Die Stadt bildet ein Siedlungszentrum im Sillon alpin, verfügt über einen Flughafen und beherbergt den Sitz der Universität Savoyen. Auf einer Fläche von 20,99 km² wohnen 59.964 Einwohner (Stand: 1.Januar 2023).
Der Lac du Bourget ist der größte Natursee Frankreichs und wird zum größten Teil von Fluss Leysse gespeist, der das Stadtgebiet von Süden nach Norden durchquert.
Im Zentrum Chambérys liegt die Place Saint-Léger mit vielen repräsentativen Häusern, vornehmlich aus dem 18. Jahrhundert. Ursprünglich wurden diese Gebäude um eine kleine Insel herum gebaut, die vom Fluss Albanne gebildet worden war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Albanne verlegt, so dass in der Stadt die Fläche des Platzes gewonnen wurde. Die Albanne (der Name bedeutet «die Weiße») fließt heute ein wenig weiter östlich in die Leysse. Westlich des Stadtzentrums mündet die Hyère in die Leysse.
Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führt die Rue de Boigne quer durch das Stadtzentrum. Sie wurde im Zuge der sogenannten Haussmannisierung angelegt und durchbrach die kleingliedrigen Stadtstrukturen und brachte gehobene Wohn- und Geschäftshäuser in die Altstadt. Die Straße führt vom Flussübergang über die Leysse in gerader Linie zum Schloss von Chambéry.
Im weiten Stadtgebiet liegen außerhalb der Altstadt mehrere Außenquartiere und Dörfer. Die Stadt besteht aus den Quartieren:
Biollay: Hôpital, Maché
Bissy: Challot, Chamoux, Charrière-Neuve, la Labiaz, les Landiers, Z.I. Bissy
Centre: Angleterre, Bellevue, la Cassine, le Covet, la Gare, le Grand Verger, Montjay, le Stade
Laurier: Buisson-Rond, Curial, les Charmettes, Joppet, Lémenc, les Monts, Mérande
Chambéry-le-Vieux: Les Bois, le Carré, le Fromaget, Morraz, Putigny, Saint-Ombre
Hauts-de-Chambéry: Beauvoir, Chantemerle, les Châtaigniers, la Chenavière, les Combes, la Croix-Rouge, le Mollard, le Piochet, Pugnet.
Bereits die Römer hatten an der Stelle des heutigen Chambéry eine Siedlung, die sie Lemencum nannten. Chambéry kommt erstmals 1029 als Camberiacum in Urkunden vor und war vom 11. bis zum 13. Jahrhundert eine selbstständige Grafschaft. 1232 wurde es vom Grafen ThomasI. von Savoyen erworben, der den Einwohnern wichtige Privilegien verlieh. Graf AmadeusV. machte Chambéry 1295 zur Hauptstadt der Grafschaft Savoyen, welchen Status sie bis 1563 behielt.
Die Herzöge von Savoyen bewahrten das Turiner Grabtuch, nachdem sie es 1453 von einer Nachfahrin Geoffroy de Charnys erworben hatten, mit Unterbrechungen in Chambéry auf und schließlich dauerhaft von 1502 bis 1578 in der Sainte-Chapelle von Chambéry. Beim Brand der Sainte-Chapelle am 4. Dezember 1532 wurde das Grabtuch beschädigt und trägt seitdem die heute sichtbaren Brandlöcher. 1578 ließ Herzog Emanuel Philibert von Savoyen die Reliquie von Chambéry in seine neue Residenzstadt Turin in den Turiner Dom überführen.
Zwischen 1536 und 1713 wurde Chambéry mehrfach von den Franzosen besetzt. Der Friede von Utrecht sprach es wieder Savoyen zu. 1730 ließ sich der König Viktor Amadeus II. von Sardinien, nachdem er die Regierung niedergelegt hatte, hier nieder. 1742 wurde Chambéry von einer französisch-spanischen Armee erobert. Von 1792 bis 1814 stand die Stadt erneut unter französischer Herrschaft und war Hauptort des Départements Mont-Blanc. Hatte der Erste Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 Chambéry bei Frankreich gelassen, so kam es im Zweiten Pariser Frieden vom 20. November 1815 an Sardinien zurück. 1860 wurde es mit Savoyen endgültig an Frankreich abgetreten.
Im Zweiten Weltkrieg war der Bahnhof von Chambéry ein Ziel der Bombardierungen am 26. Mai 1944 durch die Luftwaffe der USA. Wegen der großen Streuung fielen zahlreiche Bomben auch auf die Innenstadt, wodurch dreihundert Gebäude zerstört wurden; 120 Personen starben und über dreihundert wurden verletzt. Am 29. August 1943[3] wurden bei der Kathedrale zwei Frauen wegen des Vorwurfs der sogenannten Horizontalen Kollaboration erschossen. Am 17. Juni 1945 wurde in Chambéry ein Rückführungstransport mit internierten Soldaten der faschistischen Division Azul[4] angegriffen und der Zug musste mit mehreren Toten ins Internierungslager La Plaine (Genf) zurückkehren.
2020 wurde Thierry Repentin von der linken Liste LDVG zum Bürgermeister gewählt. Er gewann gegen den konservativen Amtsinhaber Michel Dantin, der seit 2014 dieses Amt innehatte.[5]
Chambéry unterhält seit 1997 eine Partnerschaft mit der italienischen Großstadt Turin im Piemont und seit 1979 eine Partnerschaft mit Albstadt in Baden-Württemberg. Ferner gibt es freundschaftliche Beziehungen zu Carouge im Schweizer Kanton Genf und zu Blainville (Québec) in Kanada. Eine Kooperation besteht mit der Stadt Ouahigouya in Burkina Faso.[7]
In der Stadt befinden oder befanden sich mehrere Industriefirmen: Pechiney (heute teil von Alcan), Transalpine, Cafés Folliet, Placoplatre, Opinel, Vetrotex.
In den 1950er Jahren errichtete der Industriekonzern Saint-Gobain ein Produktionswerk in der neuen Gewerbezone von Chambéry.
Die Eisenbahngesellschaft SNCF führt bei Chambéry ein regionales Unterhaltswerk.
Chambéry zählt zu den französischen Städten, die für ihre bedeutende Start-up-Wirtschaft das staatliche Label French Tech erhalten haben.
Thomas I. von Savoyen (1178–1233), der zweite Gründer des savoyischen Staates, Stadtherr von Chambéry seit 1232.
Jean-Jacques Rousseau (1712–1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge lebte von 1729 bis 1742 in Chambéry. Ihm ist ein Denkmal und eine Mediothek in der Stadt gewidmet.
Christian Sorrel (Hrsg.), Michel Brocard, Bernard Demotz, André Palluel-Guillard, Pierre Préau, Jean Prieur: Histoire de Chambéry. Privat, 1992, ISBN 2-7089-8303-2.
François Juttet (Regie) et Guides-lecturers de Chambéry: Chambéry: Lecture d’une ville. Éditions Comp’Act, 2005, ISBN 2-87661-374-3, 448 S.
François Juttet: Chambéry un patrimoine à découverte. Association des Guides-Lectures, 2016, ISBN 979-10-90309-01-2, 112 Seiten.
Monique Dejammet, André Palluel-Guillard: Chambéry à la Belle Époque. La Fontaine de Siloé, 2007, ISBN 2-84206-231-0.
Jean-Olivier Viout und Claude Fachinger: Chambéry intime. Alan Sutton, 2002, ISBN 2-84253-661-4.
Jean-Olivier Viout: Chambéry au fil d’un siècle: 1900–2000. La Fontaine de Siloé, 2001.
Jean-Olivier Viout: Chambéry 1944. La Fontaine de Siloé, 2012.
Gabriel Pérouse: Le Vieux Chambéry. Pyremonde, 2009.
Chambéry, un carrefour alpin. Glénat, Slg. „l’Alpe“ (Nr. 59), 2013.
↑Pierre Brana, Joëlle Dusseau:Collaboratrices: 1940–1945 – Histoire des femmes qui ont soutenu le régime Vichy et l’occupation nazi. Édition Perrin, Paris 2024, ISBN 978-2-262-10010-0, S.197.