Charlotte Pryce

Charlotte Pryce (* 1961 in London) ist eine britische Filmemacherin, bildende Künstlerin und Dozentin. Ihre oft märchenhaften Experimental-Kurzfilme, in denen Naturphänomene und fotochemische Prozesse eine zentrale Rolle spielen, werden auf internationalen Filmfestivals gezeigt.
Leben und Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jugend und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Charlotte Pryce kam 1961[1] in London zur Welt. Sie studierte an der Slade School of Art, University College London und am School of the Art Institute of Chicago.
Arbeitsweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1986 arbeitet Pryce im Bereich Film und Fotografie und erschafft sogenannte „optische Objekte“.[2] Typisch für Pryce sind ihre hauptsächlich analog gedrehten und manuell nachbearbeiteten Experimentalkurzfilme, in denen sie die Schönheit der Natur, speziell Pflanzen und Insekten, meist in Nah- oder Makroaufnahmen einfängt.[3][4]
Pryce arbeitet mit analogem Film, meistens im 16mm-Format. Ihr sind die materiellen, fotochemischen Prozesse des Filmemachens wichtig, in dem Zusammenhang interessiert sie sich für die Geschichte der Alchemie. Oft erforscht sie Auswirkungen von Lichteinwirkung auf das Filmmaterial. Das Filmbild ist für sie typischerweise der Ausgangspunkt für Manipulationen des Materials, vor allem mithilfe von manueller Entwicklung und optischen Kopien. In der Nachbearbeitung nutzt Pryce mittlerweile auch digitale Techniken.[5] Die Filme sind entweder stumm oder mit Musik und Geräuschen unterlegt, in letzter Zeit spricht Pryce oft selbst märchenhafte Erzählungen als Voiceover ein. Als eine Inspirationsquelle für Pryces Arbeiten wird Opal Whiteleys Mystical Nature Diary (1920) genannt. In Pryces kurzen Experimentalfilmen wird eine märchenhafte, manchmal unheimliche Natur gezeigt, voller Geheimnisse und magischer Erfahrungen.[4]
Bereits 2013 entwickelte Pryce W.H. Hudson’s Remarkable Argentine Ornithology, eine Mischung aus Kurzfilm und Performance,[6] die eine Laterna magica involviert, ein frühes Projektionsgerät. Ihre Laterna-Magica-Performance The Tears of a Mudlark wurde Ende der 2010er Jahre u. a. im Centre Pompidou[7] und im Velaslavasay Panorama in Los Angeles präsentiert.[8]
Ihre Arbeiten wurden auf zahlreichen Festivals präsentiert. Darunter sind das International Film Festival Rotterdam, das Toronto Film Festival,[9] die Viennale,[10] die Kurzfilmtage Oberhausen[2] und das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund/Köln.[11] Die Kurzfilme werden von der auf Avantgardefilm spezialisierten Canyon Cinema Foundation vertrieben.[12]
Charlotte Pryce lebt in Los Angeles. Seit 2004[13] lehrt sie am California Institute of the Arts an der Fakultät für Film und Video.[7]
Die 72. Kurzfilmtage Oberhausen widmeten Pryce eine Werkschau.[14]
Filmografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Regie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1988: X (Kurzfilm, 4 Min.)
- 2007: Discoveries on the forest floor 1–3 (Kurzfilm, 4 Min.)
- 2008: Parable of the Tulip Painter and the Fly (Kurzfilm, 4 Min.)
- 2011: Curious Light (Kurzfilm, 4 Min.)
- 2013: Looking Glass Insects (Kurzfilm, 4 Min)
- 2019: Pwdre Ser (The rot of stars) (Kurzfilm, 7 Min.)
- 2023: and so it came about (A Tale of Consequential Dormancy) (Kurzfilm, 12 Min.)[15]
- 2025: The Gloaming (Kurzfilm, 14 Min.)[16]
Als Darstellerin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1988: A Still Life of Postcards (Kurzfilm, Regie: Ines Sommer)[17]
- 2019: Wasteland (Animationsfilm, Regie: Jonni Peppers)
Ausstellungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2023: Sweet 16: Film Poetry by Rose Lowder and Charlotte Pryce. EYE Film Instituut Nederland[18]
Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kim Knowles: Alchemistin, sanfte Aktivistin. In: Katalog der 72. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2026, Karl Maria Laufen, Oberhausen 2026, ISBN 978-3-87468-527-6, S. 227–229 (online).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Charlotte Pryce bei IMDb
- Website von Charlotte Pryce
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Marcos Ortega: Bozar & Cinema Parenthèse presents: Luminous Revelations - Charlotte Pryce. In: Experimental Cinema. 25. Januar 2019, archiviert vom ; abgerufen am 27. April 2026 (englisch).
- 1 2 Die Profile der 72. Kurzfilmtage / Charlotte Pryce: Alchemistische Transformationen und eine Laterna Magica. In: Internationale Kurzfilmtage Oberhausen. Archiviert vom ; abgerufen am 1. Mai 2026.
- ↑ Jordan Cronk: Charlotte Pryce. In: Artforum. 4. Februar 2019, archiviert vom ; abgerufen am 27. April 2026 (amerikanisches Englisch).
- 1 2 Kim Knowles: Alchemistin, sanfte Aktivistin. In: Katalog der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2026. Karl Maria Laufen, Oberhausen 2026, ISBN 978-3-87468-527-6, S. 227–229.
- ↑ Benjamin Moldenhauer: Magazin der 72. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen - Profile: Ausflüge in die Mikroebene. In: Internationale Kurzfilmtage Oberhausen gGmbH. Abgerufen am 2. Mai 2026 (deutsch).
- ↑ W.H. Hudson’s Remarkable Argentine Ornithology (S) (2013). Archiviert vom ; abgerufen am 2. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 3 Charlotte Pryce. In: California Institute of the Arts. Abgerufen am 27. April 2026 (englisch).
- ↑ Luminous Revelations. In: Velaslavasay Panorama. 2019, archiviert vom ; abgerufen am 2. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Jeremy Kay: TIFF announces City To City, closing night. In: Screen Daily. Archiviert vom ; abgerufen am 2. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Concerning Flight: Five Illuminations in Miniature. In: Viennale. Abgerufen am 2. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Pwdre Ser: the rot of stars. In: Internationales Frauen Film Fest. Archiviert vom ; abgerufen am 2. Mai 2026.
- ↑ The Latent Image: On Charlotte Pryce’s Film Art. In: Canyon Cinema Foundation. Archiviert vom ; abgerufen am 3. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Charlotte Pryce. In: Katalog der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2026. Karl Maria Laufen, Oberhausen 2026, ISBN 978-3-87468-527-6, S. 230.
- ↑ Die 72. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen eröffnen morgen. In: Kurzfilmtage Oberhausen. 27. April 2026, archiviert vom ; abgerufen am 30. April 2026.
- ↑ Of Membranes, shimmering and beguiling. In: Katalog der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2026. Karl Maria Laufen, Oberhausen 2026, ISBN 978-3-87468-527-6, S. 233.
- ↑ Of Radiances, celestial and curious. In: Katalog der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2026. Karl Maria Laufen, Oberhausen 2026, ISBN 978-3-87468-527-6, S. 231.
- ↑ Renate Lippert: Hinter den Bildern: Filme von Frauen auf den 35. Oberhausener Kurzfilmtagen 1989. In: Frauen und Film,. Nr. 47. AvivA Britta Jürgs GmbH, September 1989, S. 106–116.
- ↑ Film Poetry by Rose Lowder and Charlotte Pryce | Eye Filmmuseum. Abgerufen am 2. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Christine N. Ziemba: Charlotte Pryce Wins Experimental Film Prize from Los Angeles Film Critics. In: CalArts. 3. Januar 2014, abgerufen am 1. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pryce, Charlotte |
| KURZBESCHREIBUNG | britische Filmemacherin und bildende Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1961 |
| GEBURTSORT | London |