Criusvirus kaneoense
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Schemazeichnung eines Virions der Gattung Criusvirus | ||||||||||||||||||||||
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| Criusvirus kaneoense | ||||||||||||||||||||||
| Kurzbezeichnung | ||||||||||||||||||||||
| FloV-SA2 | ||||||||||||||||||||||
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Criusvirus kaneoense ist eine im März 2026 offiziell bestätigte Spezies (Art) von marinen Riesenviren. Es ist derzeit (Stand April 2026) die einzige Art in der Gattung Criusvirus; die ihrerseits mit der Schwestergattung Tethysvirus Mitglied der Familie Mesomimiviridae ist. Zur Spezies Criusvirus kaneoense gehört als exemplarisches Virus FloV-SA2.
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Genom und Proteom
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Genom von FloV-SA2 wurde vollständig als lineare dsDNA-Sequenz von 487.887 bp (Basenpaaren) mit einem G+C-Gehalt von 26,7 % identifiziert. Es ist kompakt mit 1,14 Genen/kb und insgesamt (nach Vorhersage) 575 Genen, darunter 559 kodierende Sequenzen (CDS) und 16 tRNAs. Es kodiert nach Vorhersage 575 Proteinen; unter diesen waren zum damaligen Zeitpunkt 2024 287 (etwa 50 %) Homologe in bekannten Proteinfamilien.[1]
Unter den Genen ist das eL40-Gen das vielleicht bemerkenswerteste: Mit diesem ist FloV-SA2 das erste Beispiel eines eukaryotischen Virus, das für ein ribosomales Protein kodiert. Nach dieser Entdeckung zeigte sich allerdings, dass dieses Gen auch in anderen (bis dato) nicht kultivierten marinen Riesenviren vorhanden ist – und auch in der Wirtszelle exprimiert wird. FloV-SA2 kodiert zudem für ein viruseigenes Rhodopsin der Gruppe II (OLPVRII[2]), ein virales durch Licht aktivierbares Protein mit unbekannter Funktion, das zuvor nur mit Metagenomik nachgewiesen wurde. FloV-SA2 ist somit ein wertvolles Modellsystem zur Erforschung neuer Mechanismen, mit denen Viren den Stoffwechsel eukaryotischer Zellen manipulieren.[3][1]
FloV-SA2 produziert nicht-umhüllte Virionen (Viruspartikel) mit einem ikosaedrischen Kapsid (Durchmesser von ca. 205 ± 7 nm).[1]
Wirte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FloV-SA2 wurde, wie von Julie Thomy et al. 2024 berichtet, aus offenem Meerwasser isoliert; als (natürlicher) Wirt diente der Stamm UHM3020 der marinen Mikroalgen-Gattung Florenciella (Klasse Dictyochophyceae). Zwei weitere eng verwandte Florenciella-Stämme (UHM3011 und UHM3029, mit mehr als 95 % Nukleotididentität im 18S-rRNA-Gen) waren ebenfalls für FloV-SA2 empfänglich. Keine Zelllyse wurde dagegen bei zwei weiteren sehr eng verwandten Stämmen innerhalb der Gattung Florenciella (UHM3000 und UHM3005, mit >99 % Nukleotididentität im 18S-rRNA-Gen) beobachtet, ebenso bei zwei Stämmen anderer Dictyochophyten-Gattungen, „Clade X“ (DictyX; Stamm UHM3054) und Rhizochromulina sp. UHM3072. Dies deutet auf ein enges Wirtsspektrum (auf Arten- bzw. Stammebene) hin.[1]
Systematik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein phylogenetischer Baum, der von Thomy et al. anhand von sieben aneinandergereihten Markergenen (SFII, RNAPL, PolB, TFIIB, TopoII, A32 und VLTF3[4]) erstellt wurde, ordnet FloV-SA2 neben zwei nicht-kultivierten Viren ein, die aus Metagenomen vom Mesomimiviridae (Antarktis) zusammengesetzt wurden („Organic lake phycodnavirus 1“ und 2, OLPV 1 bzw. 2). Damit stellt FloV-SA2 ein neues Mitglied der Familie Mesomimiviridae dar.[1]
Die Systematik der monotypischen Gattung Criusvirus ist wie folgt (Stand 21. April 2026):
Gattung Criusvirus
- Spezies Criusvirus kaneoense[5] [„Florenciella sp. virus SA2“[6]]
- Florenciella sp. virus PP542043[7] alias Florenciella sp. virus SA2 isolate FloV-SA2 (FloV-SA2)[6] – Wirt: Florenciella sp. UHM3020 (Dictyochophyceae), Fundort: Nord-Pazifik, Station ALOHA, Kāneʻohe-Bucht,[8] Hawaii (am 15. September 2014)[6][3]
- ?Spezies „Organic lake phycodnavirus 1“ (OLPV1)[9]
- ?Spezies „Organic lake phycodnavirus 2“ (OLPV2)[10]
Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Gattungsname Criusvirus verweist auf den Titanen Crius der antiken griechischen Mythologie. Das Art-Epitheton kaneoens ist neulateinisch mit der Bedeutung ‚von Kāneʻohe‘, ‚zu Kāneʻohe gehörig‘; womit auf den Ursprung dieses Isolats verwiesen wird, die Bucht von Kāneʻohe, Hawaii.[3]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Julie Thomy, Christopher R. Schvarcz, Kelsey A. McBeain, Kyle F. Edwards, Grieg F. Steward: Eukaryotic viruses encode the ribosomal protein eL40. In: npj Viruses, Band 2, Nr. 51, 23. Oktober 2024; doi:10.1038/s44298-024-00060-2 (englisch).
- ↑ Viral Rhodopsins: Structure, Function and Next Generation Optogenetic Tools – Viral_Rhodopsins. Novel light-sensitive proteins from viruses. Auf: agence nationale de la recherche (anr.fr, englisch), 2019.
- 1 2 3 Victoria F. Queiroz, Frank O. Aylward, Jônatas S. Abrahão, Corina Brussaard, Matthias Fischer, Rohit Ghai, Mohammad Moniruzzaman, Hiroyuki Ogata, Frederik Schulz, Curtis Suttle: Create 2 suborders, 4 genera and 9 species within the order Imitervirales. ICTV 2025, 2025.011F.Imitervirales_newtaxa (zip, docx). 2025.011F.Imitervirales_newtaxa
- ↑ Q9J566 · VLTF3_FOWPN. Protein: Viral late gene transcription factor 3, Gene: VLTF3. Auf: UniProt.
- ↑ ICTV: Master Species Lists (MSL). Abgerufen am 15. April 2026.
- 1 2 3 NCBI Taxonomy Browser: Florenciella sp. virus SA2 (species), Nucleotide: Florenciella sp. virus SA2 isolate FloV-SA2, …, Accession: PP542043.
- ↑ ICTV: Virus Metadata Resource (VMR). Abgerufen am 15. April 2026.
- ↑ Kaneohe. Auf: GeoNames.
- ↑ NCBI Taxonomy Browser: Organic Lake phycodnavirus 1 (species), Nucleotide: Organic Lake phycodnavirus 1 genomic sequence.
- ↑ NCBI Taxonomy Browser: Organic Lake phycodnavirus 2 (species), Nucleotide: Organic Lake phycodnavirus 2 genomic sequence.