Mercedes (Büromaschinen)

Das Unternehmen Mercedes Bureau-Maschinen-Gesellschaft wurde 1906 von Gustav Mez in Berlin in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gegründet; zwei Jahre später verlegte es seinen Sitz nach Mehlis in Thüringen. Unter Nutzung der dort vorhandenen Facharbeiter im Bereich der Waffenproduktion erweiterte das Unternehmen während des Ersten Weltkriegs seine Produktpalette und firmierte rund ein Jahrzehnt lang als Mercedes Büromaschinen- und Waffenwerke GmbH mit Standorten in Zella-Mehlis und Benshausen. Erst 1927 bei der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft wurde die zum Kriegsende aufgegebene Waffenproduktion wieder aus der Firma entfernt, die nun Mercedes Büromaschinen-Werke AG lautete.
Mercedes geht auf den spanischen Frauen-Vornamen zurück und wurde von verschiedenen Unternehmen als Marke oder Teil der Firma genutzt; den größten Bekanntheitsgrad und das größte Renommee erlangten die unter der Marke vertriebenen Automobile der Daimler-Motoren-Gesellschaft (1926 fusioniert zur Daimler-Benz AG). Der juristisch kaum zu lösende Konflikt zwischen den beiden Unternehmen wurde schließlich 1912 durch einen Abgrenzungsvertrag beendet, der eine klar unterscheidbare Verwendung der Marke für beide Unternehmen verbindlich regelte.
Am neuen Standort in Thüringen wurde in einem neu gebauten Fabrikgebäude in der Nähe des Bahnhofs Zella-Mehlis West die Produktion von Schreib- und Rechenmaschinen aufgenommen. Mehrfach mussten die Produktionsräume erweitert werden. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verließ eine Vielzahl mechanischer und elektromechanischer Modelle von Schreib-, Rechen- und Buchungsmaschinen das Werk, darunter 1921/1922 die Mercedes Elektra des Ingenieurs Carl Schlüns.
Das 1946 enteignete Werk in Zella-Mehlis wurde als VEB Cellatron Büromaschinenwerk Zella-Mehlis fortgeführt. Dieser entwickelte Anfang der 1960er-Jahre Computer unter der Marke Cellatron[1], die bis zum Ende seines Bestehens die Produktpalette bestimmten. 1977 wurde das Werk in das Kombinat Robotron eingegliedert und in VEB Robotron-Elektronik Zella-Mehlis umbenannt. 1990 wurde der Betrieb aufgelöst; fast alle Gebäude am Standort des ehemaligen Mercedes-Werks wurden abgerissen. Lediglich die unter Denkmalschutz stehende Hauptverwaltung blieb erhalten und wurde 2023 zu Behindertenwohnungen umgebaut.[2]
- Mercedes Elektra
- Mercedes Euklid, Rechenmaschine von Christel Hamann
- Robotron Cella, Reiseschreibmaschine aus den 1980er Jahren
- Mercedes Euklid, Modell 29, Bestand des MEK
- Cellatron R31 (1960)
- Cellatron C8206 (1969)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Julius Schmitt: Mercedes-Büromaschinen-Werke A.G. Zella-Mehlis i. Th. (= Musterbetriebe Deutscher Wirtschaft, Band 14.) S. Hirzel, Berlin 1930.
- Mercedes Büromaschinen-Werke Aktiengesellschaft. In: Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 37. Ausgabe 1932, Band 1, S. 324 f.
- Christine Krause, Dieter Jacobs: Von der Schreibmaschine zu Mikrorechnersystemen. (online als PDF-Dokument auf www.rechenschieber.org)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Cellatron SER 2 - ein neuer Digital-Rechenautomat. In: Kraftfahrzeugtechnik, Ausgabe 07/1962, S. 306.
- ↑ Denkmalschutz-Villa wird Service-WG