Codex diplomaticus Fuldensis
Der Codex diplomaticus Fuldensis (CDF) ist ein im Jahr 1850 von dem deutschen Pädagogen und Historiker Ernst Friedrich Johann Dronke herausgegebenes Urkundenbuch. Es stellt eine der bedeutendsten gedruckten Quellensammlungen zur Geschichte des Klosters Fulda, der Reichsabtei Fulda sowie zur Allgemeingeschichte des deutschen Früh- und Hochmittelalters dar.
Entstehung und Edition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit dem Erstarken der modernen Geschichtswissenschaft und den Historischen Hilfswissenschaften im 19. Jahrhundert wuchs der Bedarf an kritischen Textausgaben mittelalterlicher Quellen. Ernst Friedrich Johann Dronke, zu dieser Zeit Direktor des Gymnasiums in Fulda, sichtete und transkribierte dafür die im landesherrlichen Archiv in Marburg (dem heutigen Hessischen Staatsarchiv Marburg) sowie in Fulda lagernden originalen Pergamenturkunden, Kopialbücher und Traditionsnotizen der ehemaligen Abtei.
Das Werk erschien 1850 im Kasseler Verlag Theodor Fischer. Da der Hauptband Dronkes kein Namens- und Ortsverzeichnis enthielt, veröffentlichte der Historiker Julius Schmincke im Jahr 1862 ein separates Personen- und Ortsregister, welches die wissenschaftliche Nutzbarkeit des Werkes erheblich erleichterte.
Inhalt und Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Codex umfasst insgesamt 843 durchnummerierte Urkunden, Schenkungsnotizen, Verträge und kaiserliche wie päpstliche Privilegien. Die Dokumente decken den Zeitraum von der Gründung des Klosters Fulda im Jahr 744 durch den heiligen Sturmius bis in das Jahr 1374 ab. Der inhaltliche Schwerpunkt und der größte wissenschaftliche Wert liegen jedoch auf den Dokumenten der Karolingerzeit (8. und 9. Jahrhundert).
Das Werk ist chronologisch gegliedert und weitgehend in lateinischer Sprache verfasst, wobei althochdeutsche Einsprengsel – insbesondere bei Grenzbezeichnungen (Marken) und Personennamen – vorkommen.
Wissenschaftliche Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da das Kloster Fulda im Mittelalter über einen gigantischen, weit verstreuten Grundbesitz verfügte, reicht die geografische Bedeutung des CDF weit über die Grenzen des heutigen Hessens hinaus. Die Urkunden betreffen auch Gebiete in Thüringen, Bayern (insb. Franken), Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Für die Ortsnamenforschung (Onomastik) und die historische Geografie ist der Codex diplomaticus Fuldensisneben dem Lorscher Codex die wichtigste Quelle für den Nachweis der urkundlichen Ersterwähnung hunderter mitteleuropäischer Dörfer und Städte. Zudem liefert er fundamentale Erkenntnisse über:
- Die Grundherrschaft und Wirtschaftsstruktur im frühen Mittelalter,
- Genealogische Verbindungen des ostfränkischen Adels,
- Die Entwicklung des Mittelalterlichen Rechtswesens.
Abgrenzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Codex diplomaticus Fuldensis (die gedruckte Urkundensammlung des 19. Jahrhunderts) darf nicht mit dem prachtvollen Codex Fuldensis verwechselt werden. Letzterer ist eine im 6. Jahrhundert geschriebene, biblische Handschrift des Neuen Testaments, die in der Hochschul- und Landesbibliothek Fulda aufbewahrt wird.
Ausgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ernst Friedrich Johann Dronke (Hrsg.): Codex diplomaticus Fuldensis. Theodor Fischer, Cassel 1850 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
- Julius Schmincke: Register zum Codex diplomaticus Fuldensis von Dr. Ernst Fr. Joh. Dronke.Elwert’sche Universitäts-Buchhandlung, Marburg 1862 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Walter Heinemeyer: Die Urkundenfälschungen des Klosters Fulda im Hochmittelalter. In: Archiv für Diplomatik. Band 13, 1967, S. 1–73.
- Janneke Raaijmakers: The Making of the Sacred Place of Fulda. Around a Monastery. Cambridge University Press, Cambridge 2012, ISBN 978-1-107-00281-4.