Unter diesem Vorzeichen und unter dem Namen des DIJG veröffentlicht die OJC eine Auswahl an Forschungsergebnissen und Aufsätzen. Viele dieser Veröffentlichungen erscheinen in eigenen Publikationen wie der Zeitschrift Bulletin.[D 2] Die Eigenschaft des DIJG als „Forschungseinrichtung“ gehört zum Selbstverständnis bzw. Präsentation der OJC.[D 3][33][34]
Das DIJG wurde 1969 als „Institut für Jugend und Gesellschaft, Bensheim“ gegründet. In den 1970er Jahren war die Auseinandersetzung mit sogenannten Sekten einer der Arbeitsschwerpunkte. In diesem Zusammenhang entstanden verschiedene Publikationen. Dazu gehört die Studie „Differentielle Wirkungen der Praxis der Transzendentalen Meditation – Eine empirische Analyse pathogener Strukturen als Hilfe für die Beratung“, die vom Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit (SPD) finanziert wurde.[D 4][D 5][D 6]
In den 1980er Jahren entwickelten sich die Lebensbedingungen der Menschen im südlichen Afrika zu einem Arbeitsschwerpunkt. Das Institut setzte sich mit Gewalt, struktureller Gewalt und Gewaltlosigkeit aus politischer, sozialethischer und theologischer Perspektive auseinander. In Zusammenhang damit wurden in Zusammenarbeit mit der OJC Landwirtschaftsprojekte für schwarze Jugendliche und Frauen unterstützt.[D 6]
Seit den 1990er Jahren kam es im Angesicht eines zusammenwachsenden Europas zu mehreren Symposien und Buchpublikationen. Dabei kamen jüdische, christliche und muslimische Experten ins Gespräch. Seit der ersten Tagungsreihe im Zeichen des zentralen Themas der Versöhnung gibt es regelmäßige bilaterale Versöhnungsreisen zwischen Deutschen und Israelis (besonders „Disraelis“ = disabled Israelis, von Terroranschlägen Verwundete).
Während auch die Themen Menschenrechte und Diakonat zu den Arbeitsgebieten des Instituts gehört haben, richtet sich seine Tätigkeit in jüngeren Jahren vor allem auf eine Bewahrung und Verstärkung des heteronormativen Konzepts der Familie, wozu auch Gegenpositionen zum Konzept des Gender-Mainstreaming gehören.
Das DIJG bezeichnet ein verheiratetes Elternpaar, das für seine gemeinsamen leiblichen Kinder sorgt, als „traditionelle Familienstruktur“. In der so definierten Familienstruktur sieht das DIJG die weitaus beste Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung von Kindern und führt dazu die soziologische Metastudie der Soziologin Barbara Schneider et alii an.[D 7] Insbesondere in der Erziehung sollten diese Vorstellungen von Ehe und Familie, die auch dem ethischen Konsens vieler Kirchen entsprechen, exklusiv als Leitmodell positiv dargestellt und erfahren werden. Andere Familienformen sollen durch Staat und Gesellschaft nicht gefördert werden, da das DIJG darin das Recht des Kindes auf seinen Ursprung verletzt sieht.[D 8] Die Weitergabe von Sperma oder Leihmutterschaft sollte weiterhin strengen Auflagen unterliegen oder verboten bleiben. Nach Christl Ruth Vonholdt gebe es in der Forschung zahlreiche Hinweise darauf, dass „Vaterentbehrung und Mutterentbehrung“ mit einer wesentlich höheren Rate an psychischen Störungen bei den Kindern verknüpft sei[D 8][D 7] und belegt dies mit Studien.[35] Das DIJG vermeidet die Verwendung des Begriffs „Ehe“ außerhalb des heterosexuellen Kontextes.
Aus diesen und ähnlichen Erwägungen lehnt das DIJG die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ab, die sie als weitere „Angleichung der homosexuellen Partnerschaft an die Ehe zwischen Mann und Frau“ sowie die „Angleichung der ‚homosexuellen Familie‘ an die Familie mit Vater, Mutter Kind“ bezeichnet. Es sieht darin „destruktive Auswirkungen auf die Identitätsfindung der Jungen und Mädchen der nächsten Generation“.[D 9] Nur in der heterosexuellen Ehe und Familie sei die Grundlage der Gesellschaft zu sehen, die nicht durch andere Modelle aufgeweicht werden sollte.[D 7] Es sieht sich dabei in der gleichen Linie wie die römisch-katholische Kirche[D 10] und konservative Juden wie Dennis Prager[D 11][D 12]; siehe auch Homosexualität und römisch-katholische Kirche. Gleichgeschlechtliche Lebensweisen sollen durch die staatlichen Bildungseinrichtungen nicht als normal oder erstrebenswert dargestellt werden, denn unter solchen Umständen fürchtet die OJC verstärktes freiwilliges sexuelles Experimentieren der Kinder. Aus diesem Grund wendet es sich gegen öffentliche Empfehlungen für Kinderbücher, wie beispielsweise das Buch Papas Freund von Michael Willhoite, in dem eine Mutter ihrem Kind sagt „Schwulsein ist nur eine andere Art zu lieben“,[D 13] und gegen die Aufnahme solcher Bücher in öffentliche Bibliotheken.[D 14][D 12]
Die evangelikal geprägte OJC und das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft stand mehrfach medial in der Kritik, Konversionstherapien homosexueller Menschen anzubieten.[36][37][38]
Dem DIJG zufolge sei gelebte Homosexualität mit vielen Risiken behaftet. Das DIJG zitiert Studien, die eine hohe Promiskuität unter Homosexuellen belegen würden.[39] Eine dieser Studien (Amsterdamer Studie von Maria Xiridou et al.) wird so interpretiert, dass Partnerschaften von homosexuellen Männern eine belegte durchschnittliche Dauer von 1,5 Jahren hätten, mit währenddessen durchschnittlich 8 Sexualpartnern außerhalb der Beziehung.[D 15] Allerdings wird dieses Ergebnis aufgrund des expliziten Ausschlusses monogam lebender Personen in dieser Studie als verzerrt kritisiert.[D 16][D 17][D 18] Dies werde dennoch weiterverbreitet.[D 19] Das DIJG präsentiert weiterhin verschiedene internationale Studien (entstanden in den Jahren 1998–2005), die nahelegen, dass der „homosexuelle Lebensstil“ häufig zu schweren Depressionen, Nikotin- und Alkoholabhängigkeit, Drogenmissbrauch etc. führe.[D 20]
In einer Positionsbestimmung vom April 2008 erklärt das DIJG, dass es sich für Personen einsetze, „die ihre homosexuellen Impulse als unvereinbar mit ihren Wünschen, Überzeugungen und Lebenszielen ansehen“. Homosexuell empfindende Menschen hätten das Recht, einen Weg der Veränderung mit dem Ziel der Abnahme ihrer homosexuellen Impulse zu gehen.[D 21]
Schon im Frühjahr 2006 gab das DIJG an, nach wie vor Anfragen von Menschen zu erhalten, die ihre Homosexualität zu Heterosexualität verändern wollen.[D 22] Von der Unionsfraktion im Bundestag sowie der damaligen hessischen Landesregierung (an der nur die CDU beteiligt war) hatte es im Vorfeld von parlamentarischen Abstimmungen zu Gesetzentwürfen, die den Ausbau der Lebenspartnerschaft zum Inhalt hatten und bei denen die CDU und CSU gegen einen solchen Ausbau waren, Anfragen zur Stellungnahme erhalten.[D 23][D 24]
Infolge dieser Anfragen wurde Vonholdt vom Bundestag als Sachverständige zum Thema Homosexualität und Familie angehört.[D 25][D 26]
Das Institut verwendet nicht das sexualwissenschaftliche Konzept der sexuellen Orientierung oder der sexuellen Identität, sondern spricht vor allem von einer sexuellen Neigung, wie etwa „transsexuelle [sic] oder andere“.[D 27] In diesem Sinne wird die Formulierung „sexuelle Orientierung“ verwendet. Identität gebe es nur für Mann oder Frau, die einander anzögen und ergänzten. Alles andere betrachtet das Institut als Störung der Identität.
Das DIJG vertritt bezüglich der Entstehung von Homosexualität ein tiefenpsychologisches Entwicklungsmodell, das von Joseph Nicolosi entwickelt wurde. Nicolosi sah „zahlreiche Hinweise darauf, dass homosexuelle Neigungen in einem komplizierten Entwicklungsprozess erworben würden“, und glaubte, dass frühkindliche emotionale Verwundungen zu einer Verunsicherung des Kindes in seiner geschlechtlichen Identität führen würden. Nach Nicolosi solle diese Verunsicherung eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer homosexuellen Identität spielen.[D 28] Christl Vonholdt teilt diese Ansichten: „Dazu gehören bestimmte Probleme innerhalb der familiären Beziehungen in der Kleinkindphase, sexueller Missbrauch, Gefühle der Minderwertigkeit und des Nicht-Dazugehörens gegenüber gleichgeschlechtlichen Gleichaltrigen und aus dem allen folgend Verunsicherungen in der eigenen männlichen oder weiblichen [immer heterosexuellen] Identität.“[D 29] Bei den familiären Beziehungen gehe es um das ungestillte Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung durch den gleichgeschlechtlichen Elternteil.[D 14]
Die OJC vertritt zu Fragen der sexuellen Orientierung viele Standpunkte der Ex-Gay-Bewegung. So ist sie beispielsweise Mitglied bei der Ex-Gay-Dachorganisation Positive Alternatives to Homosexuality, zitiert Ex-Gay-Literatur, übersetzt sie ins Deutsche[D 30] und lädt Vertreter der US-amerikanischen Ex-Gay-Bewegung zu Fachvorträgen und Seminaren ein.[D 31] Organisationen wie Homosexuelle und Kirche,[D 32] der LSVD oder die BAG Schwulenpolitik von Bündnis 90/DIE GRÜNEN kritisieren die von der OJC vertretenen Standpunkte zur Homosexualität.
Der DIJG äußert sich dahingehend, dass Homosexuelle, die „unter ihrer Orientierung litten“, ein „Recht auf therapeutische Begleitung hätten“.[D 33] Es ist der Ansicht, dass mit geeigneter Therapie eine Stärkung eines postulierten heterosexuellen Empfindens und eine Schwächung der tatsächlich vorhandenen homosexuellen Impulse persönlichkeitsverträglich möglich sei[D 29] und im Zusammenhang mit einer ganzheitlichen Befreiung des Menschen im Sinne des christlichen Glaubens stehe.[D 29] Um dieses Ziel zu erreichen, sei es wichtig, dass alle Menschen eine klare Vorstellung von Mann und Frau hätten,[D 14] bei der die heterosexuelle Ehe sowie enthaltsame Beziehungen die einzig erstrebenswerten Beziehungsformen seien.
Aufgrund der starken Fokussierung des DIJG auf das Thema Homosexualität wird Kritik vor allem aus der Lesben- und Schwulenbewegung sowie einiger Journalisten geäußert. Laut Steffens und Wagner stelle das DIJG die Forschung zur sexuellen Orientierung verzerrt dar und vertrete Positionen, die nicht im Einklang mit berufsethischen Prinzipien von akademischen Heilberufen auf nationaler und internationaler Ebene stünden.[D 34] Die vom ehemaligen rechtspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Geis, initiierte Entscheidung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages, Christl Vonholdt zu einer Anhörung über Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare einzuladen, wurde parteiintern von den Lesben und Schwulen in der Union (LSU) kritisiert.[D 35] Im Zuge einer abgesagten Veranstaltung im Rahmen des Christivals 2008 wurde das DIJG ebenfalls Thema von kritischen Anfragen;[D 36] Leiter des OJC erklärten daraufhin ihre Haltung zur Homosexualität im Rahmen einer Pressekonferenz.[D 37]
In einer Kleinen Anfrage im Hessischen Landtag im November 2012 problematisierte Kai Klose (Bündnis 90/Die Grünen) die potentielle Schädlichkeit sogenannter Konversionstherapien vor dem Hintergrund des Angebotes von Stellen für ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ (FSJ) durch die OJC, die durch Landesmittel bezuschusst werden:[40] Seiner Meinung nach könne es „nicht sein, dass eine Organisation mit einer so kruden Geisteshaltung mit jungen Menschen“ zusammenarbeite.[41] Der Sozialminister des Landes Hessen, Stefan Grüttner (CDU), verwies darauf, dass die OJC zur Trägergruppe der evangelischen Kirche gehöre und das Land die Mittel für das FSJ nicht einfach streichen könne, sagte jedoch eine Überprüfung zu.[42] Nach Angaben seines Ministeriums wurden seit 2009 13 FSJ-Stellen bei der OJC durch das Land Hessen mit insgesamt 13.000 € gefördert.[41] In einer Reihe von Stellungnahmen stellten die OJC und das DIJG klar, das Institut biete keinerlei Therapien an, auch nicht zu einer „Heilung“ von Homosexuellen.[43] Es berate Ratsuchende ergebnisoffen und verweise auf Therapiemöglichkeiten. Ihr Einsatz gelte der Minderheit derjenigen Homosexuellen, die ihre Homosexualität als „ich-dyston“ erlebten. Ihnen müsse das Recht und die Freiheit eingeräumt werden, in einer Therapie „ausloten zu dürfen, ob ihre Homosexualität möglicherweise lebensgeschichtlich bedingt“ sei „oder mit ungelösten seelischen Konflikten zu tun“ habe, die dann in einer Therapie bearbeitet werden könnten. Therapien selbst würden jedoch lediglich von anerkannten Fachleuten mit anerkannten Methoden durchgeführt.[44] Die Freiwilligen des FSJ kämen nur am Rande mit diesen Themen in Berührung und seien in ihrer Meinungsfreiheit nicht eingeschränkt.[45] In einem Gespräch mit Diakonie-Präsident Johannes Stockmeyer erklärten Vertreter der OJC, dass sie „Homosexualität nicht als psychische Erkrankung bewerten und somit auch nicht als therapiebedürftig betrachten“. Daraufhin erklärte das zuständige Diakonische Werk der EKD die Vorwürfe für ausgeräumt.[46] Es sei Konsens des Gespräches gewesen, dass „jede Form der Diskriminierung einer sexuellen Orientierung sowohl aus theologischen als auch aus medizinischen Gründen abzulehnen“ sei.
Im Mai 2020 veröffentlichte das Institut eine Stellungnahme zum Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen.[47]