Coquandit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt dünntafelige bis lamellare Kristalle bis etwa 0,1mm, die meist zu faserigen bis federigen, kugelförmigen Mineral-Aggregaten zusammentreten. Daneben findet sich Coquandit in dünnen Krusten oder pulverigen bis derben Massen. In reiner Form ist Coquandit farblos und durchsichtig mit einem diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund der überwiegend polykristallinen Ausbildungsformen wirkt er jedoch durchscheinend weiß und die Aggregate schimmern eher perlmuttähnlich.
Erstmals entdeckt wurde Coquandit in Mineralproben aus der ehemaligen „Miniera di Pereta“ in der Gemeinde Scansano (Grosseto, Toskana) in Italien und der „Lucky Knock Mine“ bei Tonasket im Okanogan County des US-Bundesstaates Washington. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch C. Sabelli, P. Orlandi und G. Vezzalini, die das Mineral nach dem französischen Geologen, Mineralogen und Paläontologen Henri Coquand (eigentlich Henri-Jean-Baptiste Coquand; 1811/1813–1881) benannten. Dieser führte zwischen 1842 und 1849 umfangreiche Untersuchungen der Antimonvorkommen in der Toskana durch.[8]
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1991 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1991-024[1]), die den Coquandit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde 1992 im Fachmagazin Mineralogical Magazine veröffentlicht.[8] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Coquandit lautet „Cqd“.[2]
Da der Coquandit erst 1991 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/B.02-020. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Coquandit zusammen mit Klebelsbergit und Tavagnascoit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/B.02 bildet.[3]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Coquandit ebenfalls in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“, dort allerdings in die Abteilung der „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; unklassifiziert“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 7.DE.35 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Coquandit die System- und Mineralnummer 30.01.18.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 30.01.18 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen und (AB)m(XO4)pZq, mit m:p>2:1“ zu finden ist.
In Italien konnte das Mineral außer an seiner Typlokalität „Miniera di Pereta“ in der Gemeinde Scansano noch bei Micciano in der Gemeinde Pomarance und in der „Le Cetine di Cotorniano Mine“ bei Chiusdino (alle in der Toskana) entdeckt werden. Die als weitere Typlokalität geltende „Lucky Knock Mine“ bei Tonasket im Okanogan County (Washington) ist der bisher einzige bekannte Fundort in den Vereinigten Staaten.[12]
Weitere bisher dokumentierte Fundorte sind die „Plaka Mine No. 145“ bei Plaka (Lavrio) im griechischen Regionalbezirk Ostattika, die „Ichinokawa Mine“ bei Saijō auf der japanischen Insel Shikoku, die Antimongrube Goesdorf im Großherzogtum Luxemburg, die „Ribeiro da Serra Mine“ bei Medas in Portugal sowie die „Mina Baia Sprie“ (auch Felsöbánya Mine) bei Baia Sprie und in der Umgebung des alten Bergbaudorfes Cavnic im Kreis Maramureș in Rumänien.[12]
C. Sabelli, P. Orlandi, G. Vezzalini:Coquandite, Sb6O8(SO4)·H2O, a new mineral from Pereta, Tuscany, Italy, and two other localities. In: Mineralogical Magazine. Band56, 1992, S.599–603 (englisch, rruff.info[PDF; 307kB; abgerufen am 10.September 2025]).
John Leslie Jambor, Ernst A. J. Burke:New mineral names. In: American Mineralogist. Band78, 1993, S.845–849 (englisch, rruff.info[PDF; 895kB; abgerufen am 10.September 2025]).
L. Bindi, C. Biagioni, L. Ceccantini, M. Batoni, S. Menchetti:Coquandite, Sb6+xO8+x(SO4)(OH)x·(H2O)1-x (x=0.3), from the Cetine mine, Tuscany, Italy: crystal structure and revision of the chemical formula. In: Mineralogical Magazine. Band78, 2014, S.871–888 (englisch, rruff.info[PDF; 2,0MB; abgerufen am 10.September 2025]).
Coquandite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 10.September 2025(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.405 (englisch).
123456789
Coquandite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 57kB; abgerufen am 10.September 2025]).
1234L. Bindi, C. Biagioni, L. Ceccantini, M. Batoni, S. Menchetti:Coquandite, Sb6+xO8+x(SO4)(OH)x·(H2O)1-x (x=0.3), from the Cetine mine, Tuscany, Italy: crystal structure and revision of the chemical formula. In: Mineralogical Magazine. Band78, 2014, S.871–888 (englisch, rruff.info[PDF; 2,0MB; abgerufen am 10.September 2025]).
12Coquandite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 10.September 2025(englisch).
12C. Sabelli, P. Orlandi, G. Vezzalini:Coquandite, Sb6O8(SO4)·H2O, a new mineral from Pereta, Tuscany, Italy, and two other localities. In: Mineralogical Magazine. Band56, 1992, S.599–603 (englisch, rruff.info[PDF; 307kB; abgerufen am 10.September 2025]).