Domfriedhof II
Der Domfriedhof II befindet sich in der Müllerstraße 72/73 im Ortsteil Wedding des Berliner Bezirks Mitte. Er gehört zur evangelischen Domgemeinde in Berlin-Mitte.


Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Friedhof liegt nordöstlich der Müllerstraße nördlich des U-Bahnhofs Rehberge auf einem schmalen Geländestreifen. Er ist 4,4 Hektar groß,[1] grenzt an das Englische Viertel und wird im mittleren Teil von einer breiten Querpromenade durchzogen.[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1870 erwarb die Berliner Oberpfarr- und Domgemeinde die Fläche in der Müllerstraße als Ergänzung zu ihrem bisherigen kleinen Friedhof in der Liesenstraße. 1895 wurde eine neugotische Kapelle aus roten Backsteinen nach Plänen des Dombaumeisters Ernst Schwartzkopff erbaut. Sie wurde 1951 unter der Leitung von Friedrich Schmidt erneuert und umgebaut.[3]
2020 gab es 152 Kriegsgräber und auf einer Fläche von 72 m² eine Sammelgrabstelle mit Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft.[4][5] Bestattungen sind auch für Angehörige anderer Konfessionen und Konfessionslose möglich.
Grabstätten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem Domfriedhof gibt es ein denkmalgeschütztes Wandgrabmal, vier Ehrengräber des Landes Berlin und weitere Grabstätten. Außerdem stehen dort ein mehrere Meter hohes Sandsteinkreuz von 1901, das einem keltischen Kreuz ähnelt, sowie die Skulptur einer Trauernden vor einem großen Kreuz. Auf einem Gedenkstein sind die Namen der Domprediger seit 1777/1786 angegeben, von denen viele auch hier bestattet wurden.
Denkmalgeschütztes Grabmal
- Albrecht Türrschmiedt (1821–1871), Betonfachmann (Wandgrabmal von 1877)[6]
Ehrengräber des Landes Berlin (Stand: 2025)[7]
- Leopold von Gerlach (1757–1813), Oberbürgermeister während der napoleonischen Besatzung
- Albert Emil Brachvogel (1824–1878), Schriftsteller
- Karl Richard Lepsius (1810–1884), Begründer der modernen Ägyptologie
- Heinrich Grüber (1891–1975), Propst, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
Ehemalige Ehrengräber des Landes Berlin
- August Merget (1801–1877), Seminarlehrer (Ehrengrab 1984–2005)
- Paul Gurk (1880–1953), Maler und Schriftsteller (Ehrengrab 1987–2009)
Weitere erhaltene Grabstätten
Domprediger
- Wilhelm von Hengstenberg (1804–1880)
- Rudolf Kögel (1829–1896)
- Ernst Dryander (1843–1922)
- Bruno Doehring (1879–1961)
Weitere Grabstätten (es ist unklar, ob diese Gräber noch bestehen)
- August Friedrich Wilhelm Sack (1703–1786), Domprediger, umgebettet aus dem Friedhof Elisabethstraße[8]
- Agnes Pappenheim, geborene Uschner († 1871), Mutter von Gertrud Pappenheim[9]
- Oswald Gette (1872–1941), Maler[10]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans-Jürgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berlin-Mitte. Das Lexikon. Stapp, Berlin 2001, S. 182 (kurzer Auszug), mit einigen Details
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Domfriedhof II Volksbund Deutscher Kriegsgräberstätten, mit einigen Informationen
- Domfriedhöfe Berliner Dom (PDF), S. 14–24
- Domfriedhöfe Berliner Dom
- Domfriedhof II Find A Grave, mit 251 Einträgen
- Domfriedhof II Berlin Geschichte (nach Mende/Wernicke, 2001)
- Suche nach Domfriedhof II. In: Deutsche Digitale Bibliothek
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Der Ev. Dom-Friedhof II in Berlin-Wedding. In: bestattung-information.de. Abgerufen am 25. Mai 2026.
- ↑ Domfriedhöfe Berliner Dom (PDF), S. 14, detaillierte Karte mit einzelnen Flächen
- ↑ Domfriedhof II Berlin Geschichte, nach Mende/Wernicke, 2001, S. 182
- ↑ Domfriedhof II Denkmalprojekt, mit einzelnen Gräbern
- ↑ Domfriedhof II Volksbund Deutsche Kriegsgräberstätten, mit den Zahlen der erhaltenen Kriegsgräber
- ↑ Denkmalgeschützte Objekte auf dem Domfriedhof II Denkmaldatenbank Berlin, mit einen Grabmal
- ↑ Domfriedhof II Volksbund Deutsche Kriegsgräberstätten, 2020, mit diesen Namen
- ↑ Mark Pockrandt, Biblische Aufklärung. Biographie und Theologie der Berliner Hofprediger August Friedrich Wilhelm Sack und Friedrich Samuel Gottfried Sack, de Gruyter, Berlin/New York 2003, S. 146 Anm. 252
- ↑ Rengha Rodewill, Die Pappenheims. Aus den Tagebüchern einer Berliner Familie, 2022, S. 48
- ↑ Eberhard Roters, Wolfgang Jean Stock (Hrs.), Weltstadt Sinfonie. Berliner Realismus 1900 – 1950, 1984, S. 130
Koordinaten: 52° 33′ 28,6″ N, 13° 20′ 15,1″ O