Dienststellenschild des Bundeswahlleiters und des Statistischen BundesamtesHauptgebäude in WiesbadenEingang zur Zweigstelle Bonn des Statistischen BundesamtsPferdeskulptur von Fritz von Graevenitz vor dem Verwaltungsgebäude in Wiesbaden, 2007
Das Statistische Bundesamt (offiziell abgekürzt StBA,[5] veraltend auch StatBA,[6] inzwischen häufig nach seiner Internetadresse Destatis, kurz für Deutsches Statistik-Informationssystem) ist eine deutscheBundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern. Sie erhebt, sammelt und analysiert statistische Informationen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Die aufbereiteten Informationen werden tagesaktuell in rund 390 amtlichen Statistiken veröffentlicht.
Im November 2024 berichteten Medien über das Angebot von durch das Statistische Bundesamt erhobene Unternehmensdaten im Darknet. Diese sollen mutmaßlich über eine Sicherheitslücke im behördeneigenen Dienst Internet-Datenerhebung im Verbund (IDEV) in die Hand der „prorussischen“ Gruppe Indonesian Cyber Attack (Indohaxsec) gelangt sein.[7] Die Hinweise auf eine mögliche Sicherheitslücke haben sich im Zuge der Untersuchungen jedoch nicht bestätigt.[8]
Im Jahr 2024 startete das Projekt "Wie die Vergangenheit zählt. Zur Geschichte des Statistischen Bundesamtes" (GeStat). Es wird von Kerstin Brückweh geleitet.[9][10]
Das Statistische Bundesamt hat seinen Hauptsitz in Wiesbaden (1890 Mitarbeiter[3]) und eine Zweigstelle in Bonn (634 Mitarbeiter[3]). Des Weiteren betreibt das Bundesamt einen sogenannten i-Punkt in der Bundeshauptstadt Berlin (29 Mitarbeiter[3]) und informiert dort Mitglieder des Deutschen Bundestages, der Bundesregierung, der Botschaften sowie Bundesbehörden, Wirtschaftsverbände und Interessenten aus dem Großraum Berlin-Brandenburg. In Wiesbaden betreibt das Statistische Bundesamt die größte Spezialbibliothek für Statistik in Deutschland.
Zu den Aufgaben des Statistischen Bundesamtes gehört die Bereitstellung objektiver, qualitativ hochwertiger und unabhängiger Informationen für Politik, Regierung, Verwaltung, Wirtschaft und Bürger. Weiterhin ist es für die methodisch-technische Vorbereitung einer Vielzahl von Statistiken verantwortlich und sorgt dafür, dass diese koordiniert, nach einheitlichen Methoden und termingerecht erstellt werden. Hierfür arbeitet das Statistische Bundesamt gemäß dem föderalen Staatsprinzip der Bundesrepublik Deutschland eng mit den Statistischen Ämtern der 16 Länder zusammen.[12]
Zudem bedarf jede Bundesstatistik zu ihrer Durchführung und Veröffentlichung einer Rechtsgrundlage, in der Regel ein Bundesgesetz oder eine Rechtsverordnung.[13]
Seit dem 1. Januar 2006 ist die Verwendung der Statistiken des Bundesamtes lizenz-/gebührenfrei. Dies erfolgte analog zum Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaft (Eurostat), das diesen Schritt bereits am 1. Oktober 2004 vollzog. Auch die gewerbliche Nutzung der Daten des Bundesamtes ist jetzt ohne Lizenzgebühren gestattet. Sie gilt für jede Art der Weiterverbreitung von Daten, Diagrammen und Grafiken, soweit das Statistische Bundesamt Inhaber des Urheberrechtes ist und die alleinigen Herausgeberrechte besitzt.
Die Standard-Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes werden durch folgenden Urheberrechtsvermerk gekennzeichnet: „Vervielfältigung und Verbreitung, auch auszugsweise, mit Quellennachweis gestattet“.
Ausgenommen hiervon sind NutzungsrechteDritter, die in den Werken des Statistischen Bundesamtes ausdrücklich ausgewiesen sind.
Die Kostenfreiheit ab dem 1. Januar 2006 gilt auch für die Verwendung von Daten aus bereits erschienenen Standard-Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes, auch wenn diese noch einen anders lautenden Vermerk tragen.
Die Weiterverbreitung von Daten des Bundesamtes ab dem 1. Januar 2017 erfordert die Aufnahme des folgenden Quellenhinweises zu den genutzten Daten: „Statistisches Bundesamt (Destatis), Jahr“.[14]
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht eine Vielzahl von periodischen und einmaligen Publikationen, die aus der Statistischen Bibliothek kostenfrei heruntergeladen werden können.
Von 1952 bis 2019 wurde das Statistische Jahrbuch veröffentlicht. Alle Ausgaben ab 2006 stehen online zur Verfügung[15] – auch alle älteren Jahrgänge, einschließlich der Statistischen Jahrbücher für das Deutsche Reich im Zeitraum 1881–1943 und die Statistischen Jahrbücher der Deutschen Demokratischen Republik, die von der Universitätsbibliothek Mannheim digitalisiert wurden.[16] Das Statistische Jahrbuch in gedruckter Form erschien zuletzt im Oktober 2019 („Statistisches Jahrbuch 2019“, 68. Ausgabe). Die Berichterstattung wird in digitaler Form fortgesetzt.[17]
Seit 1949 wird die Zeitschrift Wirtschaft und Statistik (WISTA) veröffentlicht. In WISTA werden vertiefende Analysen aus allen Bereichen der Bundesstatistik, wie Wirtschaft, Bevölkerung, Soziales oder Gesundheit, veröffentlicht und methodische Neuerungen und Projekte auf nationaler oder europäischer Ebene dokumentiert. Ergänzt werden die wissenschaftlichen Beiträge durch Kurznachrichten aus dem Arbeitsfeld des Statistischen Bundesamtes, wie beispielsweise nationale und internationale Tagungsankündigungen sowie neu veröffentlichte Publikationen. Die Zeitschrift steht als Gesamtausgabe, aber auch nach themenorientierten Rubriken, seit dem Jahrgang 2001 kostenfrei zum Herunterladen im Internet zur Verfügung.[18]
Für all jene, die sich schnell und verlässlich über statistische Daten und sozialwissenschaftliche Analysen zu den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland informieren wollen, gehört der Datenreport – Sozialbericht für Deutschland mittlerweile zu den Standardwerken. Er kombiniert Daten der amtlichen Statistik mit denen der Sozialforschung und schafft ein umfassendes Bild der Lebensverhältnisse und der Einstellungen der Menschen in Deutschland.[19]
Jeden Freitag publiziert das Statistische Bundesamt die Statistischen Wochenberichte, die als Tabellensammlung thematisch untergliedert nach den drei Themenbereichen „Bevölkerung und Arbeit“, „Preise und Finanzen“ sowie „Wirtschaft, Handel und Verkehr“ oder als Gesamtpaket zur Verfügung stehen.[20]
Eine große Zahl von Fachserien zu den verschiedensten Themen wird in unterschiedlicher Periodizität veröffentlicht. Sie werden in den Formaten PDF und xlsx auf der Website des Statistischen Bundesamtes angeboten.[21]
Alle gedruckten Publikationen sowohl des Statistischen Bundesamtes als auch des Statistischen Reichsamtes stehen in der Bibliothek in Wiesbaden und im Rahmen des überörtlichen Leihverkehrs der wissenschaftlichen Bibliotheken zur Einsicht bereit.
Im August 2025 kritisierten 30 Armutsforscher die rückwirkende Löschung im Mikrozensus erhobener Armutsdaten sowie deren veränderte Erhebungsmethodik. Die nicht öffentlich durch Bundesamt verkündete Änderung verfälsche die tatsächliche Armutsquote Deutschland um etwa eine Million Menschen und stelle einen „massiven Eingriff in die wissenschaftliche Freiheit“ dar, der künftige Vergleiche verunmögliche. In einem offenen Brief an Behördenleiterin Brand forderten sie die Rückkehr zur ursprünglichen Methode und Veröffentlichungspraxis.[22][23] Das Statistische Bundesamt wies die Kritik an der neuen Erhebungsmethode zurück und betonte, die seit Juli 2025 angewandte Berechnung erfasse Einkommen nun einheitlich nach europäischen Standards. Dies ermögliche differenziertere Auswertungen und verbessere zugleich die Vergleichbarkeit auf EU-Ebene.[24][25]
Destatis arbeitet mit den 14 (Stand Mai 2013) statistischen Ämtern zusammen, die es auf Bundesländer-Ebene gibt.
Jeweils zwei Bundesländer arbeiten zusammen:
Daten des Statistischen Bundesamtes zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes auf gbe-bund.de
Scans der Statistischen Jahrbücher auf dem Publikationsserver der Statistischen Ämter für elektronische Veröffentlichungen, der Statistischen Bibliothek:
↑Simon Huwiler:Datenleck bei Destatis: Prorussische Hacker erbeuten Dokumente über deutsche Unternehmen. In: Neue Zürcher Zeitung. 14.November 2024, ISSN0376-6829 (nzz.ch[abgerufen am 14.November 2024]).
↑Siehe dazu auch: Kerstin Brückweh: Statistik, Geschichte und Geschichtswissenschaft. Eine Analyse des Verhältnisses und Gedanken zur Aufarbeitung. In: Statistisches Bundesamt, WISTA, 6 / 2023.