Conrad Andreae
Conrad Andreae (* 1555 in Alsfeld; † zwischen 1583 und 1586) war ein evangelischer Theologe und Hochschullehrer.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Conrad Andreae stammte aus der hessischen Stadt Alsfeld, die im 16. Jahrhundert ein Zentrum des Handwerks und Handels in der Landgrafschaft Hessen war. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert.
Akademische Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Andreae absolvierte sein Studium an der Universität Wittenberg, dem intellektuellen Zentrum der lutherischen Reformation. Am 9. März 1574 erwarb er dort den akademischen Grad eines Magisters, der damals die höchste philosophische Graduierung vor dem Doktorat darstellte und die Lehrbefähigung einschloss.
Für einen angehenden protestantischen Theologen war die Wahl Wittenbergs naheliegend, da die Universität als "Leucorea" das geistige Zentrum der Reformation bildete und ihre führende Stellung im protestantischen Bildungswesen auch nach Martin Luthers Tod im Jahr 1546 behauptete. Das Studium umfasste die klassischen Artes liberales sowie intensive theologische Studien der Heiligen Schrift, der Kirchenväter und der reformatorischen Schriften.
Professur in Marburg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1580 wurde Conrad Andreae als Professor der Theologie an die Universität Marburg berufen. Die 1527 von Landgraf Philipp dem Großmütigen gegründete Universität ist die erste noch bestehende protestantische Universität der Welt.
Als Professor der Theologie gehörte Andreae zu den akademischen Lehrern, die für die Ausbildung des theologischen Nachwuchses verantwortlich waren. Seine Aufgaben umfassten Vorlesungen über biblische Bücher (Exegese), Dogmatik und Praktische Theologie sowie die Teilnahme an akademischen Disputationen.
Als der lutherisch gesinnte Andreae Marburg verlassen wollte und die Theologische Fakultät um Ausstellung eines Zeugnisses bat, verweigerte der damalige Dekan Georg Sohn (1551–1589)[1], das einzige reformiert gesinnte Mitglied der Fakultät, seine Mitwirkung. Sohn erklärte, er könne die sinceritas (Aufrichtigkeit) Andreaes nicht bezeugen, bot jedoch an, das Dekanatssiegel zur Beglaubigung zu leihen, wenn die übrigen Kollegen ein Zeugnis ausstellen wollten. Als die lutherischen Fakultätsmitglieder Nikolaus Hunnius, Helfrich Herden, seit 1582 Superintendent, und Daniel Arcularius in dem Zeugnis jedoch bekundeten, dass Andreae „mit treuem Herzen der Concordienformel anhänge“, weigerte sich Sohn kategorisch, das Siegel zur Verfügung zu stellen. Die drei lutherischen Professoren wandten sich daraufhin am 16. März 1582 mit einer Beschwerdeschrift an Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg und argumentierten, das Zeugnis sei umso weniger zu beanstanden, da die Formel zuvor durch den Landgrafen den Verfassern vorgelegt und durch diese einstimmig unterschrieben wurde. Die Verfasser betonten dabei, dass diese Übereinkunft für jeden, der zum Augsburger Bekenntnis stehe, eine moralische Verpflichtung darstelle und keinesfalls verleugnet werden könne.[2]
Superintendentur in Gau-Odernheim
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab 1582 übernahm Andreae das Amt des Superintendenten in Gau-Odernheim in Rheinhessen. Er folgte damit auf Pfarrer Michael Segmüller, der in den Jahren 1578 und 1580 in dieser Funktion genannt wird.
Das Amt des Superintendenten entsprach einer kirchlichen Aufsichts- und Leitungsfunktion über mehrere Gemeinden eines Kirchenkreises. Der Superintendent war unter anderem verantwortlich für die Visitation der Gemeinden und Pfarrer, die Ordination neuer Geistlicher, die Überwachung der Lehre und des kirchlichen Lebens und die Vermittlung zwischen kirchlichen und weltlichen Instanzen.
Die Amtszeit Andreaes endete spätestens 1586 denn für dieses Jahr wurde in Gau-Odernheim ein Pfarrer Wonecker als sein Nachfolger genannt, was darauf hindeutet, dass Andreae das Amt zwischen 1583 und 1586 niederlegte oder verstarb.
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Exegesis et Explicatio luculenta prioris epistolae ad Corinthios. Frankfurt am Main, 1585.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Friedrich Wilhelm Strieder: Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten und Schriftsteller Geschichte seit der Reformation bis auf gegenwärtige Zeiten, Band 1. Göttingen, 1781. S. 44 (Digitalisat).
- Conrad Andreae. In: Heinrich Gredy: Die Geschichte der ehemaligen freien Reichsstadt Odernheim. Mainz 1883. S. 241 (Digitalisat).
- Franz Gundlach: Catalogus Professorum Academiae Marburgensis. Die akademischen Lehrer der Philipps-Universität in Marburg von 1527 bis 1910, Band 1. Marburg 1927. S. 11, Nr. 18 (Digitalisat).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Conrad Andreae. In: Marburger Professorenkatalog.
- Conrad Andreae. In: Indexeintrag: Deutsche Biographie.
- Conrad Andreae. In: Hessische Biografie.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Andreae, Conrad. In: arburger Professorenkatalog. 31. Dezember 2025, abgerufen am 12. Mai 2026.
- ↑ Heinrich Heppe: Kirchengeschichte beider Hessen, Band 1. 1876, abgerufen am 12. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Andreae, Conrad |
| ALTERNATIVNAMEN | Andreae, Conradus; Andreae, Konrad; Andreae, Cunradus |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher lutherischer Theologe und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 1555 |
| GEBURTSORT | Alsfeld |
| STERBEDATUM | zwischen 1583 und 1586 |
- Lutherischer Theologe (16. Jahrhundert)
- Lutherischer Geistlicher (16. Jahrhundert)
- Hochschullehrer (Philipps-Universität Marburg)
- Absolvent der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
- Superintendent (evangelische Kirche, Deutschland)
- Person des Christentums (Hessen)
- Geboren 1555
- Gestorben im 16. Jahrhundert
- Mann