Der Deiseler Tunnel liegt rund 1,1km (Luftlinie) östlich von Deisel, einem nordnordwestlichen Ortsteil von Trendelburg. Er unterführt den teils bewaldeten Kesselberg, der als westnordwestlicher Hangsporn des zum Reinhardswald gehörenden Brautsteins (209,4mü.NHN)[5] westlich etwa u-förmig von einer Flussschleife der Diemel umflossen wird; der Fluss verläuft in Tunnelnähe auf minimal etwa 112m[1] Höhe.
Die Länge des 202m langen Deiseler Tunnels wird teilweise mit 264m[3] angegeben. Der damals eingleisige Tunnel ist leicht bogenförmig, 6,05m hoch und 4,60m breit. Seine Überdeckung beträgt im Rahmen des Kesselbergs rund 20m. Mit minimaler Neigung befindet sich der Tunnel bei Streckenkilometer7,6 der Carlsbahn auf rund 120m Höhe.[1]
Der Deiseler Tunnel ist nach dem Trendelburger Ortsteil Deisel benannt, der dem Tunnel am anderen Flussufer gegenüberliegt. Er wurde von 1846 bis 1847[1] erbaut: Der Stampfbeton-Baubeginn fand am 23.April 1846 statt, ab August 1846 wurde das Gewölbe ausgemauert, und am 1.Juni 1847 war der Tunnel fertiggestellt;[6] dagegen ist auf der Gedenktafel des Erbauers als Bauzeitraum Februar 1846 bis Juni 1847[6] zu lesen. Erbauer war die Baufirma Conrad Siebrecht aus Kassel.[7] Die Schwierigkeit beim Bau des Tunnels bestand im Ausbruch des harten Gesteins. Andererseits war dadurch eine Unterfangung und Aussteifung des Gebirges vor der Ausmauerung nicht nötig, die mit Ziegeln erfolgte. Die Widerlager bestehen aus Sandstein. Der Tunnel krümmt sich leicht in westliche Richtung. Das Nordportal ist aus Backstein gemauert und beidseitig mit je einem Pilaster, einem Fries und einer krönenden Brüstung dekoriert. Das Südportal ist mit Sandstein verblendet.
Weiter erhalten ist das zugehörige, nördlich des Tunnels gelegene Tunnelwärterhaus, ein Typenbau von 1849. Zusammen mit der Carlsbahn wurde die Anlage 1848 in Betrieb genommen und 1986 als Eisenbahntunnel stillgelegt.
2005[8] begannen Planungen, künftig in der warmen Jahreszeit durch den Deiseler Tunnel Rad- und Wanderwege zu führen. Damals verliefen die Radwege Hessischer RadfernwegR4 und Diemelradweg sowie der Wanderwege Märchenlandweg und Eco Pfad Diemel noch auf rund 1,8km Länge am Westfuß des Brautsteins westlich um den Kesselberg herum und somit am Tunnel vorbei. Von der gemeinsamen Rad- und Wanderwegtrasse verliefen jeweils zum Süd- und Nordportal des Tunnels Stichwege, so dass Radfahrer und Fußgänger den Tunnel nur erreichen, aber nicht durchfahren/-gehen konnten; der Stichweg zum Südportal wurde am 4.September 2013[9] eröffnet, jener zum Nordportal mit dortiger Informationstafel des Eco Pfad Diemel bereits im Jahr 2010. Während der Nordteil des Tunnels vorerst nur auf rund 20m Länge betreten werden konnte, war der gesamte Rest abgesperrt.
Von 2010 bis 2012 wurde der Tunnel teilweise denkmalpflegerisch und im Jahr 2011 die Portale saniert.[10] Es war ursprünglich geplant, ihn nach Abschluss weiterer Sanierungs- und Umbauarbeiten als Radwander- und Wanderwegtunnel etwa Ende August 2014 freizugeben,[11] was dann aber erst am 12.September 2014 geschah.[12] Wegen des Westteils des NaturschutzgebietsHolzapetal vor dem Südportal muss der einstige Bahndamm dort auf einigen Hundert Metern Länge weiterhin umfahren/-gangen werden.
Alljährlich wird der Tunnel vom 1.November bis 31.März geschlossen, weil er dann als Winterschlafmöglichkeit für Fledermäuse dient.
Reichsbahndirektion Kassel (Hrsg.): Die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn. Zur 100jährigen Wiederkehr der Betriebseröffnung der ersten kurhessischen Eisenbahn am 30.März 1948. Kassel 1948.
Tobias Michael Wolf: Rettung für die Drachenhöhle –Restaurierung von Hessens ältestem Eisenbahntunnel. In: Denkmalpflege und Kulturgeschichte 1/2014, S.36f.