Chris Boos

Hans-Christian Boos (* 2. Oktober 1972 in Konstanz), bekannt als Chris Boos, ist ein IT-Unternehmer, Investor und ehemaliges Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung (2018–2021). 2024 und 2025 wurden gegen ihn Strafbefehle zweier Amtsgerichte wegen Insolvenzverschleppung rechtswirksam.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Abitur studierte Boos Informatik in Zürich und Darmstadt, besuchte aber auch Vorlesungen aus dem Bereich der englischen Literatur.[1] Im Jahr 1994 brach er sein Studium ab und begann als Mitarbeiter in der Risikomodellierung und Kapitalmarktanalyse im Dresdner-Bank-Konzern.
1995 gründete er mit seinem Onkel, einem pensionierten Bankier, das IT-Unternehmen arago GmbH.
Aufgrund einer Augenkrankheit ist Boos stark sehbehindert. Um trotzdem lesen zu können, trägt er stets eine Lupe bei sich.[1]
Unternehmen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die arago GmbH spezialisierte sich zunächst auf Management und IT-Beratung, nannte als Unternehmensziel aber die Erforschung und Kommerzialisierung allgemeiner künstlicher Intelligenz (KI). Seit 2014 war der Finanzinvestor KKR mit 50 Millionen Euro am Unternehmen beteiligt, gab die Anteile aber im Jahr 2020 wieder an Boos zurück.[2] Das Unternehmen beschäftigte 2018 angeblich 200 Mitarbeiter[1], andere Angaben von 2020 hingegen sprechen von lediglich 94.[3] Ähnliche Unklarheiten bestanden auch hinsichtlich der erzielten Umsätze des Unternehmens, die in laut Boos nicht autorisierten Artikeln renommierter Zeitungen weit über den tatsächlich jemals erzielten Zahlen gelegen haben sollen.[4]
Hauptprodukt war ein KI-basiertes Assistenzsystem namens HIRO, das Regelaufgaben in Unternehmen automatisiert bearbeitet. Als Demonstration trainierte die Firma 2016 ihr System mit Erfolg darauf, menschliche Spieler im Simulationsspiel Freeciv zu schlagen.[5]
Im April 2020 bestätigte das Bundesamt für Justiz der Zeitschrift Stern, dass man wegen nicht veröffentlichter Geschäftszahlen „von Amts wegen“ förmliche Ordnungsgeldverfahren gegen arago eingeleitet habe.[6]
Boos ist Vorstandsmitglied und Investor in verschiedenen Unternehmen und Start-ups. Im Jahr 2019 war er Teilnehmer an der Bilderberg-Konferenz[7] und Vorsitzender der Jury des Deutschen KI-Preises des Wirtschaftsmagazins Bilanz der Axel Springer SE.[8]
2020 arbeitete Boos als Mitinitiator des Projekts an PEPP-PT („Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing“), das einen Standard für eine mögliche COVID-19-App entwickeln sollte, mit der Bürger feststellen können, ob sie mit einem COVID-19-Infizierten in Kontakt gekommen sind. Er war ein Verfechter der zentralisierten Lösung,[9] die aber schließlich verworfen wurde.[10]
Am 9. Januar 2023 wurde vom Amtsgericht Frankfurt vorläufige Verwaltung des Vermögens der Schuldnerin arago GmbH angeordnet. Am 28. Februar 2023 wurde das formale Insolvenzverfahren eröffnet.[11]
Im Juli 2023 erwarb die Almato AI GmbH, eine Tochtergesellschaft der Almato AG mit Sitz in Stuttgart, die Rechte an der Software HIRO der insolventen arago GmbH. Sie stellte zudem das verbliebene Entwicklerteam unter der Leitung von Chris Boos als Geschäftsführer ein. Im September 2026 wurde Boos fristlos entlassen. Dies basierte laut einer Recherche der Wirtschaftswoche auf Strafbefehlen der Amtsgerichte Frankfurt am Main (Oktober 2024) und Darmstadt (Januar 2025) wegen Insolvenzverschleppung gegen Boos, die der Datagroup als Muttergesellschaft von Almato nach eigenen Angaben nicht bekannt gewesen sein sollen. Dabei kam es offenbar auch zu Unregelmäßigkeiten bei der Niederlegung seiner Geschäftsführertätigkeit bei Almato AI GmbH, da die Strafbefehle eine sofortige Niederlegung bzw. Austragung von Amts wegen erfordert hätte, Boos die Geschäftsführerrolle aber erst im November 2025 abgab.[12][13][14]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Britta Weddeling: Köpfe der Künstlichen Intelligenz: Chris Boos. Handelsblatt, 5. September 2018, abgerufen am 9. Oktober 2019.
- ↑ Hans-Martin Tillack: Immer auf Sendung. In: Stern Nr. 24/2020, 4. Juni 2020.
- ↑ arago GmbH bei Apollo.io. Abgerufen am 9. August 2020 (englisch).
- ↑ Hans-Martin Tillack: Erfolgsmeldungen über Digitalberater der Kanzlerin entpuppen sich als Legenden. In: stern.de. 3. Juni 2020, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Arago’s Hans-Christian Boos Talks While Their AI Plays Freeciv at Disrupt London 2016. TechCrunch, 6. Dezember 2016, abgerufen am 9. Oktober 2019.
- ↑ Zu wenig Transparenz: Verfahren gegen Firma des Corona-App-Gurus Boos eingeleitet. In: stern.de, 27. April 2020.
- ↑ Teilnehmer Bilderberg 2019. In: npr.news. 29. Mai 2019, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 16. Mai 2020; abgerufen am 25. April 2020.
- ↑ Die Jury des Deutschen KI-Preises. In: welt.de. 2. August 2019, abgerufen am 21. März 2020.
- ↑ Streit beim Corona-App-Projekt. In: golem.de, 16. April 2020.
- ↑ Chris Boos ist der visionäre Vordenker der Corona-App. In: tagesspiegel.de, 20. Juni 2020.
- ↑ Eröffnungsbeschluss Amtsgericht Frankfurt, Insolvenz arago GmbH In: Insolvenzportal, abgerufen am 30. Mai 2023.
- ↑ Hans-Martin Tillack: Doch kein Elon. In: linkedin.com. Abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Hans-Martin Tillack: Künstliche Intelligenz: KI-Guru Chris Boos auf Abwegen. In: linkedin.com. Abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Hans-Martin Tillack: KI-Guru Chris Boos auf Abwegen. In: msn.com. Abgerufen am 18. September 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boos, Chris |
| ALTERNATIVNAMEN | Boos, Hans-Christian (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher IT-Unternehmer, Investor und Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung |
| GEBURTSDATUM | 2. Oktober 1972 |
| GEBURTSORT | Konstanz |