Chess Tigers
Chess Tigers bezeichnet eine deutsche Schachorganisation, die insbesondere als Veranstalter der Chess Classic in Frankfurt am Main und Mainz sowie durch ihre frühe Förderung von Chess960 bekannt wurde. Der 1999 gegründete Chess Tigers Schach-Förderverein 1999 e. V. ging aus dem Umfeld der seit 1994 veranstalteten Chess Classic hervor.
Ab Beginn der 2000er Jahre gehörten die Chess Tigers zu den frühen Organisatoren größerer internationaler Wettbewerbe im Fischer-Random-Schach. In Mainz wurden ab 2001 Chess960-Wettkämpfe mit internationalen Spitzenspielern und ab 2002 offene Chess960-Turniere ausgetragen. Die Veranstaltungen trugen dazu bei, die von Bobby Fischer entwickelte Schachvariante einem größeren internationalen Publikum bekannt zu machen.[1]
Seit den 2020er Jahren wird der Name Chess Tigers daneben für mehrere Unternehmen aus den Bereichen Schachhandel, Training und Verlagswesen verwendet.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Chess Classic und Vereinsgründung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hans-Walter Schmitt initiierte 1994 anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Schachclubs Frankfurt-West die Frankfurt Chess Classic. Bei der ersten Veranstaltung in Frankfurt-Zeilsheim gehörten ein offenes Schnellschachturnier sowie Simultanveranstaltungen mit Viswanathan Anand zum Programm.[2]
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Veranstaltung zu einer international besetzten Schnellschachveranstaltung. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Garri Kasparow, Anatoli Karpow, Wladimir Kramnik, Anand, Judit Polgár und Péter Lékó. 1999 nahmen mit Kasparow, Anand, Kramnik und Karpow vier der prägenden Spieler der damaligen Weltspitze teil. Einzelne Turnierabende verfolgten mehr als 1000 Zuschauer; auch deutsche Fernsehsender berichteten über die Veranstaltung.[2]
Am 9. September 1999 gründeten Schmitt und weitere Beteiligte den Chess Tigers Schach-Förderverein 1999 e. V.[2]
2001 wechselte die Chess Classic von Frankfurt nach Mainz. Veranstaltungsort wurde die Rheingoldhalle. Die Chess Classic wurde dort bis 2010 ausgetragen.
Chess960 in Mainz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab 2001 nahmen die Chess Tigers die von Bobby Fischer entwickelte Variante Fischer Random Chess in das Programm der Chess Classic auf. Sie wurde in den folgenden Jahren unter der Bezeichnung Chess960 bekannt.
Zum Auftakt spielten 2001 Michael Adams und Péter Lékó einen Wettkampf in der neuen Schachvariante. Ab 2002 wurde zusätzlich ein offenes Chess960-Turnier veranstaltet. Nach einer späteren historischen Darstellung von ChessBase erreichte dieses zeitweise mehr als 260 Teilnehmer.[3]
2003 wurde in Mainz ein Chess960-Weltmeisterschaftskampf zwischen Péter Lékó und Peter Swidler ausgetragen. Swidler gewann den Wettkampf. In den folgenden Jahren gehörten unter anderem Lewon Aronjan, Hikaru Nakamura, Alexander Grischtschuk und Alexandra Kostenjuk zu den Teilnehmern der Mainzer Chess960-Wettbewerbe.
Die Aktivitäten der Chess Tigers wurden auch außerhalb der Schachfachpresse wahrgenommen. Heise online berichtete 2005, der Frankfurter Schachklub Chess Tigers veranstalte bereits „seit einigen Jahren“ hochkarätig besetzte Turniere nach Fischers Schachregeln.[4]
Das US-amerikanische Magazin Wired bezeichnete die Chess Tigers im selben Jahr als deutsche Non-Profit-Organisation, die einen Chess960-Computerwettbewerb in Mainz organisierte. Wired verwies zugleich darauf, dass nach Jahren geringer Verbreitung ab 2001 Chess960-Schaukämpfe und offene Turniere im Rahmen der Chess Classic Mainz veranstaltet wurden.[1]
2005 fand in Mainz außerdem die erste Chess960-Computer-Weltmeisterschaft statt. 21 Programme nahmen daran teil.[5]
Auch in den folgenden Jahren berichteten überregionale Medien über die Chess960-Wettbewerbe in Mainz. Heise online berichtete beispielsweise 2006 über einen Wettkampf zwischen Weltklasse-Großmeistern und Schachprogrammen im Fischer-Schach sowie 2007 über die Chess960-Computer-Weltmeisterschaft, die im Rahmen der Chess Classic stattfand.[6][7]
ChessBase ordnete die Mainzer Jahre später als eine Phase mit Neuerungen in der Turnierorganisation für Spitzenspieler und Amateure ein und hob insbesondere das in Mainz praktizierte Chess960-System hervor.[8]
Ende der Chess Classic und weitere Vereinsarbeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Chess Classic wurde 2010 letztmals ausgetragen. In einem Rückblick zur Einstellung der Veranstaltung wurden die Stadt Mainz, der damalige Oberbürgermeister Jens Beutel sowie der Chess Tigers e. V. mit seinem Vorsitzenden Hans-Walter Schmitt als Träger der Veranstaltung genannt.[8]
Nach dem Ende der Chess Classic verlagerte sich die Tätigkeit des Fördervereins stärker auf Nachwuchsförderung, Schachtraining und kleinere Turnierformate.
Zu den Veranstaltungen gehörte unter anderem die Youth Classic. ChessBase berichtete 2016 über eine Austragung in Bad Soden am Taunus, die vom Chess Tigers Schach-Förderverein gemeinsam mit dem SC Bad Soden veranstaltet wurde.[9]
Zum Trainingsangebot entstand außerdem die sogenannte Chess Tigers Universität mit systematisch aufgebauten Schachlektionen. Im Training Center in Bad Soden hielten sich auch Spitzenspieler zu Trainingszwecken auf. Die Frankfurter Rundschau berichtete 2019 unter anderem über die Vorbereitung Viswanathan Anands in Bad Soden.[10]
Entwicklung seit 2022
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 2022 wurden unter dem Namen Chess Tigers zusätzlich kommerzielle Aktivitäten aus den Bereichen Schachhandel, Training und Medien gebündelt. Marina und Sven Noppes sowie der Internationale Meister Jonathan Carlstedt übernahmen zunächst das SchachDepot; dessen Versandhandel wurde später als Chess Tigers Shop fortgeführt.[11]
2023 wurde der Berliner Schachladen Lasker’s übernommen und als Lasker’s – Chess Tigers Store weitergeführt.[12]
Ende 2024 übernahm die Chess Tigers Training Center GmbH die Exzelsior Verlag GmbH, die die Schachzeitschrift Schach herausgibt.[13]
Der Chess Tigers Schach-Förderverein 1999 e. V. und die unter dem Namen Chess Tigers tätigen Unternehmen sind rechtlich eigenständige Organisationen.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Kevin Poulsen: Unorthodox Chess From an Odd Mind. In: Wired. 19. Juli 2005, abgerufen am 7. August 2026 (englisch).
- 1 2 3 David Schahinian: Mit Bauer und Pferd in der Weltpolitik. In: Frankfurter Neue Presse, 12. Dezember 2025, S. 22.
- ↑ Hans Dieter Post: Fischerschach, Chess 960 oder Freestyle: Wie alles begann. In: ChessBase. 31. Januar 2024, abgerufen am 7. August 2026.
- ↑ Lars Bremer: Mensch-Maschine-Schach mit Zufallsfaktor. In: Heise online. 10. August 2005, abgerufen am 7. August 2026.
- ↑ Kevin Poulsen: Chess vs. Chess960: A PC's View. In: Wired. 19. Juli 2005, abgerufen am 7. August 2026 (englisch).
- ↑ Lars Bremer: Fischer-Schach gegen Computerprogramme. In: Heise online. 16. August 2006, abgerufen am 7. August 2026.
- ↑ Lars Bremer: Rybka ist Weltmeister im Fischer-Schach. In: Heise online. 17. August 2007, abgerufen am 7. August 2026.
- 1 2 Chess Classic Mainz – End of an Era. In: ChessBase. 16. Februar 2011, abgerufen am 7. August 2026 (englisch).
- ↑ Die Youth Classic in Bad Soden. In: ChessBase. 27. Oktober 2016, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Barbara Helfrich: Schach-Champion beim Treppen-Joggen. In: Frankfurter Rundschau. 24. Januar 2019, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Über uns. In: Chess Tigers. Abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Neueröffnung des „Schachladen Laskers – Chess Tigers Store“ in Berlin. In: ChessBase. 20. September 2023, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Chess Tigers übernehmen Zeitschrift „SCHACH“. In: Chess Tigers. Abgerufen am 26. Juli 2026.