Dravertit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form von mehrere Quadratzentimeter großen und bis zu einem Zentimeter dicken, sphärolithischen Krusten auf Basaltschlacken entdeckt werden, die von 0,08mm großen, groben Kristallen mit einer rauen Oberfläche gebildet werden.[4] In reiner Form ist Dravertit farblos und durchsichtig mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Durch Fremdbeimengungen kann er eine hellblaue, grünlich getönte oder hellbraune Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.
Entdeckt wurde Dravertit (russischДравертит) erstmals an der Fumarole Arsenatnaja (übersetzt „Arsenat-Fumarole“) am zweiten Schlackenkegel des Vulkans Tolbatschik auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten Russlands. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch Igor V. Pekov, Natalia V. Zubkova, Atali A. Agakhanov, Vasiliy O. Yapaskurt, Nikita V. Chukanov, Dmitry I. Belakovskiy, Evgeny G. Sidorov und Dmitry Y. Pushcharovsky. Benannt wurde das Mineral nach dem Mineralogen, Geologen, Dichter und Science-Fiction-Autor Pjotr Ljudowikowitsch Drawert (englischPetr Lyudovikovich Dravert, russischПётр Людо́викович Дра́верт[6]; 1879–1945), um dessen bedeutende Beiträge zur Mineralogie Sibiriens und zur Erforschung der sibirischen Mineralvorkommens zu ehren.[4]
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 2014 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 2014-104[1]), die den Dravertit als eigenständige Mineralart anerkannte. Bestätigt wurde dies im Folgejahr durch im Newsletter 25 der IMA/CNMNC. Die ausführliche Erstbeschreibung wurde 2017 im Fachmagazin European Journal of Mineralogy veröffentlicht.
Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation ordnet den Dravertit wie die Lapis-Systematik in die Abteilung der „Sulfate (Selenate usw.) ohne zusätzliche Anionen, ohne H2O“ (englischSulfates (selenates, etc.) without additional anions, without H2O) ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ (englischWith medium-sized cations) mit der Systemnummer 7.AB. zu finden. Eine weitergehende Einordnung in eine bestimmte Gruppe verwandter Minerale wurde bisher nicht vorgenommen (vergleiche dazu auch gleichnamige Unterabteilung in der Klassifikation nach Strunz (9. Auflage)).[10]
Bei natürlichen Dravertiten können diese Werte je nach Bildungsbedingungen (Druck, Temperatur, Stofftransport) geringfügig abweichen und auch Fremdbeimengungen enthalten sein. So ergab die Analyse, bestehend aus 7 Messungen mit der Elektronenmikrosonde am Typmaterial vom zweiten Schlackenkegel des Tolbatschik, eine durchschnittliche Zusammensetzung von 31,18Gew.-%CuO (27,89–34,80), 11,00Gew.-%MgO (8,59–13,71) und 54,76Gew.-%SO3 (53,43–55,90) sowie zusätzliche Beimengungen von 2,62Gew.-%Zinkoxid (ZnO; 2,12–3,08) und 0,16Gew.-%Mangan(II)-oxid (MnO; 0,13–0,18). Basierend auf 8 Sauerstoffatomen ergab sich daraus die empirische Formel Mg0,79Mn0,01Cu1,14Zn0,09S1,99O8, die zur eingangs genannten Formel idealisiert wurde.[11]
Außer an den genannten Fumarolen am Tolbatschik auf Kamtschatka konnte das Mineral bisher nur noch in Mineralproben vom Vesuv in der italienischen Region Kampanien entdeckt werden (Stand 2025).[12]
Ulf Hålenius, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 25. New minerals and nomenclature modifications approved in 2015. In: Mineralogical Magazine. Band79, 2015, S.529–535 (englisch, rruff.info[PDF; 87kB; abgerufen am 15.Juli 2025]).
Igor V. Pekov, Natalia V. Zubkova, Atali A. Agakhanov, Vasiliy O. Yapaskurt, Nikita V. Chukanov, Dmitry I. Belakovskiy, Evgeny G. Sidorov, Dmitry Y. Pushcharovsky:Dravertite, CuMg(SO4)2, a new mineral species from the Tolbachik volcano, Kamchatka, Russia. In: European Journal of Mineralogy. Band29, 2017, S.323–330 (englisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 15.Juli 2025]).
O. C. Gagné, D. I. Belakovskiy, F. Cámara:New mineral names. In: American Mineralogist. Band103, 2018, S.657–663;hier:659–660, Dravertite (englisch, rruff.info[PDF; 366kB; abgerufen am 15.Juli 2025]).
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234567Igor V. Pekov, Natalia V. Zubkova, Atali A. Agakhanov, Vasiliy O. Yapaskurt, Nikita V. Chukanov, Dmitry I. Belakovskiy, Evgeny G. Sidorov, Dmitry Y. Pushcharovsky:Dravertite, CuMg(SO4)2, a new mineral species from the Tolbachik volcano, Kamchatka, Russia. In: European Journal of Mineralogy. Band29, 2017, S.323–330 (englisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 15.Juli 2025]).
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Dravertite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 108kB; abgerufen am 15.Juli 2025]).
123456Dravertite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 15.Juli 2025(englisch).
↑Ulf Hålenius, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 25. New minerals and nomenclature modifications approved in 2015. In: Mineralogical Magazine. Band79, 2015, S.529–535 (englisch, rruff.info[PDF; 87kB; abgerufen am 15.Juli 2025]).
↑Classification of Dravertite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 15.Juli 2025(englisch,siehe auch Anker „Strunz-Mindat“).
↑O. C. Gagné, D. I. Belakovskiy, F. Cámara:New mineral names. In: American Mineralogist. Band103, 2018, S.657–663;hier:659–660, Dravertite (englisch, rruff.info[PDF; 366kB; abgerufen am 15.Juli 2025]).
↑
Fundortliste für Dravertit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 15. Juli 2025.