Escape. Faber & Faber, London 1951
- Jimmy Graham, Jack Thomas: Joe in Germany. Surrey Fine Art Press, Redhill 1946
- Mark Felton: Zero Night. The Untold Story of World War Two's Most Daring Great Escape. Icon Books, London 2014, ISBN 978-1-84831-792-5
- Eric Foster: Life Hangs by a Silken Thread. An Autobiography by Squadron Leader Eric Foster. Astia Publishing, Gloucestershire 1992, ISBN 0-9518983-0-2
- John Mansel: The Mansel Diaries. The Diaries of Captain John Mansel. Privatdruck, 1977, ISBN 0-9503911-1-5
- Peter Tunstall: The Last Escaper. Duckworth, London 2014, ISBN 978-0-7156-4923-7
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Diana Condell: Obituary: Squadron Leader Eric Foster, The Guardian, 11. Mai 2006 (britisches Englisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Foster, Eric |
| KURZBESCHREIBUNG | Reisekaufmann und Flugnavigator |
| GEBURTSDATUM | 11. Mai 1903 |
| GEBURTSORT | London |
| STERBEDATUM | 26. März 2006 |