Emil Emmert
Emil Emmert (* 1. Dezember 1844 in Bern; † 1911 ebenda) war ein Schweizer Ophthalmologe und Titularprofessor für Augenheilkunde an der Universität Bern. Er erlangte internationale Bekanntheit durch die Entdeckung und mathematische Formulierung des Emmertschen Gesetzes, welches die menschliche Größenwahrnehmung und die visuelle Skalierung von Nachbildern im Auge beschreibt.[1][2]
Leben und familiärer Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Emil Emmert wurde 1844 in ein akademisch und medizinisch geprägtes familiäres Umfeld hineingeboren. Sein Vater war der namhafte Rechtsmediziner, Chirurg und Berner Universitätsprofessor Karl Emmert (1813–1903). Sein Onkel war der Medizinprofessor Heinrich Wilhelm Emmert (1809–1886). Diese familiäre Prägung legte den Grundstein für Emmerts wissenschaftliche Laufbahn. Er absolvierte seine medizinische Ausbildung in seiner Geburtsstadt Bern und schloss diese im Jahr 1868 mit dem medizinischen Staatsexamen sowie der Promotion zum Doktor der Medizin ab. Im Anschluss unternahm er eine mehrjährige Studienreise zu führenden europäischen Zentren der Ophthalmologie. Er vertiefte seine Kenntnisse in Berlin unter Albrecht von Graefe, in Wien bei Ferdinand von Arlt sowie in Utrecht bei Franciscus Cornelis Donders und Hermann Snellen. Ab 1870 kehrte er dauerhaft nach Bern zurück, um dort als niedergelassener Augenarzt zu wirken. Er habilitierte sich als Privatdozent und stieg später zum außerordentlichen Titularprofessor an der Universität Bern auf, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1911 lehrte.[3]
Wissenschaftliches Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Emmertsche Gesetz (1881)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1881 publizierte Emmert in den Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde seine wegweisenden Experimente zur menschlichen Gesichtswahrnehmung. Durch die Untersuchung von optischen Nachbildern erkannte er, dass die scheinbare Größe eines Objekts auf der Netzhaut bei konstantem Sehwinkel proportional zur wahrgenommenen Entfernung des Hintergrunds skaliert. Betrachter, die ein fixiertes Netzhautnachbild auf eine weiter entfernte Wand projizieren, nehmen dieses visuell vergrößert wahr. Das Phänomen wird bis heute in der Sinnesphysiologie und Psychologie als Emmertsches Gesetz gelehrt.
Schulhygiene und Sehkraftuntersuchungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben der theoretischen Grundlagenforschung engagierte sich Emmert stark im Bereich der frühen Schulhygiene. Im Jahr 1876 untersuchte er im Kanton Bern die Refraktions- und Akkommodationsverhältnisse von über 2000 Schulkindern. Ziel dieser großangelegten empirischen Feldstudie war es, den negativen Einflüssen schlechter Schulraumbeleuchtung und fehlerhafter Schulbänke auf die frühzeitige Entwicklung von Kurzsichtigkeit (Myopie) entgegenzuwirken. Seine Berichte dienten Pädagogen und Medizinern in der Schweiz als Argumentationsbasis zur Optimierung des Schulalltags.[4]
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Organe des Sehens in den verschiedenen Thierkreisen. / Über die Farben und ihre Beziehungen zum menschlichen Auge. Jent & Reinert, Bern 1872.
- Gesichtswahrnehmungen und Sinnestäuschungen. Bern 1873.
- Ueber Refractions- und Accommodations-Verhältnisse des menschlichen Auges: Im Allgemeinen sowie Speziell nach Schuluntersuchungen in den Cantonen. B.F. Haller, Bern 1876.
- Grösserverhältnisse der Nachbilder. In: Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde, Band 19, 1881, S. 443–450.
- Auge und Schädel: Ophthalmologische Untersuchungen. Berlin 1886.
Nachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ E. B. Streiff: THE GENEALOGY OF ОРHТHALMIC TEACHING IN SWITZERLAND. In: Hist. Ophthal. intern. 2, 407 - 430 (1982). 1982, S. 414, abgerufen am 1. Juni 2026 (englisch).
- ↑ ALS - Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift. by Emmert, Emil -: (1873) Manuscript / Paper Collectible | Antiq. F.-D. Söhn - Medicusbooks.Com. Abgerufen am 1. Juni 2026 (englisch).
- ↑ J. Hirschberg: Geschichte der Augenheilkunde VIII. In: HANDBUCH DER GESAMTEN AUGENHEILKUNDE BEGRÜNDET VON A. GRAEFE UND TH. SAEMISCH, FORTGEFÜHRT VON C. HESS. 1918, S. 28, abgerufen am 1. Juni 2026.
- ↑ Autor ungenannt: Anfänge der Schulhygiene in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: uplopen.com. 2020, S. 43–44, abgerufen am 1. Juni 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Emmert, Emil |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Ophthalmologe und Titularprofessor für Augenheilkunde an der Universität Bern |
| GEBURTSDATUM | 1. Dezember 1844 |
| GEBURTSORT | Bern |
| STERBEDATUM | 1911 |
| STERBEORT | Bern |