Zum Inhalt springen

Dime Defense

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Penn State (in weiß) in der Dime Defense.

Die Dime Defense ist eine Personalauswahl der Defense im American Football. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sechs Defensive Backs auf dem Feld stehen, also zwei mehr als in den Grundformationen 4-3 Defense und 3-4 Defense und einer mehr als in der Nickel Defense. Der sechste Defensive Back wird Dimeback genannt. Der Name knüpft an die Nickel Defense an, denn zwei Nickel ergeben einen Dime.

Die verbreitetste Form ist die 4-1-6 mit vier Defensive Linemen, einem Linebacker und sechs Defensive Backs. Seltener ist die 3-2-6. Gespielt wird die Dime Defense fast ausschließlich in eindeutigen Passsituationen, etwa im dritten Versuch bei großer Distanz oder gegen Formationen mit vier Wide Receivern. Der Preis ist eine ausgeprägte Schwäche gegen das Laufspiel. Anders als die Nickel Defense hat sich die Dime Defense nicht zur faktischen Grundformation entwickelt. Ihr Anteil an den Defensivspielzügen der National Football League (NFL) lag in den Spielzeiten 2023 bis 2025 bei rund zehn Prozent.

Wie die Nickel Defense trägt die Dime Defense den Namen einer Münze. Zwei Nickel ergeben einen Dime.[1]

Wann Aufstellungen mit sechs Defensive Backs erstmals verwendet wurden, lässt sich nicht genau bestimmen. Der Footballhistoriker John Turney ordnet ihre Verbreitung dem Zeitraum zu, in dem die Regeländerungen der mittleren und späten 1970er Jahre das Passspiel öffneten und Situationswechsel üblich wurden.[2]

Belegt sind solche Aufstellungen bei den Los Angeles Rams 1978 gegen die Dallas Cowboys und bei den Cowboys selbst 1979. Im Playbook der Rams standen die Bezeichnungen Nickel für fünf, Dime für sechs und Dollar für sieben Defensive Backs.[2] Im Divisional-Play-off-Spiel am 31. Dezember 1979 setzten die Rams gegen Dallas die Dollar-Variante ein und gewannen 21:19. Head Coach Ray Malavasi führte die Idee auf Defensive Coordinator Bud Carson zurück und begründete sie damit, dass Linebacker nicht die Geschwindigkeit von Receivern hätten. Linebacker Jim Youngblood beschrieb die Aufstellung im Anschluss als sehr anfällig gegen den Draw und gab an, sie sei nur im dritten Versuch bei großer Distanz eingesetzt worden.[2]

In den folgenden Jahren nutzten die Rams meist sechs Defensive Backs und einen Linebacker. Die Buffalo Bills spielten 1981 häufig mit sieben Defensive Backs, wobei Safety Rod Kush eine der Linebacker-Rollen übernahm und in dieser Aufgabe sowohl blitzte als auch deckte.[2]

4-1-6 gegen eine Offense mit vier Wide Receivern. Nickelback (N) und Dimeback (D) übernehmen die Aufgaben der beiden ersetzten Linebacker.

Gegenüber der Nickel Defense wird ein weiterer Linebacker durch einen Defensive Back ersetzt. Auf dem Feld stehen dann vier Defensive Linemen, ein Linebacker und sechs Defensive Backs. Nickelback und Dimeback übernehmen die Aufgaben der beiden ersetzten Linebacker.[3]

Anlass ist eine Offense, die vier Wide Receiver und keinen Tight End einsetzt. So wie der Nickelback den dritten Receiver übernimmt, deckt der Dimeback den vierten. Damit muss kein Linebacker im freien Raum gegen einen Receiver spielen, und die Defense kann sowohl Mann- als auch Zonendeckung spielen.[3] Da zwei Spieler mit Deckungsaufgaben im Slot stehen, eignet sich die Aufstellung besonders gegen Formationen mit vier Receivern. Sie wird zudem gespielt, wenn tiefe Pässe zu erwarten sind.[4]

Der Tausch verbessert die Passverteidigung und verschlechtert die Laufverteidigung. Nach Auswertungen von Pro Football Focus für die Spielzeiten 2018 bis 2020 ließ die Dime Defense in ersten und zweiten Versuchen gegen das 11 Personnel im Ligadurchschnitt ein Quarterback Rating (je niedriger, desto besser für die Defense) von 81,06 zu, die Nickel Defense dagegen 93,13. Der Druck auf den Quarterback fiel mit 34 gegenüber 28 Prozent höher aus. Umgekehrt gab die Dime Defense 5,51 Yards pro Laufversuch ab gegenüber 4,64 in der Nickel Defense, und der Anteil der Läufe mit großem Raumgewinn lag bei 17 gegenüber 12 Prozent.[5] Für die Saison 2025 weist Pro Football Focus ligaweit 5,70 Yards pro Laufversuch aus der Dime Defense aus, 4,82 aus der Nickel Defense und 3,71 aus den Grundformationen. Bei den Pässen kehrt sich die Reihenfolge um, mit 6,71 Yards pro Passspielzug aus der Dime Defense, 6,84 aus der Nickel Defense und 7,29 aus den Grundformationen.[6]

Entgegen der Erwartung unterscheiden sich die gespielten Deckungen kaum. In knapp 10.000 ausgewerteten Passspielzügen gegen die Dime Defense zwischen 2018 und 2020 kamen Cover 1 und Cover 3 in mehr als der Hälfte der Fälle vor, ähnlich häufig wie aus der Nickel Defense.[5]

3-2-6. Gegenüber der 4-1-6 steht ein Defensive Lineman weniger und ein Linebacker mehr auf dem Feld.

Neben der 4-1-6 ist eine 3-2-6 mit drei Defensive Linemen und zwei Linebackern möglich, die jedoch seltener gespielt wird.[4]

Werden sieben Defensive Backs eingesetzt, spricht man von der Quarter Defense. Der siebte Defensive Back ersetzt einen Defensive Lineman, sodass drei Linemen, ein Linebacker und sieben Defensive Backs spielen. In den kurzen Zonen unterscheidet sich die Deckung nicht von der Dime Defense, der zusätzliche Spieler übernimmt eine dritte tiefe Zone. Gespielt wird sie bei sehr großer Distanz und am Spielende, wenn nur noch ein tiefer Pass in Frage kommt. Der Preis ist ein Pass Rush mit lediglich drei Spielern.[3] Die Besetzung kann aus drei Safeties und vier Cornerbacks oder aus zwei Safeties und fünf Cornerbacks bestehen.[4]

Anforderungen an die Spieler

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weil nur ein oder zwei Linebacker auf dem Feld stehen, übernehmen Defensive Backs deren Aufgaben. Bei den Los Angeles Chargers spielten in einem Play-off-Spiel im Januar 2019 zwei Safeties die Linebacker-Positionen, und Safety Derwin James verbrachte nahezu alle seine Spielzüge nahe der Line of Scrimmage.[7] Bereits 1981 besetzten die Buffalo Bills eine solche Rolle mit einem Safety, der sowohl als Blitzer als auch in der Deckung eingesetzt wurde.[2]

Verlangt wird vor allem Vielseitigkeit in der Aufstellung. Bei den Los Angeles Rams besetzte in der Saison 2025 Safety Jaylen McCollough die Dimeback-Rolle. Nach Zahlen von Pro Football Focus stand er in den ersten acht Spielen der Saison auf 99 Spielzügen in der Box, auf 53 im Slot, auf 40 als Free Safety und auf fünf direkt an der Line of Scrimmage. Defensive Coordinator Chris Shula begründete den Einsatz damit, dass er aus der Dime Defense möglichst viele verschiedene Deckungen spielen wolle und McCollough ihm das ermögliche.[8]

Zwischen den Spielzeiten 2023 und 2025 blieb der Anteil der Dime Defense nahezu unverändert. Pro Football Focus weist für die Saison 2023 einen Ligadurchschnitt von 9,87 Prozent aus, für 2024 9,88 Prozent und für 2025 9,36 Prozent. Im selben Zeitraum ging der Anteil der Nickel Defense von 67,16 über 65,21 auf 59,04 Prozent zurück, während die Grundformationen von 21,22 über 23,29 auf 29,64 Prozent zulegten. Nic Bodiford führt den Anstieg der Grundformationen darauf zurück, dass die Offenses vermehrt schwere Personalgruppen einsetzen.[6]

Die Dime Defense blieb damit eine Spezialformation. Nach Auswertungen für die Spielzeiten 2018 bis 2020 wurde sie im dritten Versuch bei sieben bis zehn Yards Distanz auf 43 Prozent der Spielzüge eingesetzt, in ersten und zweiten Versuchen dagegen nur auf durchschnittlich neun Prozent. Gegen das 11 Personnel kam sie in frühen Versuchen auf einen Anteil von 13 Prozent. Diante Lee führt die Zurückhaltung darauf zurück, dass Trainer Verteidigung grundsätzlich als Frage der Körpermaße verstünden und Personal gegen Personal stellten, statt auf die Spielzugtendenz zu reagieren.[5] Die fünf Teams mit dem höchsten Dime-Anteil in frühen Versuchen waren in der Saison 2020 die Green Bay Packers, die New England Patriots, die Carolina Panthers, die Kansas City Chiefs und die New Orleans Saints.[5]

Zwischen den Mannschaften bestehen große Unterschiede. Für die Saison 2025 weist Pro Football Focus die Los Angeles Rams mit 30,6 Prozent als das Team mit dem höchsten Dime-Anteil aus.[6] Nach den Zahlen der Next Gen Stats, die den Stand von Anfang November 2025 wiedergeben, lag der Anteil der Rams bei 34,6 Prozent, während drei Teams die Formation in jener Saison bis dahin überhaupt nicht und 13 weitere auf weniger als fünf Prozent ihrer Spielzüge einsetzten. Die Rams erzwangen zugleich die meisten dritten Versuche mit großer Distanz pro Spiel und ließen aus der Dime Defense 5,5 Yards pro Spielzug zu.[8]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Nick Kostora: 25 Craziest Football Terms and Where They Come from. In: Bleacher Report. 7. Juni 2018, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 John Turney: The 1979 Rams "Dollar" Defense. In: Pro Football Journal. 20. April 2016, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 Bob Davie: Football 101: Defensive substitution packages. In: ESPN.com. Abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 Chris Haddad: How To Install Nickel & Dime Defenses In Football. In: vIQtory Sports. 1. Juni 2026, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 4 Diante Lee: Why don't we see more dime defense in the NFL? In: Pro Football Focus. 26. Juli 2021, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 Nic Bodiford: Tracking base, nickel and dime trends to exploit 2026 fantasy matchups. In: Pro Football Focus. 8. Juni 2026, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  7. ↑ Jenny Vrentas: Chargers Defense Knew Exactly How to Stop Lamar Jackson and the Ravens. In: Sports Illustrated. 7. Januar 2019, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  8. 1 2 Wyatt Miller: The Rams lead the league in dime personnel usage. In: therams.com. 7. November 2025, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).