Zum Inhalt springen

Cité Foch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Avenue Charles de Gaulle in der Cité Foch (Zustand bis 2016)

Die Cité Foch ist ein 47 ha großes Wohngebiet im Berliner Ortsteil Wittenau des Bezirks Reinickendorf. Es ist im Norden begrenzt durch den Packereigraben, westlich durch den Steinbergpark, südlich durch die Gleise der Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde und östlich durch die Jean-Jaurès-Straße und die Cyclopstraße. Die Siedlung entstand im Wesentlichen zwischen 1952 und 1976 als Wohngebiet für die französischen Streitkräfte in Berlin und ihre Angehörigen. 1994 zogen die französischen Bewohner ab. Seit den 2010er Jahren realisiert die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die mit der Abwicklung der hinterlassenen Liegenschaften der Alliierten beauftragt ist, hier ein Wohnungsbauvorhaben mit 600 Wohnungen.[1] Typisch für die Cité sind die blauen französischen Straßenschilder.

Die Cité Foch (angeblich anfangs auch Cité Tucoulou, benannt nach Yves Tucoulou-Tachouères, dem Sohn eines Offiziers der Französischen Streitkräfte in Deutschland, 1948 in Indochina gefallen) hatte sich mit der Zeit zur größten der vier Wohnsiedlungen im französischen Sektor entwickelt. Auf rund 47 Hektar (vgl. Vatikanstadt: 44 ha) befanden sich 785 Wohnungen (80 Gebäude), die höchste Bewohnerzahl erreichte die Siedlung 1991 mit 2600 Personen.

Ursprünglich befand sich hier die Maschinenfabrik Cyclop, deren Lager im August 1945 von französischen Einheiten als Notbehelf bezogen und „Camp Foch“ (nach Ferdinand Foch, einem französischen Marschall im Ersten Weltkrieg) benannt wurde. Die 1910 gegründete „Cyclop Maschinenfabrik (Mehlis und Behrens)“, wurde später von der „Imperator Motorenwerke Wittenau“ übernommen. 1920 wurde das Gelände zur Hauptwerkstatt und Lager der „Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)“ und der "Großen Berliner Straßenbahn (GBS)". Von den Nationalsozialisten wurde das Gelände als Luftwaffen-Militärakademie und Lazarett genutzt.[2]

1945 entstanden auf dem Gelände zunächst einfache Holzunterkünfte, die ab 1952 durch massive Wohnbauten ersetzt wurden.[3]

Plan der Cité Foch aus dem Geoportal Berlin als Wittenauer Ortslage mit der Bebauung von 2015. Deutlich erkennbar sind noch der Economat, die Kirche und das Schwimmbad, die Lage des Collège Voltaire und des Sportplatzes sowie die Gebäude an der Rue Montesquieu die von Gendarmerie und Geheimdienst genutzt wurden.

Die Cité Foch wurde ständig ausgebaut und erhielt u. a. mehrere Schulen (École La Fontaine im Jahr 1959, École Voltaire in der Zeit von 1960 bis 1964 und das École Victor Hugo in den Jahren 1968–1970), einen Kindergarten (École maternelle Saint-Exupéry, 1974), verschiedene Sportanlagen, ein großes Einkaufs- und Mehrzweckgebäude mit einem Kino (Le Flambeau, 1977), eine Kirche (Sainte-Geneviève, 1977–1980), eine Festhalle (1981) sowie ein Parkhaus.[2]

Da sich auf dem Gelände auch militärische Einrichtungen befanden, war die Cité Foch nicht öffentlich zugänglich.

1994 verließen die Franzosen fast zeitgleich mit den drei anderen Besatzungsmächten in Folge der deutschen Wiedervereinigung Berlin und überließen die Cité ihrem Schicksal.[4]

Danach fiel das Grundstück an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Diese ist mit der Abwicklung der Liegenschaften der ehemaligen Alliierten betraut. An der Rue Montesquieu nutzte der Bundesnachrichtendienst nach dem Abzug der Franzosen noch für eine Weile den Antennenmast und ein Verwaltungsgebäude.

Anfang der 2000er Jahre drohte die Cité Foch zu einer Geisterstadt zu werden. Die Gebäude blieben größtenteils leerstehend, die Einrichtungen der Franzosen wurden nicht mehr betrieben. Müll und Vandalismus breiteten sich aus.[5][6]

Einst bot die Cité Bewohnern Platz in 785 Wohnungen in 80 Wohnblöcken.[7] Die Wohnungen waren bis zu 200 m² mit sieben Zimmern groß.[3] Die Wohnungen konnten nur schwer vermietet werden: Einerseits waren sie für deutsche Gewohnheiten ungewöhnlich geschnitten (beispielsweise separate Toiletten, dafür keine Toilette im Badezimmer oder große Salons als Kombination von Wohn- und Esszimmer, gerade in „Offizierswohnungen“), andererseits angesichts des Mietzinses für die angestrebte Nutzung zu groß. Eine Vier-Zimmer-Wohnung für eine Familie, die in den nicht weit entfernten Arealen am Zabel-Krüger-Damm bzw. an der Titiseestraße in Waidmannslust oder im Märkischen Viertel zwischen 90 und 100 m² umfasst, kann hier bis zu 130 m² umfassen. Es gab zudem Sanierungsbedarf und es wurden überwiegend nur befristete Mietverträge angeboten.

Bei der Anlage der Cité wurde offenbar wenig Sorgfalt auf die Verlegung von Leitungen für Strom, Gas und Wasser gelegt: „Die Leitungen verlaufen hier wie Kraut und Rüben, das hat mit den deutschen Standards überhaupt nichts zu tun“ sagte ein Angestellter der BImA im Januar 2026 der Berliner Morgenpost.[8] Im Jahr 2016 war zunächst ein Vermessungsauftrag ausgeführt worden, um überhaupt festzustellen, welche Leitungen welche Gebäude versorgen.[9]

Erst nach einer Sanierung durch die BImA um 2000 besserte sich die Situation. Zwischen 2007 und 2010 konnte der Leerstand von 33 % auf 7 % gesenkt werden.[10][11]

Erhalten sind von der ehemaligen Bebauung heute (Stand 2026) nur noch die Wohnblöcke in der Rue Racine, einzelne Gebäude im westlichen Teil der Avenue Charles de Gaulle sowie die Grundschule am Place Molière und das Gebäude der Musikschule. Alle anderen ehemaligen Einrichtungen wie Schwimmbad, Einkaufszentrum und Gymnasium sowie die Gendarmerie und die Gebäude des Geheimdiensts wurden im Zuge der Umwidmung in den Jahren 2002–2024 abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Straßennamen in der Cité

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden französischen Bezeichnungen von Straßen und Plätzen existieren noch heute auf dem Gelände der Cité. Sie sind – ungewöhnlich für Berlin – mit blauen Straßenschildern gekennzeichnet:

Die Rue Jean-Jaurès und Rue Simone de Beauvoir sind nicht Teil der ursprünglichen Cité.[12]

Ehemalige französische Einrichtungen in der Cité Foch

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Eingang zur Cité an der Rue Montesquieu
Wohnhäuser in der Cité Foch an der Rue Racine
Straßenschild in der Cité Foch mit Wohnblock
Wohnblock Rue Racine 4
Eingangstür aus den 1970er Jahren in den Wohnhäusern der Cité, Rue Racine

École maternelle Saint-Exupéry

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am Place Molière 1 gelegene Vorschule wurde 1974 eingerichtet. Sie wurde von den Kindern des Viertels vor dem Besuch der École Victor Hugo besucht. Heute ist das Gebäude eine Filiale der Münchhausen-Grundschule.

Ehemalige Ecole materielle an der Place Molière (während der Dachsanierung 2025/2026)

École La Fontaine

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule war die erste auf dem Gelände der Cité. Sie wurde 1959 eingerichtet.[3]

École Victor Hugo

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Place Molière 4 wurde zwischen 1968 und 1970 die mit Sporthalle, Sportplatz und Kantine (französisch Restaurant scolaire) ausgestattete Grundschule (frz. École élémentaire) errichtet. Das Schulgelände beherbergt heute das 1994 gegründete Romain-Rolland-Gymnasium (frz. Lycée européen Romain-Rolland) mit französischem Schwerpunkt (AbiBac-Schule). Architektonisch bildet das Schulgelände mit dem der École Saint-Exupéry eine Einheit (frz. zusammen École primaire genannt).

Das Ensemble ist erhalten.

Collège Voltaire

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die an der Avenue Charles de Gaulle 33 gelegene Sekundarschule für Kinder französischer Militärangehöriger bis zu einem Alter von 15 Jahren wurde 1960 bis 1964 errichtet. Sie zog 2010 nach Tiergarten um und wurde dabei organisatorisch dem Französischen Gymnasium angegliedert. Damit das fortan leerstehende Schulgebäude in der Cité Foch nicht verwahrlost, wurde hier ein Pilotprojekt zur „Bewachung durch Bewohnung“ nach dem niederländischen „Antikraak“-Modell eingerichtet.[13][14] Zwischenzeitlich wurde der Komplex als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Das Collège verfügte über einen trapezförmigen Eingang mit einem Glasbausteinrelief.

Nach 2022 wurden die meisten Gebäude des Komplexes abgerissen und zunächst durch kleine Wohnhäuser ersetzt.

Geplant ist mittlerweile (2026) ein Neubau einer Grundschule auf dem Gelände des ehemaligen Colleges.[15][14]

Eingangsbereich des College Voltaire Berlin-Wittenau an der Rue Racine mit Glasbausteinrelief
Ehemalige Gebäude des College Voltaire

Einkaufszentrum / Economat

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das große Einkaufszentrum mit Kino „Le Flambeau“ sowie Kultur- und Gesundheitszentrum an der Avenue Charles de Gaulle 9 sowie 10–14 (durch eine Fußgängerüberführung verbunden) entstand zwischen 1975 und 1977 im Stil des Brutalismus. Es wurde 1998 an einen privaten Investor verkauft und zunächst mit zahlreichen Geschäften frei zugänglich weiterbetrieben („famila“).

Der Komplex verfügte über 12.000 m² Verkaufsfläche.[16] Er wurde 2006 nach der Schließung der einzig als Ladenfläche verbliebenen ALDI-Niederlassung und das Restaurant geschlossen, stand dann leer und diente vor allem vielen Hobbyfotografen als Fotomotiv, bis es in völlig verwahrlostem Zustand zusammen mit weiteren verfallenen Bauten in der Nachbarschaft in den 2010er Jahren zu mehr und mehr Missmut und Diskussionsstoff um die Zukunft der Anlage in Reinickendorf und Berlin beitrug. Der Schweizer Besitzer kümmerte sich nicht um die Erhaltung, Bewachung oder Entsorgung. Zahlreiche Presseartikel beschäftigten sich in dieser Zeit immer wieder mit der Perspektive des Areals.[6]

Vor dem Gebäude befand sich ab 1982 die Bronzeskulptur „Vögel“ mit drei massiven Tieren aus Bronze von Ursula Hanke-Förster. Die Brunnenplastiken wurden in der Bildgießerei Ernst Kraas in Berlin gegossen.[17] Im September 2013 wurde einer der Vögel abgesägt und gestohlen, ein zweiter wurde beschädigt.[18] Obschon ab März 2013 aufgrund zunehmender Diebstähle im verfallenden Einkaufszentrum ein Dringlichkeitsbeschluss der BVV zur Sicherung der Plastiken vorlag, erfolgten entsprechende Maßnahmen nicht rechtzeitig. 2014 stellte man die verbliebenen Plastiken auf dem Gelände des Romain-Rolland-Gymnasiums ohne Brunnenfunktion neu auf. Durch die Wiederaufstellung in der Cité Foch sollte der „enge historische Zusammenhang erhalten“ bleiben, so ist es auf der angebrachten Tafel zu lesen.[17]

In der zweiten Jahreshälfte 2016 wurde das Gebäude komplett abgerissen, wobei u. a. Asbest ein Problem darstellte.[19][20]

Heute befinden sich auf dem Areal neue Wohngebäude, die dem Projekt „FLEUR DE BERLIN“ zuzuordnen sind.

Einkaufszentrum Avenue Charles de Gaulle 10
Verwildertes Einkaufszentrum
Einkaufszentrum „Economat“

Das Hallenbad, auch liebevoll „Franzosenbad“ genannt, stand an der Rue Georges Vallerey 8, und wurde 1972 erbaut. Es enthielt nach der Kirche ein weiteres monumentales Wandbild in Form eines ca. 60 Meter langen Keramikfrieses, das von der Künstlerin Susanne Riée geschaffen wurde.[3] Der Fries soll – neben den blauen Straßenschildern – im aktuellen Bebauungsprogramm zu einem der Elemente werden, die an die französische Vergangenheit des Viertels erinnern.[21]

Das Bad wurde 2002 geschlossen, weil die Berliner Bäderbetriebe die Reparaturkosten nicht mehr stemmen konnten.[3] Um die Rücknahme durch den Bund gab es Streit zwischen diesem und der Stadt Berlin.[22] Eine Sanierung war laut BImA unwahrscheinlich, daher wurde es an eine Privatperson verkauft, der als Tauchsportler hier ein neues Wassererleben schaffen wollte.

Im Februar 2022 begannen Abrissarbeiten, die das Schwimmbad komplett zurückbauten.

Heute (Stand 2026) befindet sich an dieser Stelle eine große eingezäunte Wiese.

Standort des ehemaligen Hallenbades an der Rue Georges Vallerey

Katholische Kirche Ste. Généviève

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Kirche Ste.-Geneviève neben dem ehemaligen Einkaufszentrum entstand in etwa zur gleichen Zeit, zwischen 1977 und 1980. Die Kirche war von den Berliner Architekten Od Arnold und Günter Grasme entworfen worden.[2] Die Kirchenfenster stammten von dem im Jahr 2010 verstorbenen Glasmaler Johannes Beeck.[23]

Die Kirche enthielt einen 20 Meter langen und sechs Meter hohen, aus 128 einzelnen Elementen bestehendes abstraktes Glasbild des Künstlers Johannes Beeck, das die Längswand des Andachtsraums bildete.[3]

Sie ist ebenfalls 2016 entwidmet und abgerissen worden. Die 128 in Blei gefasste Opalglas-Scheiben wurden vor der Zerstörung gerettet und vom Eigentümer des Mehrzweckbaus dem Bezirk Reinickendorf übereignet, der es eingelagert hat.[3]

An dieser Stelle wurden inzwischen zahlreiche Neubauten errichtet.

Glockenturm der Kirche hinter dem Einkaufszentrum Avenue Charles de Gaulle 5

Festhalle und Parkhaus

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981 wurde eine Festhalle und ein Parkhaus ergänzt.[2]

Das Parkhaus steht heute noch in der Nähe des ehemaligen Schwimmbads. Seine Sanierung ist geplant.[24]

Gendarmerie, Radiosender und Geheimdienst

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Gebäude an der Rue Montesquieu, dem Einkaufszentrum direkt gegenüber, wurde jahrzehntelang durch den französischen Geheimdienst DSGE genutzt. „Deshalb war dieses Areal besonders gesichert und konnte auch nur über ein eigenes Wachgebäude mit Sicherheitsschleuse betreten werden. Innerhalb der Umzäunung stand auch der im Jahr 1957 aus Stahl und glasfaserverstärktem Kunststoff erbaute Sendemast.“[2] Der frei stehende Stahlfachwerkturm wurde sowohl durch den französischen Geheimdienst für Abhörmaßnahmen als auch zur Ausstrahlung des Radioprogramms von „Radio Forces Françaises de Berlin“ (FFB) genutzt. 1994 zog der Bundesnachrichtendienst in das Gebäude und nutzte dieses sowie den Antennenmast bis August 2001 für seine Zwecke.

Die Gendarmerie befand sich ebenfalls auf dem Gelände und hatte zeitweise bis zu 260 Mitarbeiter.[2]

Im Februar 2021 begannen die Abrissarbeiten des ehemaligen Geheimdienstgebäudes. Der Abriss der ehemaligen Kommandantur mit der Gendarmerie begann im Januar 2021 und war am 17. März 2021 abgeschlossen.

Heute befinden sich Neubauten als Wohngebäude auf diesem Gelände.

Musikschule / Pavillon des boucs

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heute in Vereinsform geführte deutsch-französische Musikschule École de Musique de Berlin nutzt einen Pavillon an der Avenue Charles de Gaulle 36.[25] Dieser Pavillon wurde zu Zeiten der Anwesenheit der französischen Armee als Gästewohnung und für Junggesellen genutzt. Der Pavillon wurde daher auch „Pavillon des boucs“ genannt.

Das Gebäude ist erhalten.

Weitere verbundene Einrichtungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Spielplatz Rue Racine
Palais des boucs an der Rue Racine

Französischer Militärbahnhof (nicht in der Cité)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Heimfahrten und Rückfahrten aus Frankreich oder wenn Besuch aus Frankreich nach Berlin kam, kamen die französischen Staatsbürger mit Sonderzügen direkt auf dem Französischen Militärbahnhof am Bahnhof Berlin-Tegel an und fuhren auch direkt von dort wieder Richtung Strasbourg ab.

Französischer Militärflughafen Berlin-Tegel (nicht in der Cité)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur wichtigen Infrastruktur rund um die Cité, das von zivilen und militärischen Bewohnern genutzt wurde, gehört auch der als Militärflughafen der Franzosen im Jahr 1948, während der Berlin-Blockade, auf einem Exerzierfeld errichtete Flughafen. Er war als Raketenabschlussplatz eingerichtet und statt zu einer Kleingartenkolonie während der Berlin-Blockade zum Flughafen aufgebaut worden.[26]

Fabrik der Salzenbrodt GmbH & Co. KG

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele der weiblichen Angehörigen der französischen Soldaten und Offiziere arbeiteten in der auf dem Gelände liegenden Fabrik der Salzenbrodt GmbH & Co. KG, die u. a. die Marke Collonil herstellt.[27]

Tanzperformance Centre Talma, Special Olympics World Summer Games 2023, Sommergarten, Messe Berlin

Das Kulturzentrum Centre Talma an der Hermsdorfer Straße 18a, etwas außerhalb der Cité Foch, funktional aber zu ihr gehörend, wurde in eine Sport- und Freizeitstätte für Kinder und Jugendliche umgewandelt. Hier wird von der Berliner Tafel auch täglich für jedermann ein (für Kinder besonders vergünstigtes) Mittagessen mit drei Gängen angeboten. Das Centre Talma war Teil des Festivalprogramms bei den Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin im Juni 2023.[28]

Heutige Nutzung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtebauliche Situation und planungsrechtliche Grundlage

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus planerischer Sicht litt die Cité Foch wie auch andere ehemalige Berliner Wohngebiete der Westalliierten darunter, dass sie nicht unter Anwendung des deutschen Planungsrechts errichtet wurden: Da bei der Bebauung keine Flurstücksaufteilung stattfand, sind die in der Siedlung liegenden Straßen und Grünflächen somit auch nicht öffentlich, sondern Privatgelände. Die Anlagen der Ver- und Entsorgung befinden sich größtenteils außerhalb des Straßenlandes. Bei der Erschließung der Gebäude während der Bauphase wurde auf mögliche Baulasten kaum Rücksicht genommen, da es zwischen öffentlichen und privaten Grundstücken keinen Unterschied gab.

Speziell in der Cité Foch kam noch das Problem hinzu, dass die zivilen Einrichtungen, die sich hier konzentrierten, unter dem Versorgungsaspekt der französischen Militärangehörigen geplant wurden und seit dem Abzug der Truppen nicht unbedingt dem tatsächlichen lokalen Bedarf entsprechen. Die Genehmigung dieser Einrichtungen unterlag damals nicht dem deutschen Planungsrecht. So wurden zum Beispiel auch nicht die Vorschriften des Immissionsschutzes beachtet, was die Schutzabstände zwischen Wohnbebauung und umliegenden Industriebauten anbelangt. Davon betroffen ist ein Großteil des südlichen Wohngebiets um die Hermsdorfer Straße 70 (ein Betrieb nach Seveso-II-Richtlinie), wo eigentlich ein Schutzabstand von 200 Metern einzuhalten wäre.

Für die Fläche südlich des Packereigrabens, begrenzt durch die Grundstücksflächen Jean-Jaurès-Straße 3/7, 7a und 21, Hermsdorfer Straße 55, die Grundstücksflächen Hermsdorfer Straße 56–69 und östlich des Steinbergparks (Rosentreterbecken) sowie einen Abschnitt der Jean-Jaurès-Straße und der Hermsdorfer Straße im Bezirk Reinickendorf, Ortsteile Wittenau und Waidmannslust (Teilfläche der Cité Foch) wurde 2007 (ergänzt: 2012) der Bebauungsplan XX-277a erstellt.[29] Dieser hatte die Zielsetzung, „die bestehenden Wohngebäude planungsrechtlich zu sichern, für bauliche Nachverdichtungen sowie für Grünflächen die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen und eine Übernahme der vorhandenen Straßen durch das Land Berlin zu ermöglichen“.[30] Damit wurde die planungsrechtliche Grundlage dieser Ortslage im Bezirk geschaffen. Die Straßen wurden gewidmet.

Die BImA realisiert in der Cité Foch in Reinickendorf ein Wohnungsbauvorhaben mit insgesamt etwa 600 Wohnungen. Daneben sollen ein Spielplatz, eine Kindertagesstätte und ein Grundschulneubau der Münchhausen-Grundschule entstehen.[1]

In den 2010er Jahren wurde der raumgreifende Einfamilienhaus-Pavillon an der Rue Racine 5 abgerissen und durch vier Mehrfamilienhäuser in Stadtvilla-Bauweise ersetzt worden. Das Gelände des abgerissenen Einkaufszentrums wurde mit mehrgeschossigen Wohnhäusern bebaut. Nordwestlich der Rue Montesquieu, zur Jean-Jaurès-Straße hin, wurden zwei weitere ungenutzte, verfallende Gebäude abgetragen.[31]

Der Teil auf der südöstlichen Seite der Avenue Charles de Gaulle (ehemalige Hausnummer 9 des Einkaufszentrums) wurde im Sommer 2019 fertiggestellt und bezogen.

Ende 2021 begann der Bezug des größeren Bauabschnitts auf der gegenüberliegenden Straßenseite, zur Rue Montesquieu hin (ehemalige Hausnummern 10–14 des Einkaufszentrums). Dieser trägt den französisierenden Namen Fleur de Berlin, zu Deutsch „Blume von Berlin“, und umfasst 241 Eigentumswohnungen.[32]

In einem weiteren Bauvorhaben entstehen auf dem ehemaligen Sportplatz zwischen Rue Montesquieu und Avenue Charles de Gaulle fünf Gebäude mit 140 Wohnungen und ein Spielplatz. Das Richtfest wurde am 2. Juni 2023 begangen.[1]

Von der ursprünglichen Bebauung bis 1976 sind inzwischen nur noch mehrere niedrige Pavillons sowie fünf Blöcke mit jeweils 12 Wohnungen und Giebelfenstern in der Rue Racine sowie der Pavillon des boucs erhalten.

Geplant ist mittlerweile (2026) auch ein Neubau einer Grundschule auf dem Gelände des ehemaligen Colleges.[33][34]

  • Ulrike Wahlich, Dorothea Führe, Ingolf Wernicke: Die Franzosen in Berlin. Besatzungsmacht, Schutzmacht, Partner für Europa. Hrsg.: Bezirksamt Reinickendorf von Berlin. Jaron Verlag, 2002, ISBN 3-932202-12-0.
Commons: Cité Foch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Zeitzeugenberichte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einkaufszentrum

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cité: Abriss und Neubebauung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 Richtfest für 140 neue Wohnungen in der Cité Foch. In: berlin.de. 2. Juni 2023, abgerufen am 16. Mai 2026.
  2. 1 2 3 4 5 6 Michael Bayer: Eine heimatgeschichtliche Reise in den Reinickendorfer Ortsteil WITTENAU. In: Wittenauer Geschichte. Abgerufen am 14. Mai 2026.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 Marc Lippuner: Folge 13: Cité Foch. In: meinviertel.berlin. Abgerufen am 14. Mai 2026.
  4. "Mit dem Abzug ist das Ende des Zweiten Weltkriegs endgültig geworden". In: morgenpost.de. 9. September 2004, abgerufen am 18. Mai 2026.
  5. Stadtrat macht gegen Müll-Problem in der Cité Foch mobil. In: morgenpost.de. 16. April 2012, abgerufen am 18. Mai 2026.
  6. 1 2 Brigitte Schmiemann: Bezirk räumt vor Einkaufszentrum in Cité Foch auf. In: morgenpost.de. 27. März 2012, abgerufen am 18. Mai 2026.
  7. THE ONE THAT BUCKED THE TREND. In: abandonedberlin.com. Abgerufen am 12. Mai 2026 (englisch).
  8. Dirk Krampitz: Cité Foch: Die Wasserbetriebe räumen das Chaos der Franzosen auf. 12. Januar 2026, abgerufen am 18. Mai 2026.
  9. Patrick Goldstein: Das Viertel, in dem niemand wohnen möchte. 27. Mai 2016, abgerufen am 18. Mai 2026.
  10. Rainer W. During: Bonjour Tristesse: Das Cité Foch. In: Der Tagesspiegel. 2. August 2010 (tagesspiegel.de).
  11. Ulrich Paul: Zu groß, zu teuer, zu unattraktiv (Memento vom 22. August 2013 im Webarchiv archive.today)
  12. Dirk Krampitz: Darum hat Reinickendorf als einziger Bezirk blaue Straßenschilder. 12. Dezember 2025, abgerufen am 18. Mai 2026.
  13. Christian Bartlau: In den Häusern der Anderen (Memento vom 22. Juli 2012 im Internet Archive)
  14. 1 2 Dirk Krampitz: Schule gesichert: Weg frei für Wohnungsbau im Berliner Norden. 17. Februar 2026, abgerufen am 18. Mai 2026.
  15. Toja Gural: Bebauungsplan für Cité Foch in Reinickendorf beschlossen. In: ENTWICKLUNGSSTADT - Jede Zeit baut ihre Stadt! 16. Februar 2026, abgerufen am 12. Mai 2026.
  16. Sebastian Eberle: Große Pläne für die Cité Foch. 10. Januar 2008, abgerufen am 18. Mai 2026.
  17. 1 2 Les Oiseaux (Vögel) – Bildhauerei in Berlin. Abgerufen am 14. Mai 2026.
  18. Sorge um Kunstwerk in Wohnsiedlung Cité Foch. In: morgenpost.de. 13. Januar 2013, abgerufen am 18. Mai 2026.
  19. Patrick Goldstein: Wenn der Bezirksbürgermeister mit dem Bagger kommt. 17. Juni 2016, abgerufen am 18. Mai 2026.
  20. Rainer W. During: Cité Foch in Berlin: Marodes Einkaufszentrum wird abgerissen (Memento vom 10. Dezember 2022 im Internet Archive)
  21. Dirk Krampitz: Cité Foch: Großes Bauprojekt feiert Richtfest. 2. Juni 2023, abgerufen am 18. Mai 2026.
  22. Bund will Millionen für marodes Bad Cité Foch: Senat wehrt sich gegen „unberechtigte Forderungen“. 14. Januar 2003, abgerufen am 20. Mai 2026.
  23. Gerd Appenzeller: Cité Foch in Reinickendorf: Monumentale Glaswand wird eingelagert. 16. Oktober 2016, abgerufen am 20. Mai 2026.
  24. Dirk Krampitz: Einst abgeschirmtes Gebiet: So öffnet sich die Cité Foch. 3. Februar 2025, abgerufen am 18. Mai 2026.
  25. Räume (Memento vom 29. September 2020 im Internet Archive)
  26. Alexander Rothe: 30 Jahren nach ihrem Abzug: So prägten die Alliierten Berlin. 8. September 2024, abgerufen am 18. Mai 2026.
  27. Geschäfte & Industrie - Die Geschichte von Berlin-Wittenau. In: wittenauer-geschichte.de. Abgerufen am 14. Mai 2026.
  28. Festival im Sommergarten. In: berlin2023.org. Abgerufen am 2. Juli 2023.
  29. Bebauungsplan XX-277a – Cité Foch in Berlin-Reinickendorf (Memento vom 29. November 2020 im Internet Archive) BA Reinickendorf.
  30. Begründung zum Bebauungsplan XX-277a (Memento vom 26. April 2014 im Internet Archive)
  31. Bilddokumentation der Bautätigkeit. architektur-urbanistik.berlin (Blog).
  32. fleur de berlin - Projektdetails. In: neubaukompass.de. Abgerufen am 16. Mai 2026.
  33. Toja Gural: Bebauungsplan für Cité Foch in Reinickendorf beschlossen. In: entwicklungsstadt.de. 16. Februar 2026, abgerufen am 12. Mai 2026.
  34. Dirk Krampitz: Reinickendorf bekommt neue Grundschule – das hat weitreichende Folgen. 17. Dezember 2025, abgerufen am 18. Mai 2026.

Koordinaten: 52° 36′ 6″ N, 13° 19′ 13″ O