Carl Tesch
Carl Tesch (* 30. Juni 1902 in Frankfurt-Sachsenhausen; † 16. oder 17. Oktober 1970 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Kultur- und Gewerkschaftsfunktionär sowie Erwachsenenbildner und von 1948 bis 1969 Leitender Direktor des Frankfurter Bundes für Volksbildung.
Werdegang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tesch wurde am 30. Juni 1902 in Frankfurt am Main als jüngstes dreier Kinder von Richard und Johanna Tesch geboren. Sein ältester Bruder Friedrich fiel im Ersten Weltkrieg, sein Bruder Wilhelm starb im Oktober 1943 als Flaksoldat. Seine Mutter verstarb im KZ Ravensbrück.[1] Er wuchs in Frankfurt-Riederwald auf und besuchte die Brüder-Grimm-Mittelschule in Ostend. Im Anschluss absolvierte er bis 1920 eine Lehre als Werkzeugmacher. Seit Beginn seiner Lehre im Jahr 1917 war Tesch Mitglied der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ), ab 1920 war er Mitglied in der SPD. 1921 fungierte er als Bezirkssekretär der SAJ in Hessen. 1925 wurde Tesch wegen fehlender finanzieller Mittel aus der SAJ entlassen und von dort an als Handelsvertreter tätig.
Um 1926/1927 studierte Tesch an der Frankfurter Akademie der Arbeit und ab 1930 die Deutsche Hochschule für Politik in Berlin, nachdem er dort als Sekretär des Verbands der Gemeinde- und Staatsarbeiter tätig wurde. Anschließend wurde er selbst in der gewerkschaftlichen Bildung tätig und leitete eine Volksbibliothek. 1931 schloss er sich dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold an. Nachdem er um 1932 oder 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten seine Anstellung verloren hatte, kehrte er nach Frankfurt am Main zurück.
Tesch engagierte sich im politischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, unter anderem durch das Verteilen illegaler Informationsblätter von Paul Apel und dessen sozialistischer Untergrundorganisation. Einer Verhaftung entging Tesch durch Flucht in die Schweiz. Seine Arbeit im Widerstand setzte er in St. Gallen fort. Im Dezember 1936 heiratete er Margot Weyel (1912–1988)[2], mit der er schon in Frankfurt am Main zusammengelebt hatte. Im Juni 1940 wurde Tesch inhaftiert und ab August im Zuchthaus St. Gallen untergebracht; obwohl eine Anklage gegen ihn im Dezember 1940 fallen gelassen wurde, blieb er in Haft und war bis Dezember 1944 in diversen Arbeitslagern in der Schweiz interniert. Im März 1941 wurde seine Tochter Sonja Tesch geboren.[1] Nach seiner Entlassung war er in der Bibliothek Vadiana St. Gallen tätig und trug zum Aufbau der Freien Deutschen Bewegung in der Schweiz bei.
Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt im September 1945 trat Tesch zunächst der KPD bei, verließ sie jedoch bald wieder und engagierte sich erneut in der SPD. So organisierte er ab Oktober 1945 gemeinsam mit Else Epstein, die er seit seiner Jugend kannte, den Frankfurter Bund für Volksbildung neu. Im selben Monat fand dessen erster Nachkriegsvortrag statt. Im März 1946 erhielt der Bund die offizielle Lizenz der amerikanischen Militärregierung für öffentliche Veranstaltungen. Nach Epsteins Tod 1948 wurde Tesch leitender Direktor des Frankfurter Bunds für Volksbildung und blieb dies bis 1969.
In dieser Funktion prägte Tesch die Frankfurter Erwachsenenbildung und Volksbildungsarbeit. Er war an überregionalen Volksbildungsverbänden wie dem Hessischen Landesverband für Erwachsenenbildung sowie dem Deutschen Volkshochschul-Verband beteiligt. Außerdem initiierte oder unterstützte er politische Bildungsangebote, die Arbeitsgemeinschaft „Arbeit und Leben“, Frankfurter Altenclubs, Strafgefangenenarbeit und Ausländerhilfe. 1963 organisierte der Frankfurter Bund für Volksbildung unter seiner Leitung eine Ausstellung über das Warschauer Ghetto und 1964 mit „Auschwitz. Bilder und Dokumente“ eine Ausstellung in der Frankfurter Paulskirche.[1]
Daneben engagierte sich Tesch stark für die Volksbühnen- und Theaterarbeit. 1947 wurde die Frankfurter Volksbühne wiedergegründet.
Am 1. Dezember 1969 trat Tesch endgültig in den Ruhestand. Im selben Jahr ließ er sich von seiner Ehefrau Margot scheiden. Er starb am 16. oder 17. Oktober 1970 in Frankfurt am Main im Alter von 68 Jahren und hinterließ zwei Töchter.
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Carl Tesch im Frankfurter Personenlexikon
- Carl Tesch bei der GEW Hessen
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Oliver Teutsch: Der vergessene Sohn. In: Frankfurter Rundschau. 26. September 2019, abgerufen am 23. Mai 2026.
- ↑ Tesch, Margot. In: Frankfurter Personenlexikon. Abgerufen am 23. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tesch, Carl |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kultur- und Gewerkschaftsfunktionär sowie Erwachsenenbildner |
| GEBURTSDATUM | 30. Juni 1902 |
| GEBURTSORT | Frankfurt-Sachsenhausen |
| STERBEDATUM | 16. Oktober 1970 oder 17. Oktober 1970 |
| STERBEORT | Frankfurt am Main |
- Gewerkschaftsfunktionär
- Person (Frankfurt am Main)
- SPD-Mitglied
- KPD-Mitglied
- Deutscher
- Geboren 1902
- Gestorben 1970
- Mann
- Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus
- Träger der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main
- Mitglied im Reichsbanner
- Deutscher Emigrant in der Schweiz
- Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus)
- NS-Opfer
- Person der Erwachsenenbildung