Car-PC
Als „Car-PC“ oder „Carputer“ wird ein konventioneller Computer bezeichnet, der nicht vom Fahrzeughersteller stammt und in einem Fahrzeug (meist Pkw oder Lkw) verbaut ist oder nachgerüstet wurde. Damit sind in der Regel Geräte gemeint, die von Privatpersonen in ein Auto eingebaut wurden, nicht die vom Hersteller serienmäßig verbauten Geräte. Die Entstehung des „Car-PC“ ist historisch bedingt.
Abgrenzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es handelt sich bei einem „Car-PC“ weder um ein offizielles Steuergerät noch um einen modernen Fahrzeugcomputer eines Fahrzeugherstellers oder Zulieferers. Auch Infotainmentsysteme besitzen seit den 2010er Jahren computerbasierte Fähigkeiten. Sie sind jedoch Originalteile und keine nachgerüsteten Geräte. Ein Beispiel ist das Audi MMI. Je nach Funktionsumfang besitzen Fahrzeuge seit den 2020er Jahren herstellerseitig bereits Fahrzeugcomputer. Diese sind Teil einer Infrastruktur aus anderen Steuergeräten, die sie ergänzen oder ersetzen. Diese Geräte sind offizielle und vollintegrierte Bauteile.
Ein „Car-PC“ wird auch als Ergänzung oder Ersatzgerät in einem Fahrzeug verstanden, beispielsweise wenn ein Navigationsgerät des Herstellers durch ein Gerät eines Drittherstellers ausgetauscht wird, sofern dieses verfügbar ist und ein Austausch möglich ist. Da die Geräte meist eine Vielzahl von Funktionen bieten, werden sie auch als „Multimediacomputer“ oder „Multimedia-Car-PCs“ bezeichnet.
Konzept
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Ein „Car-PC“ ist ein PC, der in einem Auto nachgerüstet wurde und aus konventionellen Bauteilen (CPU, RAM usw.) besteht. Es handelt sich in der Regel um kompakte Geräte, die an verschiedenen Stellen im Fahrzeug verbaut werden können, beispielsweise im Handschuhfach. In der Regel verfügen sie über eine Anzeige (Display oder Touchdisplay) zur Bedienung. Als Hardware eignen sich beispielsweise kleine Mini-ITX-Mainboards zum Eigenbau, Barebone-PCs oder Notebooks. Die Ein- und Ausgabe erfolgt über die gewöhnlichen Computergeräte wie Tastatur oder Computermaus, oder andere Lösungen. Heutzutage würden auch kleine All-in-one-Computer als Geräte in Frage kommen oder Einplatinen-Computer wie Raspberry Pi.[1]
Es gibt auch Anbieter, die fertige Geräte im Angebot haben, die speziell für die Verwendung im Auto konzipiert und gebaut wurden.
Ein „Car-PC“ muss elektrisch so ausgelegt sein, dass er von der Bordspannung (meist 12 V) des Fahrzeugs versorgt werden kann. Erweiterungen und Peripherie können sein, ein USB-Hub, GPS-Empfänger, Videokamera; oder Schnittstellen wie Bluetooth zum Freisprechen, Ethernet/WLAN u. a. die es einem Benutzer erlauben, Daten vom/zum Gerät zu transportieren. Das Gerät kann je nach Funktionsumfang über eine Schnittstelle zur Fahrzeugkommunikation (z. B. CAN) verfügen und gegebenenfalls einzelne Nachrichten auslesen, z. B. bei der On-Board-Diagnose (OBD).
Für „Car-PC“ existieren (oder existierten) eine Reihe an Betriebssystemen und Softwareframeworks, wie grafische Benutzeroberflächen:
- Kostenlos/teilweise open source
- iCT – In Car Terminal
- MediaCar
- CarFlash
- MediaEngine
- cPos – Car PC Operating System
- Road Runner (nun bekannt unter dem Namen „Ride Runner“ um Konflikte mit eingetragenen Warenzeichen zu vermeiden)
- Kommerziell
- C.E.S. 4 – Chameleon
- Centrafuse
- Streetdeck
- artemis-obd 2.2 (Itunes App Wifi OBD2 für Apple iPad)
Entwicklungsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Idee des sogenannten „Car-PC“ geht bis in die 2000er Jahre zurück, als Computerhardware günstiger, kleiner und breiter verfügbar wurde.[2] Die ersten Enthusiasten verfolgten das Ziel, einen Personal Computer (PC) im Auto zu nutzen.[3][4] Einzelne Projekte reichen bis in die 1990er Jahre zurück.[5] Microsoft kündigte damals eine „Auto PC“-Variante des Windows CE an.[6]
Die Fahrzeugelektronik war zu diesem Zeitpunkt nicht mit Computerhardware ausgerüstet, wie es seit Mitte der 2010er Jahren in vielen Fahrzeugen der Fall ist. Computer boten somit die Möglichkeit, neue Funktionen im Fahrzeug zu nutzen, beispielsweise Musik vom PC im Auto abzuspielen.
Insgesamt ist das Konzept, extra Hardware/Software in einem Auto zu verbauen, weiterhin in Nutzung, beispielsweise für Sonderfahrzeuge wie die Einsatzfahrzeugen. Dort werden von Zulieferern Originalgeräte nach Spezifikation verbaut. Der Integrationsgrad ist dabei relativ hoch. Das Konzept findet auch Anwendung bei Test- und Erprobungsfahrzeugen, wie z. B. Google Street View. Bei solchen Aufbauten wird auch fahrzeugfremde oder einsatzspezifische Computerhardware verbaut.
Rechtlicher Hinweis
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Eingriff oder die Manipulation von Steuergeräten im Automobil (Motorsteuerung) unterliegt rechtlichen Vorgaben im Hinblick auf die Zulassung. Siehe auch Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Aubrey Pilgrim: Build Your Own Multimedia PC. Windcrest/McGraw-Hill, New York London 1994, ISBN 978-0-8306-4566-4 (archive.org).
- Damien Stolarz: Car PC Hacks. O’Reilly Media, Sebastopol, CA 2005, ISBN 978-0-596-00871-0 (englisch, archive.org).
- Gavin D. J. Harper: Build Your Own Car PC. McGraw-Hill, New York 2006, ISBN 978-0-07-146826-8 (englisch, archive.org).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Build a car computer ‘carputer’ with Raspberry Pi. In: Raspberry Pi Official Magazine. 24. Mai 2019, abgerufen am 24. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Car Computer History. In: TechnologyAdvice. 7. Juli 2023, abgerufen am 24. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Alexander Poitinger (BeutelAP): Car-PC in doppel DIN Schacht. In: Car-PC.info. Abgerufen am 2. Dezember 2021.
- ↑ Alexander Poitinger (BeutelAP): Car-PC im Mitsubishi Galant. In: Car-PC.info. Abgerufen am 2. Dezember 2021.
- ↑ Automation History – The First Embedded Car PC was introduced on Dec. 4, 1998 | InduSoft. Archiviert vom am 10. Dezember 2015; abgerufen am 22. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Microsoft Announces Auto PC, PC Companion Powered by Windows CE 2.0. Archiviert vom am 14. November 2012; abgerufen am 22. Mai 2026.