Der Meißner
Der Meißner (Der Mysnere) war ein mittelhochdeutscher Sangspruchdichter, der in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts wirkte. Zur Unterscheidung von weiteren gleichnamigen Dichtern[1] wird er in der jüngeren Philologie auch als „Der Meißner der Jenaer Liederhandschrift“ bezeichnet.
Leben und Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ostmitteldeutsche Sprachanklänge in seinen Dichtungen lassen die Deutung seines Namens als Herkunftsbezeichnung möglich erscheinen, also etwa aus der Stadt Meißen oder der Markgrafschaft Meißen. Die zeitliche Einordnung seines Wirkens lässt sich anhand der Erwähnung seiner Gönner und sonstiger Personen eingrenzen, so von Bischof Hermann von Gleichen (Bischofsweihe 1254 als Terminus post quem) und von Markgraf Otto IV. von Brandenburg († 1308).
Sein Werk ist in der Jenaer Liederhandschrift überliefert, in der er den relativ größten Anteil eines einzelnen Dichters einnimmt. Überliefert sind unter seinem Namen 128 Strophen in 20 Tönen, zudem sind zu 16 der Töne auch die zugehörigen Melodien in Quadratnotation erhalten. Eine Strophe des Meißners findet sich als Parallelüberlieferung auch im Codex Manesse, allerdings im Corpus des Dichters Boppe.
Thematischer Schwerpunkt seines Spruchwerks ist die Ermahnung zu Tugend und Frömmigkeit, sein laientheologisch-pastoraler Anspruch zeigt sich in seinen Texten in einer gewissen Nähe zur Volkspredigt. Weitere Themen sind politische Dichtungen und Reflexionen über den Wert und die Aufgabe der Kunst.
Der Meißner ist mehrfach in Sängerfehden bzw. Rangstreitigkeiten mit anderen zeitgenössischen Dichtern bezeugt, sowohl aktiv als auch passiv.[2] Er polemisierte gegen den Marner, wofür er von Fegfeuer vermahnt wurde. Konrad von Würzburg erwähnt ihn ironisch. Rumelant von Sachsen führt in seiner Polemik gegen den Dichter Meister Singauf (VIII, 3),[3] den Meißner neben Konrad von Würzburg († 1287), Höllefeuer und dem Unverzagten als Beispiele an, die sich Singauf zum Vorbild nehmen solle.
Die Dichtungen des Meißners haben keinen Nachklang in den Werken der folgenden Dichtergenerationen hinterlassen, und wurden auch von den Meistersingern nicht rezipiert. Für die musikhistorische Forschung ist er besonders wegen der hohen Zahl der von ihm überlieferten Töne und Melodien interessant.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Textausgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Friedrich Heinrich von der Hagen: Minnesinger. Deutsche Liederdichter des zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, aus allen bekannten Handschriften und früheren Drucken … Band 3. Leipzig 1838, S. 86–110 (Textarchiv – Internet Archive).
- Georg Objartel: Der Meißner der Jenaer Liederhandschrift. E. Schmidt, Berlin 1977, ISBN 3-503-01241-9 (Zugl.: Bonn, Univ., Philos. Fak., Diss., 1974).
Melodieübertragungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Georg Holz, Franz Saran, Eduard Bernoulli: Die Jenaer Liederhandschrift. II. Band. Hirschfeld, Leipzig 1901, S. 53–65 (Textarchiv – Internet Archive).
- Ronald J. Taylor: The art of the Minnesinger. Band I. University of Wales Press, Cardiff 1968, S. 70–92 (Textarchiv – Internet Archive).
Sekundärliteratur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Friedrich Heinrich von der Hagen: Minnesinger. Deutsche Liederdichter des zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, aus allen bekannten Handschriften und früheren Drucken … Band 4. Leipzig 1838, S. 720–723 (Textarchiv – Internet Archive).
- Georg Objartel: Der Meißner. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 6. de Gruyter, Berlin 1987, ISBN 3-11-010754-6, Sp. 321–324. Dazu Nachtrag in: Band 11, de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-016832-4, Sp. 985 (online in der Verfasser-Datenbank, Subskriptionszugriff).
- Günther Peperkorn: Der Meißner der Jenaer Liederhandschrift. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 16. Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 693 (deutsche-biographie.de).
- Horst Brunner: Meißner. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 11 (Lesage – Menuhin). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2004, ISBN 3-7618-1121-7 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)
- Volker Zapf: Der Meißner (Meißner der Jenaer Liederhandschrift). In: Wolfgang Achnitz (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das Mittelalter. Reihe: Lyrik (Minnesang – Sangspruch – Meistergesang) und Dramatik, Band 4. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-598-24993-8, Sp. 404–409 (online in Deutsches Literaturlexikon online, Subskriptionszugriff).
- Holger Runow: Der Meißner. In: Dorothea Klein, Jens Haustein, Horst Brunner (Hrsg.): Sangspruch / Spruchsang. Ein Handbuch. De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-11-035182-8, S. 407–417 (doi:10.1515/9783110351897-007, Subskriptionszugriff).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Adolf Frisch: Untersuchungen über die verschiedenen mhd. Dichter, welche nach der Überlieferung den Namen Meißner führen. Dissertation, Universität Jena, 1887; urn:nbn:de:bvb:12-bsb11643560-4.
- ↑ Burghart Wachinger: Sängerkrieg. Untersuchungen zur Spruchdichtung des 13. Jahrhunderts (= Münchener Texte und Untersuchungen. Band 42). Beck, München 1973, ISBN 3-406-02842-X, S. 152–163.
- ↑ Holger Runow: Rumelant von Sachsen. Edition – Übersetzung – Kommentar (= Hermaea, N.F. 121). De Gruyter, Berlin/New York 2011, ISBN 978-3-11-023283-7, S. 130 und Kommentar S. 264–267; doi:10.1515/9783110232844.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Der Meißner |
| ALTERNATIVNAMEN | Der Mysnere; Der Meißner der Jenaer Liederhandschrift |
| KURZBESCHREIBUNG | mittelhochdeutscher Sangspruchdichter |
| GEBURTSDATUM | 13. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 13. Jahrhundert oder 14. Jahrhundert |